Adventskalender

Den Mörder im Nacken

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FR-Adventskalender, 6.12.: Bis zu vier Spieler flüchten vor einem Verbrecher - und es bleiben maximal 30 Minuten Zeit, das "Safe House" zu erreichen.

Die Tatsache, dass meine Herzallerliebste in den meisten Fällen eine äußerst unzufriedene Verliererin ist, wird für mich seit Jahren zum Problem. Erstens weil ich leider meistens gewinne. Und zweitens weil danach der Haussegen ziemlich schiefhängt.

Einzig bei „Triominos“, einem Spiel, bei dem man Steinchen mit passenden Zahlenkombinationen aneinander legen muss, verliere ich zuverlässig. Das Spiel ist zwar fürchterlich simpel, aber offenbar bin ich zu doof dafür. Da ein einziges Spiel auf Dauer aber langweilig wird, werfe ich seither einen besonderen Blick auf kooperative Spiele – denn gemeinsam zu gewinnen ist toll, gemeinsam zu verlieren irgendwie auch erträglich, geteiltes Leid quasi. Auf die Spielerei zu verzichten, gerade an kalten Winterabenden und um die Weihnachtszeit, ist keine Option.

Die jüngste Entdeckung heißt „Safe House“: Auf der Verpackung über dem Titel prangt groß der Name des Bestsellerautors Sebastian Fitzek. Falls Sie jetzt denken, „ach nee, dessen Bücher mag ich nicht“, verdrängen Sie den Gedanken wieder. Ich mag sie auch nicht. Im Sommer habe ich mich bei der Auswahl einer leichten Urlaubslektüre vom kreativ gestalteten Cover seines Buches „Das Paket“ täuschen lassen und in Ermangelung eines Buchladens in meinem abgelegenen Ferienörtchen den Schinken dann auch zu Ende gelesen. Ein Tiefpunkt der deutschsprachigen Belletristik.

Zum Spiel: Bei „Safe House“ beobachten die Spieler (zwei bis vier, je mehr desto besser) ein Verbrechen, beziehungsweise den Täter. Das einzig dumme daran ist, dass der Täter das gemerkt hat. Und schon beginnt die Verfolgungsjagd und es bleiben maximal 30 Minuten Zeit, das „Safe House“ zu erreichen – und zwar bevor der böse Verbrecher die Spieler einholt und diese für immer zum Schweigen bringt. Die Flucht führt auf einem liebevoll gestalteten Brett aus dem Hotelzimmer, durch den Hafen und die Stadt in den Wald und zum Ziel.

Für spannendes Ambiente sorgt zusätzlich eine wahrhaft passende musikalische Untermalung, die über Stream oder App zugespielt werden kann (es gibt auch eine Sanduhr, aber wir leben ja schließlich im 21. Jahrhundert). Alle zwei Minuten ertönt ein Horn und spätestens dann, je nach Ereignissen aber erschreckend häufiger, kommt der Feind ein Stück näher.

Die Spieler müssen gemeinsam Auftragskarten erledigen, um ihrerseits vorwärts zu kommen und nebenher noch Ermittlungen zur Tat anstellen. Es ist wahrlich eine Verfolgungsjagd, Zeit zum Nachdenken bleibt wenig. Es braucht Kooperationsbereitschaft, eine gute Aufgabenteilung und eine Verschnaufpause, wenn das Ziel schließlich erreicht ist.

Fazit: Ein actiongeladenes Spiel mit hohem Suchtfaktor und am Ende herrscht geteilte Freude – oder geteiltes Leid.

Das Spiel ist 2017 beim Moses Verlag erschienen und kostet rund 35 Euro.

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