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Einer unserer hübschesten Exporte: Diane Kruger lebte eine Zeitlang nur von Baguette und Käse.

Diane Kruger

"Mit 16 bin ich von zu Hause weg"

Diane Kruger ist seit Romy Schneider der erfolgreichste deutsche Schauspiel-Export. Dabei deutete zunächst nichts auf eine internationale Karriere hin. Im Interview erzählt sie, wie sie es trotz sinnloser Regeln dennoch geschafft hat und wie sie sich auf ihre Rolle als Marie Antoinette vorbereitet hat.

Als Diane Heidkrüger wuchs Diane Kruger in dem kleinen Dorf Algermissen bei Hildesheim auf, ihre Familie hatte keinen künstlerischen Hintergrund. Doch mit sechzehn zog sie nach Paris und bekam erste Model-Jobs. Ihren internationalen Durchbruch als Schauspielerin feiert Diane Kruger als Helena in Wolfgang Petersens „Troja“. Nun spielt sie in dem französischen Historienfilm ?Leb wohl, meine Königin!? die letzte französische Königin Marie Antoinette.

Marie Antoinette ist eine der umstrittensten Königinnen Frankreichs. Wie hat sich Ihre Sichtweise auf sie durch die Dreharbeiten verändert?
Es ist irrelevant, was ich persönlich von dieser Figur halte, deswegen behalte ich meine Meinung zu Marie Antoinette auch für mich. Die Rolle habe ich unter anderem deshalb angenommen, weil der Film kein Urteil über sie fällt. Der Zuschauer kann sich das selbst bilden, wenn er möchte. Das unterscheidet unseren Film beispielsweise von Sofia Coppolas Verfilmung, in der man die Empathie und Verehrung der Regisseurin für die Königin sah. Marie Antoinette ist eine umstrittene historische Figur, auch in Frankreich. Entweder sind die Leute der Meinung, dass sie ungerecht behandelt wurde oder dass sie damals die schlimmste Frau der Welt war.

Wie konnten Sie als Schauspielerin eine emotionale Beziehung zu dieser Figur herstellen?
Für mich war es interessant, die Leiden und Freuden dieser Frau nachzuvollziehen, die sich zum Beispiel in ihrer Beziehung zu der Gräfin Polignac ausdrücken. Damit konnte ich mich identifizieren.

Als Star werden sie doch sicher oft ähnlich hofiert, wie eine Königin.
Der Unterschied ist, dass ich mich um die Konsequenzen meines Handelns kümmere. Ich bin mit 16 von zu Hause weggegangen und war immer für mich allein verantwortlich, auch in finanziellen Dingen.

Sie haben damals die Schule in Algermissen bei Hildesheim verlassen und sind alleine nach Paris gezogen. Wie sahen Ihre Startbedingungen in der französischen Hauptstadt aus?
Paris habe ich von Anfang an geliebt. Damals habe ich allerdings kein Wort französisch gesprochen. Ich komme aus einem kleinen Dorf, aus einer nicht besonders privilegierten Familie. Auf einmal war ich in einer Großstadt mit einer neuen Kultur. Damals habe ich in einem Apartment für Models gewohnt, das ich selbst bezahlen musste. Meine Familie hatte kein Geld, das sie mir geben konnte. Ich hatte also den Druck, schnell Arbeit zu finden, sonst wäre mein Traum sehr schnell vorbei gewesen. Ich habe mich am Anfang nur von Baguette und Käse ernährt, wie viele andere junge Mädchen auch.

Wann wollten Sie mehr, als einfach nur Kleider präsentieren?
Dass ich einmal Schauspielerin werde, konnte ich mir im Traum nicht vorstellen. Damals habe ich gedacht, man muss in eine Schauspieler-Familie hineingeboren werden, in einer Hauptstadt leben oder entdeckt werden. Erst viel später, als ich schon in Paris lebte, wurde mir klar, dass man auf eine Schauspielschule gehen und diesen Beruf lernen kann.

Das Thema des Films ist Revolution. War es Ihre persönliche Revolution, nach Paris zu gehen und dort zu leben?
Ja. Ich bezeichne es als meine sanfte Revolution. Meine Mutter vertraute mir genug, um mich weggehen zu lassen. Für mich hat damit mein Leben als Erwachsene begonnen. Es war der Tag, an dem meine Mutter es zugelassen hat, dass ich in Paris lebe.

Warum waren Sie so früh erwachsen?
Das hat sich aus meiner Familiensituation ergeben. Ich bin die Älteste von uns Geschwistern. Ich glaube nicht, dass ich unbedingt erwachsen war. Aber ich war von Anfang an für mich selbst zuständig.

Haben Sie die sorglosen Jugendjahre vermisst?

Das kann ich nicht sagen, weil ich sie nie gehabt habe. Ich hatte natürlich auch sorglose Zeiten in Paris, als ich Geld verdient habe und es nicht mehr nur ums Arbeiten ging. Noch heute habe ich im Hinterkopf, es könnte alles einmal zu Ende sein und ich muss an meine Zukunft denken. Vielleicht ist das meine deutsche Seite.

Wie rebellisch sind Sie heute?
Ich hasse Regeln, die ich dumm finde und in denen ich keinen Sinn sehe. Dass man zum Beispiel bei der Kontrolle am Flughafen Flüssigkeiten in durchsichtige Plastiktüten stecken muss. Das soll uns angeblich mehr Sicherheit bringen. Doch wenn man keine Plastiktüte hat, ist man fast schon ein Terrorist.
Seit Romy Schneider wird keine Schauspielerin in Frankreich so als Teil der Kultur akzeptiert wie Sie. Was braucht man, um das zu schaffen: Talent und viel Glück?
Es ist beides. Im Unterschied zu vielen deutschen Schauspielern lebe ich in Frankreich, und ich bin auch hier zur Schauspielschule gegangen. Der deutsche Akzent ist seit Romy Schneider sehr beliebt in Frankreich. Mittlerweile lebe ich ja länger in Frankreich als ich je in Deutschland war. Aber es ist interessant: Ist einer meiner Filme in Frankreich ein Erfolg, heißt es‚ ‚die französische Schauspielerin Diane Kruger‘. Sind die Kritiken schlecht, heißt es die ‚Deutsch-Französin‘.

Und wie fühlen Sie sich inzwischen: mehr deutsch oder eher französisch?
Das kommt auf meinen jeweiligen Standort an. Ich fühle mich in Frankreich oft deutsch, doch wenn ich in Deutschland bin, fühle ich mich sehr französisch.

Das Interview führte Bettina Aust.

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