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„Mein Hund isst auf jeden Fall mehr Fleisch als ich“

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Von: Boris Halva

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So ist es fein: Jule Gölsdorf und ihr Zwergpudel Fred. Jörg Strunz
So ist es fein: Jule Gölsdorf und ihr Zwergpudel Fred. Jörg Strunz © Joerg Strunz

Und im Bett darf er auch schlafen: Moderatorin Jule Gölsdorf über das Leben mit Pudel, tierische Promi-Geschichten – und warum Haustiere nicht nur mit Blick aufs Klima ein ernstes Thema sind

Frau Gölsdorf, es heißt ja, Hunde seien ihrem Herrchen oder Frauchen meist recht ähnlich. Ein Klischee – oder ist da was dran?

Was das Aussehen angeht, stimmt das doch recht häufig. Also bei mir und meinem Hund jetzt nicht unbedingt, er hat ja Kringellocken, die sind mir noch nicht gewachsen. Aber meine Mutter behauptet zum Beispiel, ich sei recht eigenwillig – und das passt schon auch zu meinem Hund.

Welche Eigenwilligkeiten teilen Sie?

Ich achte zum Beispiel sehr auf meine Ernährung, und Fred ist beim Essen auch ziemlich wählerisch. Der schleicht erstmal um seinen Napf rum und riecht und schaut und dreht ein paar Runden, bevor er dann wirklich isst.

Könnte auch ein Tick sein…

Klar, aber irgendwie finde ich das auch ganz schön, dass er so eigensinnig ist. Das ist mir lieber als ein Hund, der dauernd was anschleppt und immer alles richtig machen will. Oder wie ein Labrador alles in sich reinstopft, wenn man grade mal nicht aufpasst. Mir gefällt auch, dass wir uns so gut aufeinander einstellen können. Es gibt ja Hunde, die fangen jeden Morgen um halb sieben an zu jaulen, weil sie wollen, dass Frauchen aufsteht. Da ist Fred zum Glück anders. Wenn ich früh aufstehe, steht er mit auf – und wenn ich bis um halb elf schlafe, bleibt er auch liegen.

Es scheint, als genieße Fred die Freiräume, die sich Frauchen nimmt.

Das kann ich mir gut vorstellen. Ist aber sicher auch eine Frage, wie streng man ist. Ich dachte immer, dass ich ganz streng sein werde, wenn ich mal einen Hund habe.

Und?

Ist natürlich überhaupt nicht so. Früher hätte ich gesagt, der Hund darf auf keinen Fall im Bett schlafen. Oder nicht aufs Sofa. Sie können sich ja denken, wo er jetzt am liebsten liegt.

Ich denke gerade, dass es erstaunlich ist, wie sich ein Mensch öffnet, wenn man sich über das Haustier unterhält. Sie erleben das sicher auch so, wenn Sie sich mit Ihren Podcast-Gästen über deren Tiere unterhalten, oder?

Total. Und ich freue mich immer wieder, dass viele Promis, die ja Podcast-Anfragen ohne Ende bekommen, sich trotzdem Zeit für uns nehmen – so wie der Torhüter Roman Weidenfeller. Er hat erzählt, dass er oft absagt, wenn ihn jemand für einen Podcast anfragt. Zu uns ist er dann doch gekommen, weil ihn das Thema Hundeliebe irgendwie angesprochen hat. Für uns ist das immer spannend, denn wie jemand mit seinem Tier umgeht oder auch darüber spricht, das sagt ja auch was über die Person aus.

Wenn also jemand einen ondulierten Riesenpudel hat, glaubt man dieser Person nicht mehr unbedingt, dass sie es schlicht und bescheiden mag?

Ja, da ist was dran. Guido Maria Kretschmer zum Beispiel hat fünf russische Windhunde, die sind riesig und sehr elegant, aber auch sehr von sich eingenommen. Und Guido ist ja total nett und sweet, aber er ist sich auch seiner Präsenz bewusst. Von daher passen die Windhunde ziemlich gut zu ihm.

Gab es auch überraschende Konstellationen?

Oh ja, bei der Boxerin Regina Halmich war das so. Man würde man ja vermuten, dass sie als toughe Frau einen Boxer hat – stattdessen hat sie einen winzigen Chihuahua. Und dieses Handtaschenhündchen ist im Übrigen auch der Boss im Hause Halmich.

zur person

Jule Gölsdorf, 46, ist Moderatorin, Schauspielerin und Autorin. Sie moderierte Nachrichten- und Unterhaltungsformate bei diversen Sendern, aktuell für Sat1 und den NDR.

Den Podcast „Auf die Schnauze! Haustiere und ihre Promis“ moderiert sie mit Christine Langner. Alle zwei Wochen dienstags erscheinen neue Folgen, in der nächsten Sendung am 5. April ist Fußballer David Odonkor zu Gast. FR

Als die Autorin Ildikó von Kürthy bei Ihnen zu Gast war, hat sie von dem Klischee berichtet, wer einen Pudel besitze, sei über die Maßen aufs Aussehen bedacht. Was sagen Sie dazu, so als Pudelbesitzerin?

Es gibt immer noch Menschen, die ihre Pudel frisieren und auf Hundeschauen gehen, aber mein Eindruck ist eher, dass viele Menschen erkannt haben, dass Pudel sehr pfiffige und coole Hunde sind. Außerdem sind Pudel beliebt, weil ihr Fell antiallergen ist, deshalb wird der auch in viele Rassen reingemischt.

Auch wenn der Pudel im Kommen ist: Lieblingshund der Deutschen ist immer noch und immer wieder der Labrador. Langweilig?

