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Schwer geschädigt wurde die Gemeinde Macomia.

Mosambik

Einige Dörfer „vollkommen weggefegt“

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Auf „Idai“ folgt „Kenneth“: Gleich zwei Zyklone der Stärke 4 innerhalb einer Saison treffen die Küste des südostafrikanischen Staates Mosambik. 

Etwas Vergleichbares hat es in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen in diesem Teil der Welt noch nie gegeben. Innerhalb einer Saison suchten gleich zwei Zyklone der Stärke 4 die Küste des südostafrikanischen Staates Mosambik heim. Der in der Nacht zum Freitag vom Indischen Ozean aus über das Land fegende Wirbelsturm „Kenneth“ erreichte Windgeschwindigkeiten von mehr als 240 Stundenkilometern – der heftigste Zyklon, der dort jemals registriert wurde. Erst vor sechs Wochen hatte der Wirbelsturm „Idai“ weite Teile Mosambiks sowie der Nachbarstaaten Simbabwe und Malawi getroffen und unter Wasser gesetzt. Das Unwetter tötete mehr als 1000 Menschen und richtete einen Schaden von über zwei Milliarden US-Dollar an.

Viel Niederschlag erwartet

Obwohl „Kenneth“ noch heftiger wütete und laut Vorhersagen in den kommenden Tagen vermutlich die doppelte Menge an Niederschlag abregnen lassen wird, ist der von ihm angerichtete Schaden zumindest bislang geringer ausgefallen. Das liegt vor allem daran, dass der Sturm die Küste knapp 1000 Kilometer weiter nordöstlich heimgesucht hat, wo deutlich weniger Menschen leben und das Terrain nicht so flach wie in der Region um Beira ist. Die Hafenstadt war Mitte März von „Idai“ schwer beschädigt worden.

Hilfswerke sprechen von bislang fünf Toten, die auf „Kenneths“ Konto gingen: Allerdings könnten die für die kommenden Tagen erwarteten Fluten noch wesentlich größeren Schaden anrichten. Das Epizentrum des jüngsten Zyklons befindet sich in der Nähe von Pemba. Auf der nördlich der Hafenstadt gelegenen Insel Ibo wurden nach Angaben der mosambikanischen Regierung 90 Prozent aller Häuser und Hütten zerstört und 15 000 Menschen ihres Zuhauses beraubt. Einige Dörfer seien „vollkommen weggefegt“ worden, teilte Gemma Connell vom UN-Büro für Humanitäre Einsätze (Ocha) nach einem Flug über die betroffene Region mit: „Sie sehen aus, als ob sie von einem Bulldozer platt gemacht worden seien“.

Schon vor dem Sturm hatte Mosambiks „Nationales Institut für Destaster Management“ rund 30 000 Menschen in sicherere Gebiete evakuieren lassen. Die Aktion wird derzeit fortgesetzt. Das Hilfswerk verfüge über Nahrungsmittel, mit denen 140 000 Menschen zwei Wochen lang ernährt werden könnten, hieß es. Doch von den erwarteten Fluten könnten 700 000 Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden.

In Pemba, wo mehr als 20 000 Menschen Schutz in Notlagern gefunden haben, ist die Stromversorgung zusammengebrochen. In Teilen der Hafenstadt stand das Wasser am Sonntag bereits einen Meter hoch. Weite Teile der ganz im Nordosten des Landes gelegenen Cabo-Delgado-Provinz sind für Fahrzeuge unzugänglich. Auch eine wichtige Brücke soll zusammengebrochen sein.

Die „Weltorganisation für Meteorologie“ (WMO) kündigte unterdessen die Entsendung einer Expertengruppe nach Mosambik an, um die Auswirkungen der Klimaerwärmung und des Anstiegs des Meeresspiegels zu untersuchen. Die dortigen Ereignisse seien „beispiellos“, befand die Wetterbehörde. Dass sich innerhalb einer Saison gleich zwei Zyklone dieser Stärke im Indischen Ozean gebildet hätten, sei seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie vorgekommen.

Die derzeitigen Vorgänge in Mosambik seien „exakt das, was Klimaforscher für den Fall vorausgesagt haben, dass wir unseren Planeten weiterhin aufheizen“, warf der Generalsekretär von Amnesty International, Kumi Naidoo, in die Debatte: „Die Mosambikaner müssen nun ausbaden, zu was sie selbst überhaupt nichts beigetragen haben.“ Die zweifache Präsidentenwitwe Graça Machel – sie war sowohl mit Mosambiks Gründungspräsidenten Samora Machel wie mit Nelson Mandela verheiratet – stimmt dem ehemaligen Greenpeace-Chef zu: Mosambik werde vor völlig unerwartete und teure Herausforderungen gestellt.

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