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Die Gruppe „United Colors Of Change“ will den Namen der „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg ändern.
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Die Gruppe „United Colors Of Change“ will den Namen der „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg ändern.

„Hof-Apotheke zum Mohren“ soll Namen ändern

Rassismus-Streit um Apotheke in Friedberg: Jetzt schaltet sich der Bürgermeister ein 

  • Nico Scheck
    vonNico Scheck
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Der Name der „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg sorgt für Protest. Jetzt schaltet sich der Bürgermeister Dirk Antkowiak in die Rassismus-Debatte ein.

Update vom Mittwoch, 02.09.2020: Die Rassismus-Debatte und der Streit um die Namensänderung der Friedberger „Hof-Apotheke zum Mohren“ geht weiter. Weil bisher kein Dialog zwischen der Inhaberin der Apotheke, Kerstin Podszus, ihrem Anwalt Konrad Dörner und den Aktivist*innen der Gruppe „United Colors Of Change“ zustande gekommen ist, soll jetzt der Bürgermeister von Friedberg, Dirk Antkowiak (CDU), als neutraler Vermittler fungieren.

Auf einer Pressekonferenz in Friedberg am 21. August hatten sowohl Podszus als auch Dörner ein Eingreifen durch Antkowiak begrüßt. In einem Video vom 28. August, dass auf der Facebook-Seite der Apotheke geteilt wurde, erklärte Dörner: „Wir haben heute schriftlich den Bürgermeister von Friedberg, Dirk Antkowiak, gebeten, in diesem Konflikt um die geforderte Namensänderung zu vermitteln, zu einem Gespräch einzuladen und dieses Gespräch zu moderieren.“

Bürgermeister von Friedberg soll Gespräch im Namensstreit um „Hof-Apotheke zum Mohren“ moderieren

Gegenüber der Frankfurter Rundschau bestätigten die Aktivist*innen der Gruppe „United Colors Of Change“ nun eine Kontaktaufnahme per Mail durch den Bürgermeister. In besagter Mail heiße es, dass Antkowiak als neutraler Moderator fungieren möchte. Ein solches Gespräch begrüßen auch die Aktivist*innen.

Eine Aussage Podszus‘ auf der Pressekonferenz lässt aber Zweifel an der Neutralität von Bürgermeister Antkowiak aufkommen. Dort hatte die Apotheken-Inahberin erklärt: „Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit unserem Bürgermeister, der zu hundert Prozent hinter mir steht.“ Schon vor der Demonstration hatten die Aktivist*innen den Kontakt zu Antkowiak gesucht. Zu diesem Zeitpunkt kam es jedoch zu keinem Austausch. Erst mit der Aufforderung vom juristischen Beistand der Friedberger Apotheke, Dörner, nahm Antkowiak Kontakt zu den AktivistInnen auf.

Der Bürgermeister verweilt zurzeit im Urlaub und hat sich entsprechend noch nicht zu seiner Position im Streit um den Namen der „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg geäußert. Ein Gespräch soll aber nach seiner Rückkehr zeitnah stattfinden, wie ein Vertreter von „United Colors Of Change“ der Frankfurter Rundschau bestätigte.

Verdreht Friedberger Apotheke die Wahrheit? Aktivisten widersprechen Darstellung

Erstmeldung vom Dienstag, 25.08.2020: Friedberg - Der Dialog hätte eigentlich schon vor Wochen stattfinden sollen. Doch dazu kam es nicht. Bis heute. Zwei (noch laufende) Petitionen und eine Demonstration später scheint der Streit um den rassistischen Namen der Friedberger „Hof-Apotheke zum Mohren“ festgefahren. Die AktivistInnen der Gruppe „United Colors Of Change“ hatten schon vor der Demonstration in Friedberg den Dialog mit der Apotheken-Inhaberin Kerstin Podszus gesucht. Sie habe die Gespräche aber abgeblockt, wie die Gruppe gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte.

Das habe sich erst nach der Demo am 15. August in Friedberg geändert. Direkt nach der Veranstaltung sei Konrad Dörner, der Anwalt von Podszus, auf die Initiatoren der Demo zugekommen und habe ein Gespräch angeboten, wie er auf einer Pressekonferenz am Freitagmittag (21.08.2020) im Clubraum der Friedberger Stadthalle erzählte (unter anderem berichtete die „Wetterauer Zeitung“). Was er dort auch erzählte: Die Initiatoren der Demo bestünden auf eine Änderung des Apotheken-Namens, bevor man miteinander rede. „Wir wollten ihnen zuhören. Es ist schade, dass das nicht klappt“, erklärte Dörner.

Dem widersprechen die AktivistInnen der Gruppe „United Colors Of Change“ jetzt vehement gegenüber der Frankfurter Rundschau. Sie stellen den Verlauf der Gespräche gänzlich anders da.

