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Müde, gewürgt und ungeehrt

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Von: Boris Halva

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50 Jahre die Nummer eins: Harald Juhnke galt als der größte Entertainer Deutschlands – nun soll es in Berlin endlich einen Platz geben, der Juhnke ehrt. Stefan Hesse/dpa
50 Jahre die Nummer eins: Harald Juhnke galt als der größte Entertainer Deutschlands – nun soll es in Berlin endlich einen Platz geben, der Juhnke ehrt. Stefan Hesse/dpa © Stefan Hesse/dpa

Von fehlenden Platznamen in Berlin, Autofahrern mit falschem Schlafplatz und vermeintlich guten Gefühlen im Schwitzkasten

Leicht einen sitzen und keine Termine. So soll einst Harald Juhnke jenen Zustand beschrieben haben, in dem er die größte Zufriedenheit empfand. Aber: So reizvoll es wäre, nach diesem Motto zu leben – wenn das alle machen würden, wo kämen wir da hin!? In die Politik vielleicht?

Tschuldigung, lag irgendwie nahe angesichts der Meldung, dass in Berlin weder eine Straße noch ein Platz den Namen des großen Entertainers Harald Juhnke tragen und dass es nun politische Bestrebungen gibt, diesen Mangel zu beheben. Erstaunlich ist, dass die FDP diesen Vorschlag macht, also eine Partei, die ja nicht gerade als Freundin des rauschgetragenen Müßiggangs gilt, sondern eher dafür bekannt ist, an den Glaubenssätzen einer Zeit festzuhalten, die sich auf dem Highway zur Hölle längst selbst überholt haben – mit mindestens Tempo 130, sodass es nicht wundert, dass sie die Zaunpfähle und Leitpfosten, mit denen nicht nur von der „Letzten Generation“ gewunken wird, gar nicht wahrnehmen.

Aber damit hier nicht der Eindruck entsteht, die Leute-Rubrik der FR hätte leicht einen sitzen und nicht richtig hingeschaut, sei hier angeführt, dass nicht die Bundestags-Fraktion der Liberalen den Antrag gestellt hat, sondern die FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung in Charlottenburg-Wilmersdorfung. In deren Antrag heißt es: „Harald Juhnke war über mehr als fünf Jahrzehnte der berühmteste Schauspieler und Entertainer Deutschlands, dem auch seine Heimatstadt viel zu verdanken hat.“ Deshalb wolle die FDP „Juhnkes Lebenswerk und seine Verdienste für Berlin mit einer Platzbenennung ehren“, wie die Deutsche Presse-Agentur Sebastian Czaja , den FDP-Vorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus, zitierte. So soll der Joachimsthaler Platz am Kurfürstendamm künftig Harald-Juhnke-Platz heißen. Und damit die Lorbeeren an die richtige Adresse geschickt werden (ist ja in der Politik nicht selbstverständlich), hier noch der Hinweis, dass der Vorstoß laut dpa auf die Familie Juhnkes und dessen früheren Manager Peter Wolf zurückgeht.

Mittelschwer einen sitzen und keine Termine hatte auch ein Autofahrer, der in der Nacht zu Freitag auf dem Standstreifen der A 19 Rostock-Berlin geparkt und ein Nickerchen gemacht hatte. Der Polizei fiel der Wagen auf, die Einsatzkräfte weckten den 50-Jährigen und ließen ihn pusten: 1,66 Promille. Deutlich größere Beträge dürften auf der Rechnung des Abschleppdienstes und der Bußgeldstelle stehen – die waren nämlich in den weiteren Verlauf der frühmorgendlichen Nickerchen-Beendigungs-Aktion eingebunden.

Ein unschönes Erwachen dürfte auch ein junger Bar-Besucher in Tokio gehabt haben, der mal ausprobiert hatte, wie „gut“ es sich anfühlt, mit Judo-Techniken gewürgt zu werden. Vermutlich muss man schwer einen sitzen haben, wenn man einen Unbekannten, der einem erzählt, „es fühlt sich gut an, mit Judo-Techniken gewürgt zu werden“, nicht zum Teufel jagt, sondern sich in den Schwitzkasten nehmen lässt… Wie die Tageszeitung „Yomiuri Shimbun“ online berichtete, würgte der Unbekannte den jungen Mann mit einem Kampfsport-Griff so lange, bis dieser ohnmächtig wurde. Dann stahl er die Brieftasche seines Opfers mit 90 000 Yen Bargeld (rund 600 Euro) und verschwand. Allerdings nicht weit genug – die Polizei kam dem Täter auf die Spur und verhaftete ihn. Es ist anzunehmen, dass er einsitzt und demnächst eher unangenehme Termine hat. boris halva

Mehr Informationen finden Sie unter www.fr-online.de

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