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Promis, Punks, Politiker: Um den Austausch kommt kaum jemand drumherum. Hier im Bild der alte Führerschein von Udo Lindenberg.

Verkehr

Millionen Führerscheine müssen getauscht werden

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Der Lappen soll europaweit einheitlich werden. Betroffen sind alle Dokumente, die in Deutschland vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden – und somit 43 Millionen Fahrer.

Es ist eine gewaltige Umtauschaktion und für die deutschen Behörden eine riesige Herausforderung: 43 Millionen Führerscheine in Deutschland laufen ab. Das heißt: Ihre Inhaber müssen zum Amt und eine neue Fahrerlaubnis beantragen. Dabei geht es jedoch nicht nur um die klassischen grauen Lappen und die rosafarbenen EG-Führerscheine, sondern auch um neuere Plastik-Führerscheine im Scheckkartenformat.

Jedes Führerscheindokument, das vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt worden ist, muss in den kommenden Jahren umgetauscht werden. Grund ist eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2006. Damals beschlossen das Europäische Parlament und der Europäische Rat, ab 2033 europaweit einheitliche Führerscheinkarten einzuführen. Diese sollen Fälschungssicher sein und eine begrenzte Gültigkeitsdauer haben. Die gute Nachricht für alle Betroffenen: Die Fahrerlaubnis als solche behält ihre Gültigkeit. Nur das Führerscheindokument muss ausgetauscht werden. Der Kelch einer neuen Führerscheinprüfung geht also an Deutschlands Auto- und Motorradfahrern vorbei.

Die schlechte Nachricht: Der Antrag auf Umtausch kann nur persönlich gestellt werden. Das bedeutet, dass jeder, der weiter hinterm Steuer sitzen will, zum Amt muss. Laut ADAC werden für den Umtausch etwa 25 Euro Verwaltungsgebühr fällig.

An diesem Freitag berät der Bundesrat in Berlin darüber, wie die riesige Umtauschaktion so über die Bühnen gehen kann, dass weder Autofahrer beim Warten noch Behördenmitarbeiter beim Bearbeiten der Anträge die Nerven verlieren. Um Chaos zu vermeiden, schlägt der Verkehrsausschuss eine Staffelung der Umtauschfristen nach Geburtsjahrgängen vor.

In einem ersten Schritt sollen die rund 15 Millionen Papierführerscheine, die sich derzeit noch in Umlauf befinden, eingezogen werden. Beginnen würden die Behörden dem Plan zufolge mit den Geburtsjahrgängen 1953 bis 1958. Diese müssten ihren Führerschein bis zum 19. Januar 2022 umtauschen. Die Geburtsjahrgänge 1959 bis 1964 hätten bis 2023 Zeit, die Jahrgänge 1965 bis 1970 ein Jahr länger. Wer nach 1971 geboren wurde, müsste seinen Führerschein bis zum 19. Januar 2025 umgetauscht haben.

Nachdem die Papierführerscheine getauscht worden sind, sollen die Behörden in einem zweiten Schritt die neueren Plastikführerscheine im Scheckkartenformat aus dem Verkehr ziehen, die nach dem 1. Januar 1999 ausgestellt worden sind. Bei den Scheckkartenführerscheinen soll nicht mehr das Geburtsjahr, sondern das Jahr der Ausstellung darüber entscheiden, welche Umtauschfrist gilt. Führerscheine, die von 1999 bis 2001 ausgestellt worden sind, müssten bis 2026 umgetauscht werden. Fahrerlaubniskarten aus den Jahren 2002 bis 2004 müssten bis 2027 ersetzt werden. Danach geht es in Dreierschritten weiter, ehe im Jahre 2033 der Massenaustausch abgeschlossen sein soll.

Der Grund für die unterschiedliche Behandlung von Plastik- und Papierführerscheinen: Auf den alten Papierdokumenten ist das Ausstellungsdatum häufig nicht mehr erkennbar.

Von dem vorgezogenen Umtausch ausgeschlossen sind nach dem Vorschlag des Verkehrsausschusses alle Autofahrer, die vor dem Jahr 1953 geboren sind. Damit soll ihnen erspart werden, ihren Führerschein vorzeitig umtauschen zu müssen, obwohl altersbedingt nicht sicher ist, ob sie nach dem 19. Januar 2033 von ihrer Fahrerlaubnis Gebrauch machen möchten. Spätestens nach diesem Stichtag müssen allerdings auch die ganz alten Führerscheine umgetauscht sein.

Der Bundesrat muss der Regelung allerdings erst noch zustimmen. Ob es eine Mehrheit in der Länderkammer gibt, war am Donnerstag noch offen.

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