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Schön anzusehen, besonders aus der Nähe: Pilotwale vor der spanischen Küste. Imago Images
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Schön anzusehen, besonders aus der Nähe: Pilotwale vor der spanischen Küste. Imago Images

Whale Watching

Mögen die uns?

  • Martin Dahms
    vonMartin Dahms
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Die Beobachtung von Walen und Delfinen ist für viele ein großes Urlaubsvergnügen. Auch wenn es den Tieren offenbar Spaß bereitet, bitten Walschützerinnen und Walschützer um Maß.

Ende der 1980er Jahre begann der Walrausch auf den Kanarischen Inseln. „Boote kamen von überall her an die Südspitze Teneriffas, manche für ein paar Wochen, manche für die ganze Saison“, erinnert sich Erich Hoyt. „Sie stellten Schilder auf und boten Walbeobachtung an. Und auf den Schildern brachten sie Fotos von Weißwalen an oder sonst einer Art, die auf 5000 Meilen rund um die Kanaren nicht zu finden ist. Sie hatten keine Ahnung, was sie ihren Kunden zeigten. Sie wussten nur, dass sie ein Boot mit Touristen vollbekommen würden, dass sie ihnen Alkohol anbieten konnten und einen Sprung ins Wasser – und dass sie damit einen Haufen Geld machten.“

Hoyt von der britischen Schutzorganisation „Whale and Dolphin Conservation“ nennt den kanarischen Fall ein „Textbuchbeispiel“ für das, was bei der Wal- und Delfinbeobachtung schieflaufen kann. „Was einst als vollkommen harmlose Industrie angesehen wurde, betrachtete man nun in manchen Gegenden als eine potenzielle Bedrohung für einzelne Wale oder Walpopulationen“, schreibt Hoyt in seinem Beitrag zur europäischen Wal- und Delfinstudie, die die Meeresschutzorganisation „Ocean Care“ an diesem Donnerstag unter dem Titel „Unter Druck“ herausbringt. Der kanarische Fall zeigt aber auch, wie sich die Dinge zum Guten wandeln können.

Als ersten kommerziellen Walbeobachter führt Hoyt einen Fischer in Kalifornien an, der 1955 für einen US-Dollar Leute auf seinem Boot mitnahm, um ihnen Grauwale zu zeigen. Zur schnell florierenden Industrie stieg das Freizeitvergnügen 20 Jahre später auf, in Provincetown in Massachusetts an der US-Ostküste. Ende der 1980er Jahre hatte das Geschäft nicht nur den Süden Teneriffas, sondern sogar Walfangländer wie Japan und Norwegen erreicht.

Der Wal- und Delfintourismus wuchs mit fantastischen Raten: von 400 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern 1981 auf knapp 13 Millionen im Jahr 2008. In Europa, das bei der Walbeobachtung eher eine Randrolle spielt, waren es 1988 weniger als 10 000, 30 Jahre später geschätzte 1,8 Millionen.

Die Tiere machen es einem einfach. „Sie sind neugierig und nähern sich dem Boot“, sagt Hoyt. „Das verdirbt uns. Wir wollen ihnen immer häufiger nahekommen.“ Es könne vorkommen, dass sich ein Buckelwal einem Boot immer und immer wieder nähere. „Er scheint das Boot zu mögen. So reden auch wir Wissenschaftler manchmal unter uns: Sie lieben das Boot, sie lieben die Touristen. Das ist eine menschliche Vorstellung. Es kommt dir gewiss nicht in den Sinn, dass du sie störst.“

Doch Menschen seien leider „anmaßende Tiere“. Sie bekämen etwas und wollten immer mehr davon. „Aber wir müssen maßhalten, um nicht zur Last zu werden. Wir müssen die Wale respektieren und ihnen Zeit für sich selbst lassen.“

Das war auch die Botschaft, die Hoyt mit zwei Kollegen der „Whale and Dolphin Conservation“ Ende der 1980er Jahre nach Teneriffa brachte. Sie machten sich auf den Weg zur Insel, um dort Workshops über die Walbeobachtung anzubieten, aber „es war ein Chaos“. Anfangs. Mit der Zeit stellten die Bootsbesitzer, ihre Gäste und schließlich auch die Behörden fest, dass es kein Vergnügen mehr für Menschen und Tiere war, wenn zu viele Boote gleichzeitig unterwegs waren und sich rücksichtslos auf Beobachtungsjagd machten. Die kanarische Regionalregierung setzte den Anbietern Schranken und schickte selbst ein Boot aufs Meer, um die Einhaltung der Regeln zu überwachen.

„Walbeobachtung ist eine großartige Sache, wenn sie richtig gemacht wird“, sagt Hoyt. Im besten Fall schärft sie bei den Beobachtenden das Bewusstsein für die Verletzlichkeit der Tiere. Unter allen Gefahren, welche die Studie „Unter Druck“ für Wale und Delfine in Europa aufführt, hält Hoyt die Fischerei für die größte. Zehntausende, wahrscheinlich Hunderttausende der Meeressäuger gehen den Fischern in jedem Jahr als unfreiwilliger Beifang ins Netz – weit mehr, als durch kommerziellen Walfang bewusst getötet werden.

Die Netze aus Polypropylen seien „Tötungsmaschinen“, insbesondere die Stellnetze. Viel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten getan, die Fangmethoden vor 50 Jahren hätten manche Arten an den Rand der Ausrottung gebracht, berichtet Hoyt. Viel ist aber noch zu tun. Der wichtigste Beitrag, den Walbeobachter:innen zu ihrem Wohlbefinden leisten können: die Tiere immer mal wieder in Ruhe lassen. Freiwillig, so wie es jetzt gerade, aufgrund der Pandemie, unfreiwillig geschieht. „Ich denke, das kam ihnen zugute“, sagt Hoyt. „Aber ob unsere Rückkehr ein Schock für sie sein wird, das weiß ich nicht.“ Er sagt das mit einem großen Lächeln.

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