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Menschengemachte Fluten – Import aus dem globalen Norden

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Von: Joachim Wille

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Der Klimawandel macht Überschwemmungen in Westafrika 80-mal wahrscheinlicher, wie eine Studie zeigt. Den höchsten Beitrag am Klimawandel trägt der globale Norden. 

Nuakschott – Der Kontinent Afrika hat historisch wenig zum Klimawandel beigetragen. Nur rund drei Prozent der Treibhausgas-Emissionen kamen bisher von Afrika, obwohl heute 14 Prozent der Weltbevölkerung dort leben. Die Folgen der Klimakrise allerdings treffen viele afrikanische Länder besonders stark.

Einen aktuellen Beleg dafür liefert eine Studie zu den extremen Regenfällen in Westafrika in diesem Jahr, die Millionen Menschen obdachlos machten und zu mehr als 800 Todesfällen führten. Der Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit dieser Wettersituation demnach deutlich erhöht.

Klimawandel in Afrika: Alleine in Nigeria haben über 600 Menschen ihr Leben verloren

Die starken Niederschläge trafen Nigeria, Niger, Tschad und die Nachbarländer von Juni bis Oktober. Sie führten dort zu großflächigen Überschwemmungen, die zum Beispiel in Nigeria 1,5 Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben, die Ernten auf rund 570.000 Hektar Ackerland vernichteten und 612 Menschen töteten.

Stark betroffen waren auch Niger, Tschad, Kamerun und Benin. Ursache war eine Regenzeit, die deutlich feuchter als gewöhnlich war und Perioden mit extremen Regenfällen brachte. Die Studie wurde von einem internationalen Forschungsteam der „World Weather Attribution Group“ (WWA) vorgelegt. Um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Regenfälle zu quantifizieren, verglichen die Forschenden das heutige, im globalen Schnitt um 1,2 Grad erwärmte Klima und seine Ausprägungen in Westafrika mit dem Klima der vorindustriellen Zeit.

Klima in Afrika: Klimawandel schlägt vor allem in zwei Regionen zu

Sie konzentrierten sich dabei auf zwei Regionen: Das Tschadsee-Becken mit den Kernländern Niger, Nigeria und Tschad, wo es in der Regenzeit überdurchschnittlich viel regnete, und das untere Nigerbecken in Nigeria, wo es kurze, aber sehr intensive Niederschläge gab.

Die Ergebnisse: Der vom Menschen verursachte Klimawandel erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass die Regenzeit im Tschadsee-Becken so nass ist wie 2022, um das 80-fache. Er führte dazu, dass die diesjährige Regenzeit 20 Prozent mehr Niederschläge als üblich brachte.

Klimawandel in Afrika: Wahrscheinlichkeit für Überschwemmungen hat sich verdoppelt

Die kürzeren Perioden intensiver Regenfälle im unteren Nigerbecken wiederum, die die Überschwemmungen verschlimmerten, sind inzwischen etwa doppelt so wahrscheinlich geworden. Konkret heißt das, der Dauerregen, der zu den Überschwemmungen führte, ist nicht länger ein seltenes Ereignis. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt jetzt bei etwa eins zu zehn pro Jahr. Ohne Klimaveränderungen wäre es ein extrem seltenes Ereignis.

Die an der Studie beteiligte Forscherin Friederike Otto vom Imperial College London kommentiert: „Die afrikanischen Länder gehören zu den Ländern, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Und wir wissen, dass viele dieser Auswirkungen bereits stattfinden, auch wenn sie keine internationalen Schlagzeilen machen.“

Wenig Beachtung für Afrika: Fluten in Pakistan und Australien erhalten mehr Aufmerksamkeit

Tatsächlich haben die Fluten in Westafrika international viel weniger Aufmerksamkeit erhalten als etwa Überflutungen in Pakistan oder aktuell in Australien. Otto fordert, mehr Forschende aus der Region in die internationale Klimaforschung einzubeziehen. Das sei von entscheidender Bedeutung, um die durch den Klimawandel verursachten Schäden zu verstehen und zu bekämpfen.

In einer anderen Studie zu einer Dürre 2021, die Ernteausfälle in den afrikanischen Ländern Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria und Tschad verursachte, konnte das WWA-Team den Einfluss des Klimawandels nicht abschätzen. Der Grund: Es fehlte an zuverlässigen Daten von Wetterstationen.

Die Forschenden betonten daher die Notwendigkeit, mehr in solche Geräte zu investieren. Das ermögliche, die Wetterschwankungen genauer zu verstehen, was wiederum eine Voraussetzung sei, um sich besser auf die Auswirkungen der Klimaveränderungen einstellen zu können. (Joachim Wille)

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