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Woody Allen 1988 mit Mia Farrow, der Adoptivtochter Dylan und dem gemeinsamen Sohn Satchel.

Woody Allen

Missbrauchsvorwürfe gegen Woody Allen

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Die Missbrauchsvorwürfe seiner Adoptivtochter Dylan Farrow bringen Woody Allen kurz vor der Oscar-Verleihung in Verruf. Die Vorwürfe sind nicht neu: In den 1990er Jahren wurden erstmals Missbrauchsvorwürfe gegen Allen erhoben, die Beweise reichten nicht für eine Verurteilung.

Geschickter hätte der Zeitpunkt nicht gewählt sein können. Demnächst beginnt die Vorauswahl für die Oscars, die Anfang März verliehen werden. Woody Allens neuer Film „Blue Jasmine“ ist für drei der begehrten Auszeichnungen nominiert. Doch ob der 78 Jahre alte Regisseur aus New York zum fünften Mal in seiner langen Karriere den Preis in Empfang nehmen kann, ist ungewiss.

Seine Adoptivtochter Dylan Farrow erhebt schwere Vorwürfe: Woody Allen habe sie vor mehr als 20 Jahren sexuell missbraucht. „Solange ich mich erinnern kann, hat mein Vater Dinge getan, die ich nicht mochte“, erklärte die 28-jährige Frau: „Als ich sieben Jahre alt war, nahm mich Woody Allen bei der Hand und führte mich in eine dunkle Kammer in unserem Haus. Er sagte mir, dass ich mich auf den Bauch legen und mit der elektrischen Eisenbahn meines Bruders spielen solle. Dann missbrauchte er mich sexuell.“ Dabei habe er ihr ins Ohr geflüstert, „dass ich ein ,gutes Mädchen‘ sei, dass das unser Geheimnis sei, dass er mich nach Paris mitnehmen werde, dass ich ein Star in seinen Filmen würde“, schilderte Dylan Farrow.

Allen will sich "sehr bald" selbst äußern

Allen wies die Vorwürfe inzwischen zurück. Seine Sprecherin Leslee Dart meldete sich mit einer schriftlichen Erklärung zu Wort, in der es hieß, Allen habe das Schreiben seiner Adoptivtochter gelesen und werde sich „sehr bald“ dazu selbst äußern.

So viel aber vorab: Die Anschuldigungen seien „unwahr und erbärmlich“. Schon vor mehr als 20 Jahren seien ähnliche Vorwürfe erhoben und schließlich „nach einer gründlichen Überprüfung“ von unabhängigen Experten aufgrund fehlender Beweise verworfen worden. Dylan Farrow, so das Ergebnis der Untersuchung Anfang der 1990er Jahre, habe nicht zwischen Fantasie und Realität unterscheiden können. Wahrscheinlich sei sie von ihrer Mutter Mia Farrow angehalten worden, den Adoptivvater zu beschuldigen, sagte die Sprecherin: „Zu einer Anklage kam es nicht.“

In der Tat ist die Geschichte nicht neu. Mia Farrow und Woody Allen hatten sich 1992 nach zwölf Jahren Ehe getrennt. Anlass waren von Allen aufgenommene Nacktfotos von Soon-Yi Previn, einer Adoptivtochter Farrows aus einer früheren Beziehung. 1997 heirateten der Filmemacher und Soon-Yi.

Keine Verurteilung wegen sexueller Übergriffe

Während des Prozesses, der auf das Zerwürfnis des Regisseurs mit der Schauspielerin folgte, ging es um das Sorgerecht für die zwei Adoptivkinder Moses und Dylan sowie für ihren gemeinsamen Sohn Satchel, der sich heute Ronan Farrow nennt. Damals erhob Mia Farrow erstmals Missbrauchsvorwürfe. Vor Gericht verlor Allen zwar das Sorgerecht, doch für eine Verurteilung wegen sexueller Übergriffe reichten die Beweise nicht aus, befand ein Richter.

Obwohl Allen niemals überführt wurde, nahm sein Image als liebenswerter, neurotischer Tölpel und Regisseur hinreißender Filme schweren Schaden. Seit einigen Monaten, sagen jetzt professionelle Beobachter der Filmszene, habe sich nun wieder angedeutet, dass die Angelegenheit aus den frühen 1990er Jahren längst nicht vorbei sei.

Im Januar, als Allen mit einem Golden Globe für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, schrieb Adoptivsohn Ronan Farrow auf Twitter, ob während der Verleihung auch erwähnt worden sei, dass Allen ein sieben Jahre altes Mädchen sexuell belästigt habe. Jetzt kam der offene Brief von Dylan Farrow an die Zeitung „New York Times“ hinzu. Darin beschreibt die Frau detailliert die Folgen des angeblichen Missbrauchs. Sie habe jahrelang darunter gelitten, dass Allen nicht verurteilt worden sei.

Auch die Filmwelt nahm sie sich vor. Viele Hollywood-Stars hätten die Augen verschlossen und weiter mit Allen gearbeitet. So etwa Cate Blanchett und Alec Baldwin, die Hauptdarsteller in seinem neuen Film „Blue Jasmine“. „Was, wenn es dein Kind gewesen wäre, Cate Blanchett, Alec Baldwin?“, fragte Dylan Farrow: „Du hast mich als kleines Kind gekannt, Diane Keaton. Hast du mich vergessen?“

Baldwin erklärte auf Twitter, die Angelegenheit sei eine Familiensache, die er nicht zu kommentieren habe. Blanchett, ebenfalls für einen Oscar nominiert, habe sich ähnlich geäußert. Auch wenn der offene Brief keinen Einfluss auf die Entscheidung der Oscar-Jury haben sollte, in einem sind sich die Beobachter sicher: Woody Allen wird keinen Schritt in die Öffentlichkeit machen können, ohne nach einem Kommentar zu den Vorwürfen gefragt zu werden.

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