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So soll’s werden.

Ehemaliger Flughafen in Athen

Ein Mekka für Zocker

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Amerikanische Glücksspielkonzerne planen bei Athen ein gigantisches Kasino-Resort auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens Ellinikon.

Noch ist das Gelände des früheren Athener Flughafens Ellinikon ein trostloses Areal. Seit mehr als 18 Jahren ist dort kein Flugzeug mehr gelandet oder gestartet, doch die verrosteten Wegweiser hängen immer noch an den Schilderbrücken: „Domestic Departures“, „International Arrivals“. Büsche wachsen aus den Rissen auf der Startbahn. Aber schon bald sollen hier die Bulldozer anrollen. „Wir wollen so schnell wie möglich loslegen“, sagt Mario Kontomerkos, Vorstandschef des amerikanischen Kasino-Konzerns Mohegan Gaming & Entertainment.

Kontomerkos hat viel vor in Ellinikon. Der griechische Immobilienentwickler Lamda Development will für rund acht Milliarden Euro auf dem ehemaligen Flughafengelände Wohnungen, ein Einkaufs- und Kongresszentrum, Freizeit- und Sportanlagen bauen – das größte urbane Entwicklungsprojekt Europas. Herzstück des Vorhabens ist ein integriertes Kasino-Resort. Es soll aus der größten Spielbank Südeuropas, dem größten Hotel des Landes, Geschäften, Restaurants, einem Show-Theater und einem Sportzentrum bestehen. Mohegan ist einer von zwei Bewerbern für den Komplex.

Fast zwei Jahrzehnte war das verlassene Flughafengelände ein Symbol des politischen Stillstands und des wirtschaftlichen Niedergangs in Griechenland. Jetzt soll von hier ein Signal des Aufbruchs ausgehen. Der Bauplatz ist ein Filetstück, wie es in Europa seinesgleichen sucht: Mit 620 Hektar ist das Gelände des 2001 stillgelegen Airports drei Mal so groß wie das Fürstentum Monaco, gelegen direkt am Meer. Mit der U-Bahn ist man von hier in knapp 20 Minuten im Zentrum der Viermillionenstadt Athen.

Nicht nur der Mohegan-Chef Kontomerkos, als Sohn griechischer Einwanderer in Connecticut geboren und aufgewachsen, glaubt an das Projekt. Auch Jim Allen, Präsident und CEO von Hard Rock International, ist begeistert: „Wir glauben an Athen als eine der weltweit großartigsten Destinationen.“ Beide Konzerne wollen rund eine Milliarde Euro in den Kasino-Komplex investieren.

Mohegan hat bei einer Präsentation in Athen bereits den Vorhang etwas gelüftet: Das Unternehmen plant den Bau von zwei Wolkenkratzern, deren fließende Formen von den Karyatiden inspiriert sind, den Frauenskulpturen, die als Säulen am Erechteion auf der Athener Akropolis zu sehen sind. In luftiger Höhe schwebt zwischen den beiden Hochhäusern ein Pool-Deck, ähnlich wie im berühmten Marina Bay Sands in Singapur. „Inspire Athens“ ist der Slogan des Mohegan-Konzepts.

Am 4. Oktober gaben die beiden Kontrahenten ihre Angebote ab. Jetzt prüft die staatliche griechische Glücksspielkommission die Offerten. Das Mindestgebot für die Konzession beträgt 30 Millionen Euro, zahlbar bei Erteilung. Außerdem verlangt der Staat vom 3. bis zum 25. Jahr der Konzession jährliche Zahlungen. Die Entscheidung, welcher der beiden Bewerber die zunächst auf 30 Jahre befristete Kasino-Konzession erhält, soll im November fallen.

Mohegan und Hard Rock haben eine Gemeinsamkeit: Beide Unternehmen werden von nordamerikanischen Indianerstämmen kontrolliert. Hard Rock, bekannt durch die gleichnamigen Cafés in über 70 Ländern der Erde, wurde 2006 vom Seminole Tribe of Florida, der Indianer-Ethnie der Seminolen übernommen. Mohegan Gaming gehört den Mohikanern, deren ursprüngliches Siedlungsgebiet im heutigen Connecticut liegt. Ein im Jahr 1988 verabschiedetes Gesetz gibt den amerikanischen Ureinwohnern das Recht, in ihren Territorien Spielkasinos zu betreiben. Das sollte das wirtschaftliche Überleben der Stämme sichern. In den USA gibt es etwa 400 von Indianern betriebene Kasinos, die zusammen rund drei Mal so viel Umsatz erzielen wie die Glücksspielindustrie in Las Vegas.

Mohegan und Hard Rock sind längst über die geografischen Grenzen ihrer einstigen Reservate hinausgewachsen: Mohegan betreibt sein Flaggschiff-Kasino, das Mohegan Sun, in Uncasville in Connecticut. In den USA besitzt das Unternehmen weitere sechs große Kasino-Komplexe, darunter im Glücksspiel-Mekka Atlantic City und an den Niagarafällen. Hard Rock betreibt neben den rund 250 Cafés in aller Welt ein Dutzend Kasinos in Nordamerika und in der Karibik.

Mohegan-CEO Kontomerkos prognostiziert, dass der in Ellinikon geplante Komplex rund 7000 neue Arbeitsplätze schaffen und die Anzahl der ausländischen Touristen, die Athen besuchen, um zehn Prozent steigern werde. Als besonders glücksspielbegeistert gelten in der Branche Besucher aus China, den arabischen Staaten und Israel.

Das neue Athener Kasino zielt aber nicht nur auf Gäste aus dem Ausland. Auch die Griechen sind begeisterte Zocker. Sie gaben im vergangenen Jahr 16,2 Milliarden Euro für legale Glücksspiele aus und, nach Schätzungen von Branchenkennern, vermutlich weitere drei Milliarden für illegale Wetten. Das entspräche rund zehn Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts – und laut Schätzungen dem Achtfachen des europäischen Durchschnitts.

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