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Ein Tagedieb, der stapelbar ist.

Wohnen-Serie

Möbel mit Zukunft

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Wer häufig umzieht oder nur wenig Wohnraum zur Verfügung hat, braucht eine Inneneinrichtung, die sich seinem Lebensstil anpasst: flexibel, langlebig und ressourcenschonend. Fünf Tipps für modernes Wohnen.

Wo ist die Küche?
Richtig elegant sieht es aus, dieses schwebende Sideboard. Doch Moment mal, das ist eine Küche! Mit einem einzigen Griff offenbart das Miniki von Designer Tobias Schwarzer seine versteckten Funktionen: Kochplatten, Waschbecken, Wasserhahn. Alles kompromisslos minimalistisch. Eine Küche, die nicht da ist, wenn man sie nicht braucht, ist die ideale Lösung für kleine Appartements, in denen sich Kochbereich und Wohnzimmer häufig einen Raum teilen müssen.

„Eine Gesellschaft, die immer mobiler wird und sich immer häufiger flexibel auf sich verändernde Situationen einstellen muss, benötigt auch Möbel, die diesen Anforderungen gerecht werden“, ist sich der Designer mit Firmensitz in Düsseldorf sicher. Deshalb lässt sich sein Küchensystem auch beliebig erweitern. Es gibt verschiedene Grundmodule, aus denen man sich die perfekte Küche zusammenstellen kann, von der Kleinküche mit nur einem Waschbecken bis hin zur voll funktionsfähigen Variante mit Kühlschrank, Induktionsherd und jeder Menge Stauraum. Ein wesentliches Designelement ist die Farbe. Außen weiß, innen pink oder komplett giftgrün – alles möglich. 15 verschiedene Töne stehen zur Auswahl.

Tobias Schwarzer sieht Miniki als Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft. Wertigkeit ist sein Credo. Die Vollholz-Multiplexplatten sind aus nachhaltiger Produktion, alles wird in Deutschland gefertigt. Auf modische Details hat er bewusst verzichtet. Die aufs Wesentliche reduzierte Formsprache der Küche ist zeitlos. Das hat seinen Preis: Die Miniki gibt es ab 4500 Euro aufwärts, je nach Größe – Miniki slimline, die kostengünstigere Variante aus gepressten Laminatplatten, ab zirka 3300 Euro.

Rebar lässt sich falten
Schon wieder ein Umzug? Kein Problem mit Rebar. Das Regalsystem von Quereinsteiger und Autodidakt Jonas Schroeder besteht aus vielen einzelnen Massivholzleisten, ist faltbar und mit wenigen Handgriffen innerhalb von Minuten auf- und abbaubar. Die Leisten gibt es in hellem und dunklem Holz, zusätzlich lassen sich farbige Rückwände einschieben.

Am Sitz der Firma Joval in München wird der Prototyp hergestellt. Produziert wird nur, was vom Kunden bestellt wird, und ausschließlich in Deutschland bei spezialisierten holz- und metallverarbeitenden Betrieben – so werden Transportwege gespart. Das Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Größe, Material und Farbzusammenstellung bestimmt der Kunde. Schließlich soll er etwas erwerben, das ihm lange gefällt. Langlebig und damit ressourcenschonend lautet Jovals Motto. Ziel ist es, „Möbel zu entwickeln, die Menschen langfristig Nutzen und Freude stiften“. Ein Rebar-Regal mit drei Regalböden kostet ab 550 Euro.

Tagedieb stiehlt keinen Platz
Mit Blick auf saftig grüne Wiesen zwischen steilen Bergen und mit dem Bimmeln von Kuhglocken im Ohr (das man übrigens auch hört, wenn man sich mit ihm am Telefon verbinden lassen will), überlegt sich Nils Holger Moormann, wie er Coolness und Praktikabilität in einem Möbelstück verbinden kann. In Aschau nahe des Chiemsees entwickelt er mit seinem Team Möbel aus Holz wie die Lampe La Funsel, den Esstisch Klopstock, die Garderobe Rechenbeispiel und die Bücherstütze Buchheimer. So unkonventionell wie die Namen seiner Produkte, ist auch ihr Design: minimalistisch mit einem Hauch Verspieltheit.

