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Ausgelöst wurden die Wellen möglicherweise durch einen unterseeischen Erdrutsch.

Tsunami in Indonesien

Merkel: "Wir trauern mit den Familien"

Zwischen Sumatra und Java bringen riesige Flutwellen mitten in der Urlaubssaison Tod und Zerstörung. Viele Touristenstrände sind betroffen.

Bei einer Tsunami-Katastrophe nach einem Vulkanausbruch in Indonesien ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 222 gestiegen. Rund 843 Menschen seien verletzt worden, 30 würden noch vermisst, teilte ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde am Sonntag in Jakarta mit. Die Flutwellen brachen über die Küstenregionen und Touristenstrände an der Straße von Sunda zwischen den Inseln Sumatra und Java herein.

Rettungskräfte durchkämmten am Sonntag die Schuttberge nach Überlebenden. Hunderte Gebäude wurden nach Behördenangaben zerstört. Die Flutwellen trafen im Süden Sumatras und im Westen Javas am späten Samstagabend (Ortszeit) an Land, ohne dass die Menschen dort vorab gewarnt worden wären, wie ein Behördensprecher sagte.

Einige der am heftigsten getroffenen Gegenden befinden sich in Bauten, wo es viele Strandunterkünfte für Touristen gibt. Alleine hier starben nach Angaben von Nugroho 126 Menschen. Angesichts der Urlaubssaison herrschte dort Hochbetrieb. Nugroho zufolge wurden mindestens 430 Häuser, neun Hotelanlagen, zehn Schiffe und Dutzende Autos beschädigt. Schwere Tsunami-Schäden wurden unter anderem vom Urlauberstrand Carita gemeldet. Nugroho verbreitete über seine Twitter-Seite Videoaufnahmen, auf denen Trümmerhaufen vor zerstörten Häusern und völlig demolierte Autos zu sehen waren.

Deutsche kamen nach ersten Erkenntnissen nicht zu Schaden. Es gebe „bisher keine Hinweise auf betroffene Deutsche“, teilte das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Die Botschaft bemühe sich, „darüber schnellstmöglich Gewissheit zu erhalten“. Reisende würden gebeten, „Anweisungen von örtlichen Sicherheitskräften Folge zu leisten“, hieß es weiter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte dem indonesischen Präsidenten Joko Widodo das Beileid der Deutschen aus. „Die Nachrichten und Bilder aus Indonesien sind bestürzend. Wir trauern mit den Familien der Opfer - und hoffen, dass nun viele Menschen gerettet werden können“, sagte sie laut einer von Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer im Kurzbotschaftendienst Twitter veröffentlichten Nachricht.

Tsunami wohl durch Neumond verstärkt

Laut der Indonesischen Agentur für Geophysik war die Ursache vermutlich ein Ausbruch des in der Meeresenge liegenden Vulkans Anak Krakatau, der wiederum einen Unterwasser-Erdrutsch zur Folge hatte. Demnach ereignete sich die Eruption am Samstagabend um 21.03 Uhr (Ortszeit), 24 Minuten später sei der Tsunami auf Land getroffen.

Der Fluteffekt könnte durch den Neumond noch verstärkt worden sein, vermuteten die Behörden.

Der Inselstaat Indonesien wird immer wieder von katastrophalen Tsunami-Flutwellen heimgesucht. Diese entstehen in der Regel durch Erdbeben unter dem Meeresboden. Dass sie durch Vulkanausbrüche und Erdrutsche ausgelöst werden, ist eher selten.

Bei einem schweren Beben und einem anschließenden Tsunami kamen erst Ende September auf der indonesischen Insel Sulawesi mehr als 2000 Menschen um. (afp/dpa) 

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