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Microsoft rät zu Vorsicht bei Anrufen: Der Softwarekonzern rufe Verbraucher niemals an.

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Im Auge des Sturms

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Der Softwarekonzern Microsoft geht gegen Betrüger vor. Die Täter tarnen sich als Softwarespezialisten.

Die Täter sprechen englisch, meist mit indischem Akzent und geben sich als Mitarbeiter von Microsoft aus. Sie rufen häufig unter falschen Telefonnummern an und versuchen ihre Opfer zu überzeugen, ihnen Fernzugriff auf ihren Computer zu gewähren. Etwa, indem sie erklären, dass das Gerät ein gravierendes Problem habe und ansonsten bald alle darauf vorhandenen Daten verloren seien. Gibt das Opfer nach, kann das schnell zum Alptraum werden.

Microsoft ist seit Jahren von der Betrugsmasche betroffen. „Aber sie verändert sich ständig“, sagt Joachim Rosenögger. „Dahinter stecken schätzungsweise 350 verschiedene kriminelle Gruppen in Indien. Jede wendet etwas andere Tricks an.“ Rosenögger ist Ermittler bei der Digital Crimes Unit von Microsoft, die versucht, den Kriminellen auf die Schliche zu kommen und ihnen Einhalt zu gebieten. Etwa 80 Mitarbeiter weltweit hat diese der Microsoft-Rechtsabteilung zugehörige Einheit, in der unter anderem Juristen, ehemalige Staatsanwälte, Analysten und Netzwerkforensiker arbeiten, fünf von ihnen sitzen in Deutschland.

Millenials sind anfällig

Oft verlangen die Anrufer eine Gebühr dafür, dass sie den angeblichen Schaden am Computer behoben haben. Um die 250 Euro sind es häufig. „Das ist aber eher noch der harmlose Fall. Manchmal sind sich die Angerufenen dann gar nicht bewusst, dass sie gerade betrogen wurden“, so Rosenögger. Schlimmer ist es, wenn die Täter Zugriff auf Kreditkartendaten oder das Onlinebanking des Opfers bekommen und die Konten leer räumen. Oder sie aus ihren Rechnern aussperren und viel Geld für den Wiederzugriff verlangen.

„Wenn die Täter einmal erfolgreich waren, verkaufen sie die Daten der Geschädigten auch oft an Kriminelle weiter, die eine andere Masche anwenden“, sagt der Microsoft-Ermittler. Dann werden die Betrogenen etwa angerufen und es wird ihnen gesagt, sie hätten für die Reparatur des Geräts zuletzt zu viel bezahlt – ein dummes Versehen – und nun sollten sie Geld zurückerhalten. Nur leider könne man aus dem Ausland nur Schecks ab 1000 Euro ausstellen, weswegen der Angerufene doch bitte erst einmal das „Wechselgeld“ auf ein Auslandskonto überweisen solle.

Auf die Betrügereien fallen häufig ältere Menschen rein. „Aber auch die Millenium-Generation ist sehr anfällig“, sagt Rosenögger. Darunter versteht man Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden. Betroffen sind Verbraucher in der ganzen Welt. Wobei in Deutschland das Telefon weiterhin beliebtes Betrugsmedium ist. „Die Deutschen sind sehr höflich, nehmen den Hörer ab und sind auch bereit, englisch zu sprechen“, sagt Rosenögger. In anderen Ländern wie Frankreich, wo englisch nicht gerne gesprochen wird, hätten die Täter sich auf andere Methoden verlegt: Da würde etwa dafür gesorgt, dass Fenster auf dem Computer aufpoppten, in denen die Verbraucher gedrängt würden, sofort eine vermeintliche Microsoft-Nummer anzurufen – oder dem Computer würde massiver Schaden entstehen.

Seitdem Microsoft ein Meldesystem für Verbraucher eingerichtet hat, hat das Unternehmen weltweit mehr als 500 000 Hinweise auf Betrügereien erhalten, alleine etwa 25 000 in Deutschland. Tom Janneck, zuständig für Telekommunikationsthemen bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein kann davon ebenfalls ein Lied singen. „Alleine in den letzten drei Monaten haben wir mehrere hundert Beschwerden von Verbrauchern zu Betrügereien im Zusammenhang mit Microsoft auf den Tisch bekommen“, sagt er.

Rosenögger fordert Betroffene dazu auf, sich nicht nur bei der Polizei zu melden, sondern auch direkt bei Microsoft. Dazu hat das Unternehmen auf der Webseite www.microsoft.com/reportascam ein Formular bereitgestellt. „Auch wenn man nicht auf die Täter hereingefallen ist, hilft es uns, von versuchtem Betrug zu wissen. Wir versuchen, über die verwendeten Namen, Telefonnummern oder Zahlungswege Rückschlüsse auf die Täter zu erhalten.“

Auf Anrufe nicht reagieren

Es gibt auch Erfolge zu vermelden. Insgesamt ist die Strafverfolgung der Täter mühsam, da Rechtshilfegesuche nach Indien sehr aufwendig sind und Staatsanwaltschaften den Schritt daher oft scheuen. Allerdings hat die indische Polizei im vergangenen Jahr 35 Call Center in Indien durchsucht und fast 100 Hintermännern verhaftet. Zuvor hatte Microsoft alle Hinweise, die sie auf die Täter hatte, übergeben und in Indien Strafanzeige erstattet. Diese Erfolge könnten Staatsanwälte und Polizei weltweit motivieren, die Jagd auf die Betrüger zu intensivieren.

Am besten können sich Verbraucher allerdings schützen, indem sie auf vermeintliche Microsoft-Anrufe gar nicht eingehen. Denn Microsoft betont immer wieder, dass das Unternehmen Verbraucher niemals anruft.

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