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In sechs Sekunden gehen die letzten beiden Pfeiler der Morandi-Brücke in Genua in Asche und Rauch auf.

Morandi-Brücke

Zurück bleibt Staub: Unglücks-Brücke von Genua gesprengt

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Im August 2018 war ein Teil der Autobahnbrücke eingestürzt, 43 Menschen kamen ums Leben. Nun sind die letzten Pfeiler gesprengt worden.

Es hat nur sechs Sekunden gedauert, dann waren am Donnerstagmorgen um 9.37 Uhr die letzten beiden Pfeiler der Unglücksbrücke von Genua zusammengestürzt. Eine enorme weiße Staubwolke breitete sich über der Stadt aus. Tausende Schaulustige, die das Schauspiel mit Handys gefilmt oder durch Ferngläser beobachtet hatten, applaudierten und jubelten. Kurz darauf verkündete Genuas Bürgermeister Marco Bucci, die schwierige Sprengung, wie es sie in dieser Dimension noch nie in einem bewohnten Zentrum gegeben habe, sei nach Plan verlaufen.

Eine Tonne Dynamit in hunderten Einzelladungen und viele Kilogramm Plastiksprengstoff hatten die Techniker an den 90 Meter hohen Pylonen und Querverstrebungen aus Stahlbeton angebracht. 3500 Anwohner aus einem Umkreis von 400 Metern hatten aus Sicherheitsgründen am frühen Morgen ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen. Alle anderen waren angewiesen, die Fenster geschlossen zu halten. 400 Polizisten sicherten die Wohngegenden, um Einbrüche und Plünderungen zu verhindern. Die umliegenden Autobahnen waren gesperrt.

Neueröffnung 2020 geplant

Zehneinhalb Monate sind seit dem Unglück vergangen. Am 14. August 2018 war ein 200 Meter langer Abschnitt der Autobahnbrücke Ponte Morandi eingestürzt und hatte 43 Menschen in Autos und Lkw in den Tod gerissen. Das direkt unter den Pfeilern liegende Viertel war schon gleich nach dem Unglück geräumt, mehr als 650 Menschen waren dauerhaft umgesiedelt worden.

Der Abriss des Viadukts hatte im Februar begonnen. Von den beiden letzten Brückenpfeilern bleiben nun noch 20 000 Kubikmeter Beton und Metall-Trümmer übrig, die weggeschafft werden müssen. Um die Belastung durch Staub und Asbest möglichst gering zu halten, waren vor der Sprengung überall an den Pfeilern orangefarbene Plastik-Wassersäcke angebracht worden, Wasserbecken waren aufgestellt, außerdem schickten Dutzende Wasserkanonen Fontänen in die aufsteigende Staubwolke.

Ob die Anwohner zurück in die Häuser dürfen, sollte erst am späten Abend entschieden werden. Voraussetzung sei eine ausreichend gute Luftqualität.

Bauwerk hatte Hafenstadt geprägt 

Das in den 60er Jahren erbaute Morandi-Viadukt hatte das Bild der ligurischen Hafenstadt jahrzehntelang geprägt. Nun entsteht eine neue Brücke nach einem Entwurf des Genueser Star-Architekten Renzo Piano. Eingeweiht werden soll sie im April 2020, der Bau hat vor wenigen Tagen begonnen. Noch am Freitag sollten erste fertige Brückenteile in Genua eintreffen.

Noch immer nicht abschließend geklärt ist die Frage, wer für das Unglück Verantwortung trägt. Gegen 73 Personen wird wegen des Verdachts mangelnder Instandhaltung ermittelt, darunter ist der Chef des früheren Autobahnbetreibers Autostrade per l’Italia, der zum Benetton-Konzern gehört.

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