Nix wie weg.
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Nix wie weg.

Spielerezension von Hunter & Cron

Mies bezahlt auf Erholungssuche

Das Spiel „Feierabend“ thematisiert unsere Work-Life-Balance und nimmt den deutschen Arbeitsalltag aufs Korn.

Wie der Verlag das Spiel beschreibt: In Feierabend spielst du ein Team mit Arbeitern (weiblich, männlich und auch divers). Nach jedem Arbeitstag verlasst ihr gestresst euren Arbeitsplatz und sucht ein wenig Spaß im Feierabend. Aber mit einer 70-Stunden-Arbeitswoche und dem geringen Gehalt gibt es nur wenige Möglichkeiten zur Erholung. Ihr geht auf ein paar Biere in die Kneipe, versucht per Blind Date einen Partner zu finden, oder geht einfach angeln oder joggen. Das klingt alles nicht nach einer guten „Work-Life-Balance“, sondern nach einem Leben im Hamsterrad.

Um euch besser zu erholen, benötigt ihr ein höheres Einkommen. Die Frauen im Team sollten genauso viel verdienen wie die Männer. Ihr wollt weniger Stunden pro Woche arbeiten und Urlaub klingt auch toll. Lasst euch von der Gewerkschaft dabei helfen, aus eurem trübseligen Leben rauszukommen und strebt nach der maximalen Erholung. Das mag euren Arbeitgeber stressen, aber der (ja, für gewöhnlich ein Mann) verdient genug, um sein Leben zu entstressen.

Findet ein besseres (weniger gestresstes) Leben für euch und eure Partner. Welches Team erholt sich am besten und gewinnt Feierabend?

Bewertung:

HUNTER: 7,7 von 10 Punkten

PRO:

+ Tolles Thema im unnachahmlichen Friedemann-Stil umgesetzt

+ Sehr liebevoll, lustig, charmant und stilsicherillustriert

+ Einfache und durchdachte Worker-Mechanik für Einsteiger und Familien

+ sehr sympathisches Thema: Arbeiter müssen sich erholen und es wird für bessere Arbeitsbedingungen gestritten

+ ein zugängliches Worker-Placement-Spiel, das auch zu sechst spielbar ist

CRON: 7,6 von 10 Punkten

CONTRA:

- für Strategiespieler leider zu wenig Futter

– Trotz vieler Anleihen kommt es nicht an „Fiese Freunde“ heran, das als geistiger Vorgänger an manchen Stellen durchscheint

– spielmechanisch wird das Rad hier keineswegs neu erfunden

– Freunde komplexerer Gangart fühlen sich womöglich schnell unterfordert …

Friedemann Friese ist ein Urgestein der deutschen Brettspiel-Autorenszene und bereichert mit seinem Eigenverlag 2f-Spiele regelmäßig unsere Spieleregale. Seine Spiele haben dabei stets zwei Gemeinsamkeiten. Sie sind originell und haben einen Titel, der mit dem Buchstaben F beginnt.

Sein neuestes Spiel „Feierabend“ ist da wieder einmal keine Ausnahme. Zusammen mit seinem Illustrator Lars-Arne „Maura“ Kalusky nimmt Friese diesmal den deutschen Arbeitsalltag aufs Korn. Wir beginnen das Spiel als überarbeitete und schlecht bezahlte Arbeiter und müssen uns nun durch geschicktes Einsetzen unserer Spielfiguren möglichst effizient den Weg zu mehr Freizeit und Erholung bahnen. Da Urlaub und Freizeit jedoch auch Geld kosten, lohnt es sich mithilfe von Gewerkschaften für bessere Löhne zu streiten und den „Gendergap“ zu schließen, damit unsere weiblichen Arbeiterinnen genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen.

Spielrunde um Spielrunde konkurrieren wir dabei mit unseren Mitspielern um die lukrativsten Einsetzfelder, bei denen wir möglichst viel Erholung für möglichst wenig Geld erhalten können. Aber wie im richtigen Leben sind die besten Liegestühle auch am schnellsten besetzt. Wenn uns gar nichts mehr übrig bleibt, können wir immer noch versuchen unsere Freizeitkasse mit einem Nebenjob an der Bar aufzubessern oder ein wenig Erholung vor dem Fernseher zu suchen, aber wir wissen ja alle, dass das nicht besonders gut funktioniert.

„Feierabend“ steckt voller liebevoller und ironischer Seitenhiebe und lässt in seinen Illustrationen den historischen Werdegang der Arbeiterbewegung Revue passieren. Hinter der witzigen Fassade steckt dazu ein durchdachtes und schnell erlerntes Strategiespiel, dass die Spieler nicht überfordert und so auch für Familien geeignet ist. Echte Strategen kommen zwar nicht ganz auf ihre Kosten, aber dafür entschädigt uns „Feierabend“ mit seinem unverbrauchten Thema, seinen gelungenen Illustrationen und seiner gehörigen Portion Humor. Wer sich also nicht scheut das Thema Arbeitszeit auf den Spieltisch zu bringen, der wird nicht enttäuscht werden.

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