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Die Unfallstelle an der Avenida Tláhuac war zum Unglückszeitpunkt noch stark befahren. Xin Yuewei/dpa
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Die Unfallstelle an der Avenida Tláhuac war zum Unglückszeitpunkt noch stark befahren. Xin Yuewei/dpa

Mexiko-Stadt

„Wir hörten plötzlich ein fürchterliches Geräusch“

  • Klaus Ehringfeld
    VonKlaus Ehringfeld
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Beim Einsturz einer Metrobrücke in Mexiko-Stadt gibt es zahlreiche Tote und Verletzte. Die betroffene Linie 12 ist recht neu - ihre Mängelliste in den wenigen Betriebsjahren lang

Es war eine der letzten Fahrten der U-Bahnlinie 12 von Mexiko-Stadt am späten Montagabend. Sie endete für 23 Menschen mit dem Tod, rund 80 Personen wurden mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht.

Es war kurz vor 22:30 Uhr, als ein Zug der „goldenen Linie“ vom Metrosystem der mexikanischen Hauptstadt mit hoher Geschwindigkeit zwischen den Stationen Tezonco und Olivos im Südosten der Metropole unterwegs war und plötzlich ein Eisenträger des Brückensystems nachgab. Mehrere Waggons stürzten rund 20 Meter in die Tiefe. Unter den Opfern befänden sich auch Kinder, sagte Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum, die sich umgehend zur Unglücksstelle begab. Ursachen des schwersten Unglücks in Mexiko-Stadt seit dem Erdbeben im September 2017 könnten Pfusch am Bau und Behördennachlässigkeit gewesen sein.

Mexiko-Stadt: Zwei Waggons stürzen auf die Straße

An der Unfallstelle wird die Linie überirdisch über der Verkehrsader Avenida Tláhuac geführt, die am späten Abend noch stark befahren war. Auf einem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie plötzlich ein Brückenpfeiler der Station Olivos kurz vor Einfahrt des Zuges nachgibt, Staub aufgewirbelt wird, zwei Waggons auf die Straße stürzen und mindestens ein Auto unter sich begraben. Überlebende berichteten später, der Zug sei für diese Uhrzeit ungewöhnlich voll gewesen, viele Fahrgäste mussten stehen.

Mit Mexikos U-Bahn fahren jeden Tag zwischen fünf und sechs Millionen Menschen, es ist eines der meistgenutzten Metrosysteme der Welt. Allerdings werden die Waggons und die Infrastruktur schlecht gewartet. Unfälle, Brände und durch Baumängel verursachte vorübergehende Streckenschließungen gehören zur Metro von Mexiko-Stadt ebenso wie die chronische Überfüllung. Die Linie 12 hat eine besonders lange Liste von Mängeln aufzuweisen.

Einsturz einer Metrobrücke in Mexiko-Stadt: Brückenstruktur vorher beschädigt

Zwei der orange-grün gestrichenen Waggons des Unglückszugs stürzten bei der Katastrophe wie ein V auf die Straße, bis zum Dienstagmorgen konnten 20 Personen nur noch tot geborgen werden, drei starben später im Krankenhaus. 79 Menschen wurden verletzt. „Wir hörten plötzlich ein fürchterliches Geräusch und wurden beim Herabfallen des Waggons gegen die Decke geworfen“, sagte die 26-jährige Mariana, die das Unglück leicht verletzt überlebte, der Zeitung „El Universal“. Rund eine Viertelstunde seien die Fahrgäste in den U-Bahn-Wagen eingeklemmt gewesen, bis Hilfe kam und sie die Fenster einschlagen konnten. Die rasch herbei geeilten Rettungsteams versuchten, die Verletzten mit Leitern aus den Unglückswaggons zu bergen. Zwischenzeitlich wurden die Rettungsarbeiten abgebrochen aus Angst vor weiter kollabierenden Strukturen.

Die Linie 12 ist die jüngste Erweiterung des großen mexikanischen U-Bahnnetzes. Sie wurde in von 2006 bis 2012 unter dem damaligen Bürgermeister Marcelo Ebrard erbaut, der heute Außenminister der Linksregierung Mexikos ist. Nach Fertigstellung der Linie gab es Ermittlungen wegen Korruption beim Bau gegen 30 Beamte.

Nach dem Erdbeben 2017 klagten Anwohner nahe der Unglücksstelle darüber, dass die Brückenstruktur der U-Bahn durch die Erdstöße Schäden erlitten habe. 2018 wurde offensichtlich der jetzt kollabierte Pfeiler repariert. Noch vor einem Jahr sei die Struktur der Linie 12 an dieser Stelle erneut überprüft worden, sagte Bürgermeisterin Sheinbaum in der Nacht und versprach eine internationale Untersuchung zu den Unfallursachen. Bereits 2014 war der Betrieb der Linie 12 für Reparaturen monatelang unterbrochen worden.

Präsident Andrés Manuel López Obrador nannte den Einsturz eine „schreckliche Tragödie“ und sprach den Opfern und deren Familien seine Solidarität zu. „Absolut nichts wird unter den Teppich gekehrt werden, das Volk muss die Wahrheit kennen“, sagte der Staatschef in seiner morgendlichen Pressekonferenz am Dienstag. „Eine große Umarmung für die Angehörigen der Opfer und alle erdenkliche Hilfe für die Verletzten“. (Klaus Ehringfeld)

Der kollabierte Pfeiler soll 2018 repariert worden sein. dpa

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