Komet Tschuri

Milliarden Jahre altes Eis ist luftiger als Cappuccino-Schaum

Der viereinhalb Milliarden Jahre alte Eisstaub auf dem Kometen Tschuri ist poröser als der Milchschaum auf einem Cappuccino und luftiger als der Seifenschaum in der Badewanne.

Dies ergaben Datenanalysen der vor vier Jahren beendeten Kometenmission „Rosetta“ mit ihrem Landegerät „Philae“, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Europäische Weltraumagentur ESA mitteilten.

Die europäische „Rosetta“-Sonde mit „Philae“ an Bord hatte von August 2014 bis September 2016 den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko umkreist und erforscht. Der Komet wurde damals von der Wissenschaftsgemeinde Tschuri getauft.

Am 12. November 2014 ließ „Rosetta“ ihre Landeeinheit „Philae“ auf die Oberfläche des Kometen hinab. Die historische Landung verlief allerdings holprig: „Philae“ kam erst nach drei Bodenkontakten an einer Stelle zum Stehen, an der das Minilabor zu wenig Sonnenenergie für einen längeren Forschungsbetrieb erhielt.

Nach Jahren der Detektivarbeit konnten europäische Wissenschaftler nun die Stelle auf Tschuri finden, an der „Philae“ seinerzeit auf ihrem turbulenten Hüpfflug über die Kometenoberfläche ihren zweiten und vorletzten Bodenkontakt hatte.

„Es war sehr wichtig, den Landeplatz zu identifizieren, denn die an Philae angebrachten Sensoren zeigten an, dass der Lander sich in die Oberfläche hineingegraben und so höchstwahrscheinlich das darunter liegende, urzeitliche Eis freigelegt hatte“, erläuterte Laurence O‘Rourke von der ESA.

Tatsächlich stellte sich heraus, das „Philae“ bei diesem Bodenkontakt Eis aus der Entstehungszeit des Kometen freigekratzt hatte. Die blanke, helle Eisfläche, deren Umriss ein wenig an einen Totenschädel erinnert, verriet demnach nun die Kontaktstelle.

Die jetzt im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlichten Untersuchungsergebnisse zur Konsistenz des Kometeneises zeigen, das diese Milliarden Jahre alte Eisstaubmischung außerordentlich weich ist. „Es ist weicher als Milchschaum auf einem Cappuccino, Badeschaum oder die Gischt von sich brechenden Wellen“, erläuterte O‘Rourke.

Der zweite der drei Bodenkontakte des Landers liegt übrigens nur 30 Meter von der Stelle entfernt, an der die vom „Philae“-Kontrollzentrum des DLR in Köln überwachte Sonde endgültig auf Tschuri zum Stillstand kam. Damals hatte sich schnell herausgestellt, dass die Landeeinheit an einer ungünstigen Stelle mit nur wenig Sonnenlicht stand.

Für das Team im Kölner DLR-Kontrollraum fing nach der unerwartet verlaufenen Landung die Arbeit erst richtig an: Fast 60 Stunden betrieben sie seinerzeit den Lander, kommandierten seine zehn Instrumente an Bord und drehten ihn am Ende auch noch etwas in Richtung Sonnenstrahlen.

Dennoch ging der Strom der Primärbatterie zur Neige, weil zu wenig Strom produziert werden konnte – „Philae“ musste seine Forschungsarbeit nach nur rund zweieinhalb Tagen beenden.

Die „Rosetta“-Mission, die als eine der erfolgreichsten in der Geschichte der Raumfahrt gilt, endete knapp zwei Jahre nach der „Philae“-Landung: Am 30. September 2016 setzten die ESA-Missionskontrolleure die Muttersonde „Rosetta“ in einem letzten Manöver hart auf Tschuri ab. (afp)

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