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Winkt mit links: das Östliche Graue Riesenkänguru.
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Winkt mit links: das Östliche Graue Riesenkänguru.

Internationaler Linkshändertag

Auch im Tierreich gibt es Linkshänder

Zum Welttag der Linkshänder am 13. August ein Blick in die Tierwelt – wo Linkspföter durchaus verbreitet sind.

Frankfurt – Etwa jeder zehnte Mensch auf der Welt ist Linkshänder. Zu diesem Ergebnis kommt die bislang größte Metastudie zum Thema aus dem Jahr 2020, die ein internationales Wissenschaftlerteam durchgeführt hat und zu dem auch der deutsche Biopsychologe Sebastian Ocklenburg von der Ruhr-Universität in Bochum gehört.

Da fragt sich doch: Gibt es eigentlich auch Tiere, die eine bestimmte Pfote oder Gliedmaße bevorzugen, also ebenfalls Linkshänder sind, wenn man das so sagen darf? Forschende der Ruhr-Universität haben sich auch dieser Frage angenommen. In einer Metastudie werten sie wissenschaftliche Untersuchungen zu 119 Tierarten aus – von Amphibien, Fischen und Reptilien über Vögel bis hin zu Affen. Dabei fanden sie heraus, dass nur knapp 32 Prozent dieser Tierarten keine Seite bevorzugten. Alle anderen taten dies sehr wohl. Und es gibt sogar eine ganze Reihe von Tieren, die ihrer linken Pfote oder Gliedmaße den Vorzug geben.

Katzen benutzen häufig ihre linke Pfote

Auch das hat Ocklenburg mit Wissenschaftlerteams in weiteren Studien näher untersucht. Dabei zeigte sich, dass etwa Katzen sehr viel häufiger vornehmlich die linke Pfote benutzen als wir Menschen unsere linke Hand. 36 Prozent von 844 getesteten Tieren bevorzugen ihre linke Pfote, 39 Prozent die rechte. Aber nicht alle der in 16 verschiedenen Studien untersuchten Katzen haben sich auf eine Pfote festgelegt: Jede vierte Hauskatze nahm mal die linke, mal die rechte Pfote zu Hilfe.

Bei Hunden sieht es ähnlich aus, mit einer interessanten Ausnahme: Der Anteil der Hunde, die „ambilateral“ waren, wie die Forschenden es ausdrücken, also nicht auf eine Seite festgelegt, war mit 37 Prozent deutlich höher. Von 1132 Hunden, die in 19 Studien getestet wurden, bevorzugten 347 (32 Prozent) die linke Pfote, wohingegen 418 Tiere (37 Prozent) sozusagen Rechtspföter waren. „Bei den Katzen, aber nicht bei den Hunden, fanden wir signifikante geschlechtsspezifische Unterschiede, wobei die weiblichen Tiere häufiger eine Rechtslateralität hatten als die männlichen Tiere“, bilanziert Ocklenburg.

Linkshändigkeit oft bei Kängurus

Bei Mäusen und Ratten zeigten sich derartige geschlechtsspezifische Unterschiede hingegen nicht. „Es zeigte sich kein prozentualer Unterschied, ob die Tiere die linke oder die rechte Pfote bevorzugten.“ Noch verbreiteter als bei Hunden und Katzen oder Ratten und Mäusen ist die Linkshändigkeit offenbar unter Kängurus, wie eine russisch-australische Studie herausfand.

Forschende um den Zoologen Andrey Giljov von der Staatlichen Universität Sankt Petersburg und Janeane Ingram von der Universität Tasmanien beobachteten dazu verschiedene Arten von Kängurus und anderen Beuteltieren in der freien Natur Australiens. Sie stellten fest, dass wilde Kängurus (Östliche Graue Kängurus und Rote Riesenkängurus) ihre linke Hand ganz selbstverständlich für alle alltäglichen Dingen nutzten: Putzen und Pflegen der Nase, Blätter pflücken, Äste runterbiegen.

Im Gegensatz dazu bevorzugten Rotnackenwallabys ihre linke Hand vorrangig für feinfühligere Aufgaben und die rechte mehr für Herausforderungen, die mehr Kraft erforderten. Daraus kann allerdings nicht der Schluss gezogen werden, dass Tiere generell anspruchsvollere Aufgaben mit links bewerkstelligen und die rechte Pfote zum Einsatz kommt, wenn Kraft gefragt ist. Das zumindest legt eine Untersuchung italienischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nahe. Professor Paolo Zucca von der Universität von Teramo und sein Team fanden in einer Studie mit Fledermäusen (Miniopterus schreibersii) nämlich heraus, dass die Tiere ihre linken Vordergliedmaßen bevorzugten, wenn sie im Labor einen Kunststoffzylinder emporklettern sollten.

Linksorientierung bei Weinbergschnecken besonders ausgeprägt

Die Bevorzugung von links oder rechts endet auch keinesfalls bei den Händen oder Pfoten. Wie bei uns Menschen gibt es Tiere, die ihrem rechten oder linken Auge den Vorrang einräumen oder eher auf ihr linkes oder rechtes Ohr hören. Bei Weinbergschnecken kann diese Linksorientierung besonders ausgeprägt sein. Normalerweise ist das Gehäuse der Weinbergschnecken rechtsgewunden. Es gibt aber auch Tiere, die ein linksgewundenes Schneckenhaus besitzen. Diese sind jedoch derart selten, dass sie gar als Schneckenkönig bezeichnet werden.

Angus Davison und Philippe Thomas von der Universität von Nottingham, die Schnecken intensiv erforscht haben, gehen davon aus, dass die Chance, einen Schneckenkönig unter Weinbergschnecken zu finden, etwa eins zu vierzigtausend steht. Andere Forschende gehen von eins zu einer Million aus. Bei diesen speziellen Tieren ist übrigens nicht nur das Gehäuse seitenvertauscht, sondern auch sämtliche Organe – was den Schnecken bei der Paarung echte Probleme bereitet und somit auch ihre Seltenheit erklärt.

Etwas Ähnliches gibt es auch beim Menschen: Situs inversus nennt sich die anatomische Besonderheit, bei der manche Organe spiegelverkehrt im Körper angelegt sind. (Christian Satorius)

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