Alle Möbel werden von der Entwicklung über den ersten Prototyp bis zur Serie ausschließlich in Aschau und Umgebung geplant und gefertigt. Die kleinen bis mittelständigen Partnerbetriebe sind alle in einem Umkreis von 50 Kilometer ansässig. Verpackungen reduziert Moormann auf das Geringste. Ideal für kleine Räume, Umzugs-Junkies und alle, die gerne aufräumen, ist die stapelbare Variante des Betts Tagedieb. Es besteht aus Sperrholzplatten, die einfach ineinander gesteckt werden müssen. Werkzeug ist unnötig. Es hat noch nicht einmal Schrauben; lediglich vier Klammern, die farblich auf das Bett abgestimmt sind, halten die Konstruktion an den Ecken zusammen. Auf- und Abbau sind ein Kinderspiel. Ein Tagedieb stiehlt dem Portemonnaie 690 Euro. (Siehe auch Interview rechts)

Flausch ohne Reue
Upcycling hat nicht etwa damit zu tun, den Fahrradsitz zu erhöhen. Beim Upcycling wird vielmehr Abfall als Material für die Herstellung neuer Produkte verwendet. Ute Ketelhake nutzt Schurwollreste von Strickereien und Bioversandhändlern, die sonst im Abfall gelandet wären, und verarbeitet sie zu handgeknüpften Hochflorteppichen. „So kann man mit dem, was schon da ist, neue Produkte schaffen, ohne die ganze Textilkette in Gang zu setzen“, sagt die Textildesignerin. Die Wolle für die Second Life Rugs verdichtet sich beim Einkochen und wird dadurch besonders robust und langlebig. Jeder Teppich ist ein Unikat, das komplett in Deutschland in einem geschlossenen Kreislauf gefertigt wird. Für das „zweite Leben“ der Wolle müssen keine Schafen gehalten und geschoren werden. Ressourcenschonender geht nicht. Länge, Breite und Höhe sind variabel. Auch als kuschelige Bettumrandung, Poufs, Kissen und Bankauflagen können die Teppiche (749 Euro) nach Maß geknüpft werden.

Nachhaltig leuchten
Wir nehmen durch Autoabgase, mit Pestiziden verseuchte Lebensmittel und Chemikalien in der Kleidung jeden Tag schon genug Giftstoffe auf, dachte sich wohl Sirja Stiina Albrecht und erfand eine Lampe, die im Einklang mit Umwelt und Gesundheit steht. Die Maailma (Maa ist Finnisch für Erde und ilma das Wort für Luft) besteht aus Lehm und Kork. Lehm, ein Gemisch aus Sand, Schluff und Ton, kann unbegrenzt wieder verarbeitet werden. Außerdem nimmt er Luftfeuchtigkeit auf und gibt sie bei Bedarf wieder ab. Kork ist ein nachwachsender Rohstoff. Jungdesignerin Sirja Stiina Albrecht benutzt trotzdem nur recycelten Kork aus alten Flaschenverschlüssen.

Die verwendeten Naturmaterialien sind umweltfreundlich, schadstofffrei und recyclebar. Klebstoffe, Lacke, Beize oder Öle, die chemische Inhaltsstoffe enthalten, sind tabu. Bei den Maailma-Leuchten geht es gänzlich giftstofffrei zu. Sie werden in Deutschland in Handarbeit gefertigt, und um Transportwege zu verkürzen kommen die Materialien vorwiegend aus der Region. Das Design ist schlicht und zeitlos und soll lange Freude machen. Eine Pendelleuchte Yksi kostet zirka 390 Euro.

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