Naja, ich kann auch verstehen, dass viele gerne einen Hund haben möchten, der für ein Leckerli alles macht. Aber wenn Menschen sagen, dass sie es so schön finden, einen Hund zu haben, weil der sich immer so freut, wenn sie nach Hause kommen, dann sagt das ja auch was über die Gesellschaft aus.

Und zwar?

Vielleicht, dass die Menschen froh sind, dass sich wenigstens einer freut, wenn sie nach Hause kommen?

Da nehme ich mich nicht aus. Und Sie freuen sich ja bestimmt auch, wenn Fred sich freut. Zumal Sie erzählt haben, dass Ihr Hund Sie vor einem Burnout bewahrt hat.

Ob ich wirklich kurz davor war, auszubrennen, weiß ich nicht. Aber ich hatte damals eine Sechstage-Moderations-Woche und kaum Auszeiten. Und so habe ich entschieden, eine Sendung abzugeben und mir Freiräume zu schaffen. Erst als ich die hatte, habe ich mir den Hund zugelegt. Viel draußen zu sein und die Freude, die einem so ein Tier zurückgibt, das hat mir geholfen, einen Alltagsrhythmus zu finden, der mir gut tut.

Während des Lockdowns haben sich viele einen Hund zugelegt. 2020 gab es doppelt so viele Hunde in Deutschland wie vor 20 Jahren – zehn Millionen Hunde. Anfang Februar wurde berichtet, dass es aber auch etliche gibt, die den Hund wieder abgegeben oder gar ausgesetzt haben.

So was ärgert mich wirklich! Für mich wäre es ein absolutes Nogo, den Hund nach zwei Jahren wieder abzugeben, weil mir auffällt, dass ich nicht mehr so viel zuhause arbeiten kann und es nicht mehr so gut passt mit dem Hund. Wenn ich mir einen Hund zulege, muss mir bewusst sein, dass der zehn, zwölf, vielleicht fünfzehn Jahre lebt – und ich eben so lange für das Tier verantwortlich bin.

Ist es in Ihrem Podcast ein Anliegen, das Thema Hund oder Haustier auch über das Unterhaltsame hinaus zu beleuchten?

Natürlich. Unser Podcast ist zwar ein Unterhaltungsformat, aber das Thema Haustier ist immer auch ein ernstes Thema. Viele glauben ja, dass bei Promis alles perfekt läuft und daher auch das Leben mit ihren Haustieren perfekt ist, aber da läuft nicht immer alles rund. Mit Cathy Hummels zum Beispiel haben wir auch über das Thema Depressionen gesprochen. Und Nele Neuhaus hat sehr eindrücklich geschildert, wie sie von ihrem ersten Hund, der sie über viele Jahre begleitet hat, Abschied nehmen musste. Mich hat das sehr berührt, wie sie erzählt hat, dass es der schrecklichste und zugleich schönste Moment ihres Lebens war, als ihr Hund in ihren Armen gestorben ist. Davor habe ich auch große Angst. Auf der anderen Seite denke ich: Was kann man seinem Hund Schöneres geben, als dabei zu sein, wenn er stirbt? Das sind Themen, die nicht lustig sind, aber eben auch dazugehören.

Ein ernstes Thema ist auch die Ökobilanz von Haustieren. Kürzlich wurde eine Studie veröffentlicht, derzufolge vor allem Hunde eher schlecht fürs Klima sind. Auch ein Thema für Ihre Sendung?

Nicht direkt, weil wir ja keine Themensendungen machen. Aber mit manchen Gästen ergibt es sich dann doch, dass wir über dieses Thema sprechen. Ich gebe meinem Hund zum Beispiel Leckerlis aus Insekten, er bekommt natürlich auch Fleisch, weil ich nicht glaube, dass es gut ist, ein Tier, das ein Fleischesser ist, vegan zu ernähren. Aber man kann die Fleischmenge schon deutlich reduzieren. Das ist ein Abwägen, so wie wir uns überlegen, muss ich in den Urlaub fliegen oder kann ich nicht auch mit dem Zug fahren? Es ist auf jeden Fall so, dass mein Hund mehr Fleisch isst als ich.

Sie machen ja nicht nur Hundegeschichten, es sind ja auch immer mal Leute zu Gast, die Katzen oder Pferde haben: Öffnen sich Hundemenschen eher als diejenigen, die Katzen haben?

Das ist schwer zu sagen. Die einzigen echten Katzenmenschen waren das Bachelor-Paar Niko Griesert und Michèle de Roos. Die haben erzählt, dass sie mal ein Medium gebucht haben, als eine der Katzen davongelaufen war. Sie haben dann im Wald an einem bestimmten Platz was ausgelegt, damit die Katze wieder nach Hause kommt – und die kam am nächsten Tag tatsächlich wieder. Könnte natürlich sein, dass die Katze sowieso wiedergekommen wäre, trotzdem fand ich das spannend. Aber ich denke schon, dass es über Hunde doch am meisten zu erzählen gibt, weil sie einen so innig begleiten, und zwar jeden Tag. Ein Pferd lebt im Stall und man geht dahin, kümmert sich und reitet mal aus, Katzen sind eh total selbstständig. Aber mit einem Hund lebt man sehr eng zusammen. Wobei echte Katzenmenschen jetzt wahrscheinlich sagen würden, das ist alles Quatsch!

Interview: Boris Halva

Den Podcast „Auf die Schnauze! Haustiere und ihre Promis“ moderiert Jule Gölsdorf mit Christine Langner.
Den Podcast „Auf die Schnauze! Haustiere und ihre Promis“ moderiert Jule Gölsdorf mit Christine Langner. © Joerg Strunz

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