Verdreht Friedberger „Mohren-Apotheke“ die Wahrheit? AktivistInnen sind gesprächsbereit

Wie die AktivistInnen berichten, sei es unmittelbar nach der Demonstration an jenem Samstag zum Austausch per Mail gekommen. Dörner habe nach einem Termin für ein Gespräch gefragt und habe zudem wissen wollen, wie viele Personen kommen würden. In einer Antwort-Mail habe man sich gesprächsbereit gezeigt, wollte aber zuerst sicherstellen, dass es in besagtem Gespräch auch wirklich um das Thema Namensänderung der Apotheke gehe, berichten die AktivistInnen retrospektiv. Was sie nicht fordern: Eine Namensänderung als Bedingung für das Gespräch. Ein solches wäre nach einer Namensänderung ohnehin nicht sinnvoll aus Sicht der VertreterInnen der „United Colors of Change“, hätten sie ihr Ziel doch erreicht, wenn der Name geändert werden würde.

Die Vertretung der Mohren-Apotheke sei jedoch nicht darauf eingegangen und hakte stattdessen wegen eines Termins nach. Die Gruppe „United Colors Of Change“ zeigt sich irritiert, zumal die Apothekeninhaberin Podszus noch vor der Demo in einer Pressemitteilung hatte verlauten lassen, dass der Name der Apotheke „nicht rassistisch ist“ und sie diesen daher auch nicht ändern werde. Auf Nachfrage, was denn nun Inhalt des Gesprächs sein soll, sei Dörner nicht eingegangen, erzählen die AktivistInnen weiter. Stattdessen habe dieser erneut nach einem Termin gefragt. Zudem sollen Drohungen, eigene Schritte in die Wege zu leiten, erfolgt sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte die „Hof-Apotheke zum Mohren“ längst eine Petition gestartet und Unterschriften für den Erhalt des Namens gesammelt.

Demonstrant wird angefahren - „Soll ich aussteigen und dem Kerl auf die Fresse hauen?“

Ebenfalls interessant: Bei der Demonstration war ein wohl alkoholisierter Mann von der Polizei des Platzes verwiesen worden, wie auch die Pressestelle der Polizei Friedberg auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau bestätigte. Dieser Mann hatte sich, gemeinsam mit rund 20 weiteren Personen, demonstrativ vor die Apotheke gestellt und in Richtung der Demonstranten lautstark rassistische Beleidigungen fallen lassen.

Bei der Demo vor der Friedberger Apotheke kommt es zu zwei Vorfällen, bei der die Polizei einschreiten muss.

Zudem soll eine Frau, die ebenfalls zu besagten 20 Personen zählte, erst die Kundgebungen der AktivistInnen massiv gestört und später einen der Demonstranten mit dem Auto angefahren haben, wie ein Vertreter der Gruppe „United Colors Of Change“ berichtet. Mehr noch: Der Beifahrer soll in Richtung des angefahrenen Aktivisten durch die offene Fensterscheibe gebrüllt haben: „Soll ich aussteigen und dem Kerl auf die Fresse hauen?“

Verantwortliche der Friedberger Apotheke weisen Schuld von sich

Gegen die Frau ist mittlerweile Anzeige erstattet worden, wie die Polizei Friedberg bestätigte. Weitere Details nannten die Beamten jedoch nicht. Auf der Pressekonferenz mit Apothekeninhaberin Podszus sowie ihrem Anwalt betonte der frühere HR-Journalist Werner Damm, der als Moderator der PK fungierte, weder der alkoholisierte Mann noch die Autofahrerin stünden in einer Beziehung zur Apotheke. Diese Aussage soll Dörner in einer Mail an die AktivistInnen noch mal untermauert haben.

Nur: Videomaterial, das der Frankfurter Rundschau exklusiv vorliegt, zeigt deutlich, dass der alkoholisierte Mann sehr wohl Teil der 20 Personen war, die sich bei der Demonstration mit der Apotheke solidarisierten. „Wenn einer der Demonstranten eine Flasche in Richtung der Apotheke geworfen hätte, würde man uns doch auch dafür verantwortlich machen“, ist sich ein Vertreter der Gruppe „United Colors Of Change“ sicher.

Rassistischer Apotheken-Name in Friedberg soll geändert werden

Nach wie vor, betonen die AktivistInnen, sei man gesprächsbereit - sofern es denn auch um die Namensänderung der Apotheke geht. Die Aussage Dörners, der Name der Apotheke sei nicht rassistisch, sondern „ein Ausdruck von Hochachtung“ für die morgenländische Heilkunst und somit „ein Kompliment und ein Gütesiegel“, stößt bei der Gruppe auf Unverständnis. Schließlich bringe all das nichts, wenn das M-Wort „gesamthistorisch rassistisch ist“.

Die Fußmatte der „Hof-Apotheke zum Mohren“ ziert eine Figur, die offensichtlich schwarz ist und überdimensional große Lippen hat.

Die Fußmatte der Apotheke, auf der eine schwarze Figur mit überdimensional großen Lippen zu sehen ist, sei dafür beispielhaft, erklärt einer der AktivistInnen. „Warum sieht man auf der Fußmatte, wenn es doch ein Ausdruck von Hochachtung sein soll, keinen Heiler oder Herrscher, sondern einen Diener?“ Und überhaupt: „Wer hat schon eine Fußmatte mit einer darauf abgebildeten Figur bei sich zu Hause, auf der jeder seine Füße abtritt, um Hochachtung vor dieser Figur auszudrücken?“ Es ist eine Frage, die keiner Antwort bedarf. (Von Nico Scheck)

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