Mexiko: Gewalt erreicht die Traumstrände

Die Gewalt in Mexiko erreicht nun auch die Tourismushochburgen. Auf eine Reisewarnung der USA reagiert das Land mit einem gigantischen, durchaus bizarren Sicherheitsplan.
Wer diese Ostern an Mexikos beliebtesten Urlaubsstränden verbringen will, muss sich auf ein bizarres Bild einstellen. In Cancún und Acapulco patrouillieren zwischen Sonnenschirmen, Liegen und Badetüchern das Militär und die Nationalgarde in Kriegsbewaffnung. Das ist die mexikanische Form, den Urlaubsgästen Sicherheit vermitteln zu wollen. Aber letztlich ist es ein Akt der Hilflosigkeit, denn das Land und vor allem die Regierung des linken Staatschefs Andrés Manuel López Obrador bekommt die Gewalt der organisierten Kriminalität nicht in den Griff. Im Gegenteil.
Die Sicherheitskräfte geraten an immer mehr Orten in die Defensive. In Acapulco, dem traditionellen Urlaubsparadies an der Pazifikküste, ist das schon viele Jahre so. Aber in der jüngsten Zeit ist auch die karibische Riviera Maya auf dem Weg zur No-go-Area. Am Montag wurden an einem der beliebtesten Strände von Cancún vier tote Männer mit Schusswunden aufgefunden. In Acapulco lag an einem Strand am Tag zuvor ein Toter, eine Frau erlag im Krankenhaus ihren Schusswunden.
All das in dem Moment, in dem die Reisenden aus dem In- und Ausland zu Tausenden in die Touristenorte strömen. Mexiko ist nicht nur eines der beliebtesten Urlaubsländer, sondern auch eines der gewalttätigsten Länder der Welt. Zwischen 85 und 100 Morde werden jeden Tag in Mexiko verübt. Fast alle gehen auf das Konto der Kartelle.
Drogen und Schutzgeld
Die toten Männer in Cancún sind mutmaßlich die jüngsten Opfer der Kartellkämpfe um die Vorherrschaft an der beliebten Riviera Maya. Längst sind Cancún, Tulum und Playa del Carmen zum Aufmarschgebiet der organisierten Kriminalität geworden. Zu lukrativ sind besonders jetzt, in der reisestärksten Zeit des Landes, die Absatzchancen für Drogen.
Die Reisenden, die überwiegende Zahl aus den USA, fragen Rauschmittel jeden Typs nach. Kokain und Heroin sind jederzeit so verfügbar wie in Miami oder Berlin. Dazu auch synthetische Rauschmittel. Und abertausende Bars, Diskotheken und Bordelle auf dem 130 Kilometer langen Abschnitt zwischen Cancún und Tulum bilden ein hervorragendes Ziel für Schutzgelderpressung. Und längst sind auch die internationalen Touristinnen und Touristen gefährdet. Vor etwas mehr als einem Jahr starben im Kreuzfeuer eine indische Reisebloggerin, ein mexikanischer Künstler, eine deutsche Touristin sowie eine kubanische Sängerin und zwei Kanadier.
Und jetzt Ende März wurde einem Touristen aus den Vereinigten Staaten in Puerto Morelos, südlich von Cancún, von Unbekannten ins Bein geschossen. Das US-Außenministerium gab daraufhin eine Reisewarnung für die Riviera Maya für diejenigen heraus, die über die Feiertage nach Mexiko reisen wollen. In der Erklärung wurden die Urlauberinnen und Urlauber aufgefordert, an Orten wie Cancún, Playa del Carmen und Tulum besonders vorsichtig zu sein, vor allem nachts. Im vergangenen Jahr besuchten 30 Millionen Reisende aus den USA Mexiko, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
López Obrador erzürnte die Reisewarnung. Die Sicherheitswarnungen seien eine „abscheuliche“ Manipulation der Realität. Die verschwurbelten Worte des Präsidenten fallen in eine Zeit besonderer bilateraler Spannungen in der Sicherheitsfrage zwischen Washington und Mexiko-Stadt. Republikanische Senator:innen forderten jüngst eine US-Intervention an der mexikanischen Grenze, um die Spirale der Gewalt und Unsicherheit nach der Entführung und Ermordung von zwei US-Bürgern in Matamoros an der Grenze zu Texas zu entschärfen. López Obrador konterte: „Mexiko ist sicherer als die Vereinigten Staaten, und es ist kein Problem, sicher in Mexiko zu reisen.“
Warum er dann einen gigantischen Sicherheitsplan für die Osterferien aufgelegt hat, bleibt sein Geheimnis. Jedenfalls werden sich die Zahl der Urlaubsgäste und der Uniformierten dieser Tage nahezu fast die Waage halten. Im Rahmen dieses Sicherheitsplans wurden 5378 Einsatzkräfte des Verteidigungsministeriums, der Marine, der Nationalgarde und der bundesstaatlichen Polizeien in die touristischen Hochburgen entsendet. Da bleibt einem eigentlich nur noch zu wünschen: „Frohe Ostern“.