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Geschützt von Leibwächtern – und dem Rechtssystem der USA. 

#MeToo

25-Millionen-Dollar-Vergleich: Harvey Weinstein kauft sich frei

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Harvey Weinstein einigt sich mit mehreren Klägerinnen. Zahlen müssen andere.

Es war ein herber Rückschlag für die #MeToo-Bewegung, was da am Mittwoch durch die Reporter der „New York Times“ an die Öffentlichkeit getragen wurde. Eine Ohrfeige für alle, die hoffen, das amerikanische Strafrechtssystem könne Opfern sexuellen Missbrauchs Gerechtigkeit bringen. „Was bedeutet #MeToo denn überhaupt noch?“, ließ die Journalistin Courtney Dowling auf Twitter ihrer Frustration freien Lauf.

Grund für die massive Enttäuschung ist, dass sich Harvey Weinstein, der Mann, der die #MeToo-Bewegung durch seine Übergriffe angestoßen hatte, nach Informationen der „New York Times“ zivilrechtlich aller Konsequenzen seines Tuns entzogen hat. Weinsteins Anwälte handelten mit seinen Anklägerinnen einen Vergleich über 25 Millionen Dollar aus. Der komplette Betrag wird von den Versicherungen seiner in Insolvenz befindlichen Firma beglichen.

Die Vereinbarung ist das Ergebnis von zwei Jahren harter Verhandlungen zwischen Weinsteins Anwälten und rund 30 Schauspielerinnen und Angestellten des Filmproduzenten, deren Klagen von sexuellem Fehlverhalten bis zur Vergewaltigung reichen. Die 25 Millionen Dollar sind Teil einer Einigung von Weinsteins bankrotter Firma mit allen Kreditoren über 47 Millionen Dollar. Weil die Firma offiziell Insolvenz angemeldet hatte, mussten sich die Klägerinnen mit den übrigen Schuldnern der Firma einreihen.

Opfer von Harvey Weinstein werden ausbezahlt

Eine der größten Ungeheuerlichkeiten der Abmachung ist, dass Weinsteins Anwaltsteam, darunter sein Bruder, beinahe die Hälfte der 25 Millionen für ihre Bemühungen bekommt. 6,2 Millionen Dollar werden unter 18 Opfern aufgeteilt, keine von ihnen bekommt mehr als 500 000. 18,5 Millionen sind für Forderungen aus allen weiteren Klagen beiseitegelegt worden. Wenn die Abmachung in den nächsten Tagen von einem New Yorker Gericht genehmigt wird, verteilt ein Beamter die Gelder.

Viele der Klägerinnen zeigten sich zutiefst enttäuscht von der Einigung. So sagte die Schauspielerin Katherine Kendall, die von Weinstein während einer angeblichen Arbeitsbesprechung nackt durch seine Wohnung gejagt worden sein soll, ihr gefalle die Einigung überhaupt nicht, wisse aber nicht, was sie sonst tun könne.

Die Anwältinnen und Anwälte der Frauen behaupten, jeder Versuch, noch einen besseren Deal herauszuschlagen, wäre gescheitert. „Wir haben wirklich unser Bestes getan“, sagte Genie Harrison, die Sandeep Rehal vertrat. Rehal war eine persönliche Assistentin Weinsteins und behauptet, er habe sie vergewaltigt.

Wenig Gerichtsurteile wegen sexuellen Missbrauchs

Harrison beschrieb, ihre Position in den Verhandlungen sei durch eine Kombination von rechtlichen Faktoren geschwächt gewesen. Zum einen habe es in vorangegangenen Urteilen Rückschläge gegeben, wie im Fall von Ashley Judd. Judds Klage wurde abgewiesen, weil sie juristisch gesehen in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu Weinstein stand. Zudem gebe es strenge Gesetze in den USA, die Firmenvorstände vor Klagen schützen.

So ist die Einigung eine ernüchternde Bestandsaufnahme der Rechtsmittel, die Opfern sexuellen Missbrauchs in den USA zur Verfügung stehen. #MeToo hat zwar zahlreiche Karrieren mächtiger Männer beendet, darunter TV-Moderator Bill O’Reilly und Sendenetzwerk-Chef Les Moonves. Außergerichtliche Einigung gab es auch zu Dutzenden, aber an Gerichtsurteilen fehlt es noch schmerzlich. Lediglich der Schauspieler Bill Cosby musste bisher eine Gefängnisstrafe antreten.

Zwei Frauen lehnen Angebot von Harvey Weinstein ab

Immerhin weigern sich zwei Klägerinnen, Weinsteins Angebot anzunehmen. Ihr Anwalt, Douglas Wigdor, störte sich vor allem an einer Klausel, dass eine Million des Fonds an Weinsteins Anwälte geht, falls die beiden Frauen nicht unterschreiben. „Man versucht uns zu erpressen“, so Wigdor.

Trotz allem muss sich Weinstein im Januar vor Gericht verantworten. Es stehen noch zwei Anklagen wegen Vergewaltigung vor einem New Yorker Richter im Raum. Den Frauen, die nun an der Einigung teilgenommen haben, steht jedoch der Weg für eine strafrechtliche Klage nicht mehr offen. Sie haben durch die Zivilklage ihr Recht auf eine kriminelle Anklage aufgegeben.

Nun ist es soweit. Harvey Weinsteins Prozess beginnt. 

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