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Sinnestäuschung. Der Mann mit dem multiplen Blick ist der 26-jährige US-Schauspieler Ezra Miller.

USA

Die Party-Kunst der Übertreibung

Kein Event ist provokanter und selbstironischer inszeniert als die Gala des Metropolitan Museum of Art in New York. Die größten Stars der Welt geben sich dort die Ehre.

Sie ist ein einziger Bilderrausch – die New Yorker „Met Gala“. Und die Party des Jahres! Wie immer am ersten Montag im Mai, wenn US-Vogue-Chefin Anna Wintour ruft, inszenieren sie sich Hollywood- und Popstars, Sportidole und Geldadel der New Yorker Society auf den Stufen zum Metropolitan Museum of Art. Und alles für den guten Zweck: Die Benefizgala finanziert das Kostüm-Institut des Museums, das allein daraus seinen Betrieb samt Ausstellungen finanziert. Weit über zehn Millionen US-Dollar kommen da in einer Nacht zusammen.

Die diesjährige „Met Gala“ stand unter dem Motto „Camp – Notes on Fashion“. Das englische Adjektiv Camp steht für übertrieben oder theatralisch und orientiert sich an einem Essay von Susan Sontag: „Notes on Camp“, der 1964 die Liebe zum Unnatürlichen, zur Künstlichkeit und Übertreibung zum Thema hatte.

Die Gastgeberin: US-Vogue-Chefin Anna -Wintour – sie trug Chanel.

Nun, die Liebe zur Übertreibung ist vielen Stars wie Rapperin Cardi B oder oder Katy Perry gemein. Letztere inszenierte sich denn auch in einem Kronleuchter-Kostüm auf dem rosafarbenen Teppich. Und Lady Gaga, als Co-Gastgeberin, hat sich erst gar nicht für nur ein Kleid entschieden. Erst zog sie ein pinkfarbene Robe mit meterlanger Schleppe über die Freitreppe, dann überraschte sie mit einem Striptease und räkelte sich mit dem Nötigsten, ein bisschen Dessous und Netzstrümpfen auf den Stufen des Museums, während Entertainer Billy Porter, ganz in Gold gehüllt, auf einer Sänfte von sechs halbnackten Männern vor die Wand der Kameras getragen wurde – 200 Fotografen drückten auf die Auslöser, ein Klick-Gewitter – und DER Auftritt schlechthin!

Das Schaulaufen ist der erste Teil einer gigantischen Show mit Dinner – für 600 Gäste. Wer eingeladen ist, hat Glück, ansonsten kostet laut „New York Times“ ein Ticket 35.000 Dollar und ein Tisch bis zu 300.000 Dollar. Doch allein mit Geld schafft man es auch nicht. Es heißt, US-Präsident Donald Trump hätte null Chance. Anna Wintour konstatierte erst kürzlich, er könne tun, was er wolle, er werde es niemals auf die Gästeliste der „Met-Gala“ schaffen.

Ziemlich bunt: der neue Met-Direktor Max Hollein und seine Frau Nina, selbst Modeschöpferin.

Der Ball kündigt gleichzeitig auch immer die jährliche Hauptausstellung des Kostüm-Instituts an, die sich dieses Jahr dem Wort und Konzept von „Camp“ widmet, diesem facettenreichen und kaum zu fassenden Begriff, den Sontag als eine der Ersten auch als ästhetische Ausdrucksform der Künste interpretierte, vor allem in der Mode. Die Ausstellung läuft noch bis September – unter der Leitung des neuen Direktors des New Yorker Metropolitan Museum of Art, des Österreichers Max Hollein (49), der bis 2016 die Frankfurter Schirn sowie das Städel leitete, bevor er nach San Francisco und schließlich New York weiterzog. Seine Frau Nina ist übrigens selbst Modemacherin – sie beeindruckte mit einem Entwurf aus verschiedensten Stoffen, Farben und Formen.

Max Hollein meint, Mode könne auch Ausruck individueller und gesellschaftlicher Befindlichkeiten sein. Insofern war die diesjährige Met-Gala ein einziges Statement für das Individuum und für Toleranz. Jared Leto trug dafür ein Abbild seines Kopfes mit sich herum. Mit von der ausdrucksstarken Party waren unter anderem auch Oscar-Preisträger Rami Malek („Bohemian Rhapsody“) und die jüngste Milliardärin der Welt, Influencerin Kylie Jenner oder Tennisstar Serena Williams mit Blumenwiese am Kleid. Ballkönigin Rihanna war diesmal nicht dabei – dafür kürte sie via Instagram Gastgeberin Anna Wintour zur bestgekleideten Person des Abends; sie trug einen letzten Chanel-Entwurf von König Karl, Karl Lagerfeld. (us/dpa)

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