Credit: Blue Orange
+
Das Spiel „Blue Lagoon“.

„Blue Lagoon“

Minimalismus mit Südseefeeling

In „Blue Lagoon“ müssen die Spieler als Seefahrer neue Inseln besiedeln.

Reiner Knizia steht, wie kaum ein zweiter Brettspielautor, für klassisches Spieledesign. Der studierte Mathematiker hat schon mehr als 400 Spiele erdacht, die bereits viele Spielepreise erhalten haben. Ganz aktuell ist sein Städtebauspiel „My City“ für das Spiel des Jahres 2020 nominiert.

Typische Merkmale seiner Spiele sind die schnörkellosen und eleganten Mechanismen, die sich oft hinter einer eher unscheinbaren Fassade verbergen. Im Fall von „Blue Lagoon“ trifft es sich daher gut, dass mit Blue Orange ein französisches Verlagshaus dahintersteht. Denn die Franzosen sind auch dank ihrer reichen Comictradition bekannt dafür, Spiele mit auffälligen Illustrationen und schönem Material zu kreieren. Das Coverbild löst dieses Versprechen auch ein. Blue Lagoon entführt uns ins Reich der seefahrenden Polynesier und stellt die Spieler vor die Aufgabe, neue Inseln zu besiedeln.

Im Inneren der hübschen Schachtel erwartet die Spieler dann aber doch kniziatypischer Minimalismus. Ein Spielbrett mit unterschiedlich großen Inseln, ein paar wenige Ressourcensteine, runde Plättchen mit Seefahrern und Siedlern, ein paar Hütten und ein Wertungsblock, mehr wird nicht benötigt.

Das Spielprinzip ist so einfach wie genial: Wenn man am Zug ist, setzt man genau eines seiner runden Plättchen auf ein freies Feld des Spielplans. Dabei muss nur beachtet werden, dass man entweder ein Seefahrerplättchen auf ein freies Wasserfeld setzen darf oder ein Siedlerplättchen angrenzend an ein bereits gelegtes Seefahrer- oder Siedlerplättchen.

Bewertung:

HUNTER: 7,3 von 10 Punkten

PRO:

+ Wer abstrakte Spiele bevorzugt, könnte bald „Blue Lagoon“-Fan sein!

+ absolut zugängliche Regeln, aber hohe taktische Tiefe; das ist klassisch gutes Spieldesign

+ sehr gut ausgetüfteltes Legespiel

+ tolle Spannungskurve zum Ende des Spiels

+ verbindet Mehrheiten und Wege zu einer sehr spannenden Mischung

CRON: 6,9 von 10 Punkten

CONTRA:

- Thematisch bleibt es auf sehr abstraktem Niveau.

- sieht vom Look her schon fast ein bisschen altbacken aus


Auf den Inseln kann man auf bestimmten Feldern eine Reihe von Rohstoffen einsammeln, wenn man sein Plättchen dort ablegt. Außerdem kann man statt eines Siedlerplättchens auch eine seiner fünf Hütten platzieren.

Diese Hütten sind entscheidend für den Erfolg, denn sobald alle Rohstoffe eingesammelt wurden, beginnt das Spiel praktisch noch mal von vorne. Alle Plättchen bis auf die Hütten werden wieder entfernt, es erfolgt eine Zwischenwertung und dann folgt eine zweite Legephase ähnlich der ersten. Dabei dürfen die Spieler aber nicht wie zuvor mit einem Seefahrerplättchen irgendwo auf dem Spielplan beginnen, sondern dürfen sich nur noch angrenzend zu ihren zuvor platzierten Hütten ausbreiten. Die Hütten fungieren sozusagen als Ausgangspunkt der zweiten Ausbreitung und sind dementsprechend wichtig.

Und wozu das alles? Am Ende geht es wie so oft um Punkte, die sowohl in der Zwischenwertung als auch in der Endwertung vergeben werden. Dabei greifen verschiedene Aufgaben ineinander. So gibt es Punkte für eingesammelte Ressourcen, wobei sowohl viele von der gleichen Art als auch ein Set aus allen Arten belohnt werden. Dann gilt es sowohl auf möglichst vielen Inseln präsent zu sein als auch möglichst viele Inseln über eine zusammenhängende Kette aus Plättchen zu verbinden. Aber auch auf jeder einzelnen Insel erhält derjenige Spieler Punkte, der dort die Mehrheit an Plättchen besitzt.

Es sind diese verschiedenen Möglichkeiten und Aufgaben, die dem Spiel seinen besonderen Reiz verleihen. Für jedes Plättchen ergeben sich mehrere Möglichkeiten, die gut abgewogen werden wollen. Mit jedem Zug der Mitspieler wird der Platz auf dem Spielplan geringer, und mögliche Wege und Verbindungen drohen gekappt zu werden. Das Spiel erinnert teilweise an Klassiker wie Mühle oder Go und ist doch durch seine einfachen Regeln ein echtes Familienspiel. Die Spannung steigt zum Ende der Siedlungsphase rapide an, wenn es um die letzten attraktiven Ressourcen und Plätze geht. Ein besonderer Kniff sind die Hütten, denn wer diese geschickt platziert, der verschafft sich für die zweite Siedlungsphase einen entscheidenden Vorteil.

Alles in allem ist „Blue Lagoon“ ein echter Knizia. Spielerisch steckt deutlich mehr dahinter, als das schlichte Material vermuten lässt. Bleibt zu hoffen, dass das hübsche Cover noch ein paar Spieler zusätzlich anlockt. Sie werden nicht enttäuscht sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare