Adventskalender

Meine kleine Siedlung

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FR-Adventskalender, 20.12.: Tür Nummer 20 führt uns auf die Insel Catan.

Zivilisationen aufbauen. Das war total mein Ding als Zehnjährige. Am ausrangierten PC meiner Mutter ließ ich kleine Siedler Häuser und Straßen bauen, Vieh züchten, Holz fällen, Erz abbauen und Handel treiben. Der einzige Wermutstropfen: Irgendwann kam in jedem Spiel der Punkt, an dem ich meine kleinen Siedler in den Krieg gegen äußere Feinde schicken musste. Das passte mir gar nicht. Ich wollte am liebsten stundenlang meine kleine Welt zusammenbasteln – ungestört von übereifrigen Konkurrenten.

Das gleiche Problem stellte sich beim Siedeln auf dem Spielbrett, genauer auf dem bunten Flickenteppich, der die fiktive Insel „Catan“ darstellen sollte. Wie schon am Computer ging es in der Regel gut los bei den vorweihnachtlichen „Siedler von Catan“-Sitzungen. Ich suchte mir für die ersten Häuser meiner entstehenden Siedlung eine nette Ecke, in der ich mit Rohstoffen gut versorgt war; zwischen tiefen Wäldern, saftigen Kornfeldern und reichen Lehmvorkommen. Ich plante den Bau großer Städte, langer Handelsstraßen und schlagkräftiger Ritterheere – bis, ja, bis ich der Tatsache ins Auge sehen musste, dass ein paar andere dahergelaufene Möchtegern-Siedler links und rechts von mir exakt dieselben Ideen hatten.

Da stellte mir mein Vater mir nichts, dir nichts den Räuber auf meine Schafzucht. Mit dem Bau neuer Siedlungen war es damit erst mal aus, zumal ich nicht daran gedacht hatte, mich strategisch günstig an einem Handelshafen aufzustellen, und auch meine anderen Rohstoffquellen sprudelten nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. 

Als ich den Räuber schließlich wieder loswurde, waren meine Cousinen mit ihren Siedlungen längst unverfroren an meinen kleinen Weiler herangerückt. So zerplatzte schnell auch der Traum von der Weltstadt. Blieb mir noch die längste Handelsstraße, immerhin zwei Punkte hätte das am Ende gegeben. Und mehr als Holz und Lehm brauchte es dafür nicht.

Doch nachdem die unseligen Cataner mir schon Lektion Nummer eins eingebläut hatten – wer zu spät kommt, den bestraft das Leben –, folgte jetzt auch schon Lektion Nummer zwei: Wer hat, dem wird gegeben. Ich konnte strampeln, so viel ich wollte: Sobald ich genügend Baumaterial für ein, zwei Straßenabschnitte beisammen hatte, schüttelte meine Cousine aus ihrem prall gefüllten Großstadtsäckel locker-lässig drei neue Straßen auf einmal heraus – und ich geriet schon wieder ins Hintertreffen. 

Meist hielt ich frustiert bis zum Ende durch – und träumte insgeheim von meiner eigenen kleinen Zivilisation, in der mir niemand in die Quere kam.

„Siedler von Catan“, im Handel rund 22 Euro ohne Erweiterung.

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