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Tod vorgetäuscht

Millionen fürs Ableben

Das Urteil in Prozess um einen vorgetäuschten Tod wird am Donnerstag erwartet.

Im Prozess um einen versuchten Millionenbetrug durch einen vorgetäuschten Tod in der Ostsee hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag mehrjährige Haftstrafen gefordert. Der 53-jährige Angeklagte und seine gleichaltrige Frau hätten sich „gemeinschaftlich als Mittäter handelnd des versuchten Versicherungsbetrugs schuldig gemacht“, sagte Staatsanwältin Lethicia Miske vor dem Kieler Landgericht. Die Tat wertete sie als besonders schweren Fall und beantragte für den Angeklagten vier Jahre Haft – für seine Frau zwei Jahre und zehn Monate.

Das Ehepaar und die Mutter des Mannes schlossen laut Anklage 14 Unfall-, Risiko- und Lebensversicherungen ab, um im Todesfall des Angeklagten 4,1 Millionen Euro zu kassieren. Der 53-Jährige habe wie gemeinsam geplant im Oktober 2019 seinen angeblichen Tod in der Ostsee durch ein Motorboot-Unglück inszeniert. Das Ziel des arbeitslosen Akademikers: Die Millionen sollten ihn aus seiner finanziell absolut desolaten Lage befreien und der Familie ein luxuriöses Leben ermöglichen.

Während seine Frau mit Polizei und Versicherungen Kontakt aufnahm, versteckte sich der Mann monatelang, erst in Hamburg, später im Haus seiner Mutter in Schwarmstedt. Dort wurde er im Mai 2020 auf dem Dachboden hinter Kisten gefasst. Sein Ehering blitzte im Schein einer Polizei-Taschenlampe auf.

„Dilettantischer“ Plan

Der Tatplan ging gründlich schief. Er war „dilettantisch und musste ständig nachgebessert werden“, stellte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer fest. Die Ermittler schöpften früh Verdacht und ein Gutachter stellte Manipulationen am gesunkenen Motorboot des Mannes fest, das bei Kiel gefunden wurde. Zudem zahlten die Versicherungen nicht sofort, als die Ehefrau die Polizeimeldung einreichte, wonach man ihren Mann für tot hielt.

„Die Angeklagten gingen davon aus, dass die einfache Todesmeldung ausreichen würde, um das Geld zu erhalten“, sagte die Staatsanwältin. Genau dies sei der „Knackpunkt des Verfahrens“. Die Angeklagten hätten „unmittelbar zur Tatverwirklichung angesetzt“, als sie die Todesmitteilung in der Überzeugung an die Versicherungen schickten, dass diese ohne Weiteres zahlen würden. Doch die Versicherungen forderten unter anderem die Todesurkunde eines Amtsgerichts ein, was die Auszahlung sechs Monate verzögern würde.

Für die Verteidiger blieben die Angeklagten dagegen in Vorbereitungshandlungen stecken, als sie den Tatplan schmiedeten und Ermittler und Versicherungen täuschten. Sie hätten bei der Todesmeldung an die Versicherung nicht mit der direkten Auszahlung gerechnet und hätten sich somit nicht strafbar gemacht. Daher beantragten sie Freispruch.

Das Gericht will das Urteil an diesem Donnerstag verkünden. Die Kammer hat im Vorfeld Zweifel an der Schuld der Angeklagten erkennen lassen und den Haftbefehl gegen den 53-Jährigen mit der Begründung aufgehoben, es liege kein dringender Tatverdacht vor. Das Oberlandesgericht sah das anders und setzte den Haftbefehl wieder in Kraft. (Karen Katzke, dpa)

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