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Mehr Kishon, bitte!

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Zum Glück kann man Hörbücher auch genießen, wenn sich die Brille wieder einmal absichtlich versteckt hält.

Die Brillenträger*innen unter uns kennen es. Diese Mistdinger verschwinden einfach. Lösen sich in Luft auf. Und tauchen dann an Stellen auf, wo man niemals war (Nein, ich war heute noch nicht in der Küche und kann daher nicht erklären, wieso sie jetzt auf der Ablage liegt!). Mein Leben lang wurde mir die Schuld gegeben, ich würde nicht richtig achtgeben, ich sei zerstreut (Unverschämtheit!), und richtig suchen würde ich auch nicht (Wie denn?! Ich sehe ohne meine Brille doch nichts!). Von daher war ich verzückt, als ich Ephraim Kishons Kurzgeschichte „Die Brille, das unbekannte Wesen“ hörte. Denn auch Kishon hat dieses Problem. Er ist der erste Mensch, der mir bestätigte, was ich lange nur vermutet hatte: Die Brillen machen das mit Absicht.

Es ist kein Wunder, dass beim Stöbern in der Hörbuch-App meines Vertrauens vor vielen Jahren ein Titel namens „Satiren zur täglichen Katastrophe“ von Ephraim Kishon mein Interesse weckte. Satiren? Immer gerne. Tägliche Katastrophe? Habe ich. Also ab auf die Ohren damit.

Kishons Kurzgeschichtensammlung zu den kleinen Tücken des Lebens (Brille!) überzeugen von der ersten Sekunde an. Denn schon seine Herangehensweise an die erste „Katastrophe“ der Sammlung, eine kaputte Wasserleitung, spricht den Prokrastinierer*innen unter uns aus der Seele: „Ich ließ dem geplatzten Rohr zwei Tage Zeit, sich von selbst in Ordnung zu bringen. Das geschah jedoch nicht.“

„Satiren zur täglichen Katastrophe“ und weitere Kurzgeschichtensammlungen Kishons gibt es als Download bei Audible.

Kishon kann Wahrheiten und simple Erkenntnisse, die jede*r im Angesicht des tückischen Alltags hat, so witzig, so satirisch, so pointiert verpacken, dass man ihn einfach lieben muss. Kishons Humor fesselt viele Menschen seit Jahrzehnten. Die Weltauflage seiner Bücher beträgt 43 Millionen, davon über 31 Millionen in deutscher Sprache. Sie wurden in 37 Sprachen übersetzt. Die etwas älteren Leser*innen werden sich nun denken: „Warum erklärt diese Autorin mir Kishon? Der Mann ist weltberühmt.“ Dazu muss ich Ihnen aber mitteilen: Die Hochphase von Kishons Berühmtheit und seinem öffentlichem Wirken liegen Jahrzehnte zurück. Seine satirischen Werke sind einzigartig, unerreicht und millionenfach verkauft, aber in den Schulen gelehrt wird er nicht. So war Kishon damals für mich – 2015, mit Ende 20 – eine völlige Neuentdeckung.

„Familiengeschichten“ von Ephraim Kishon ist, abgesehen von der Bibel, das meistverkaufte hebräische Buch der Welt. Ich bin optimistisch, dass er die Bibel noch einholen kann. Näher am Leben und lehrreicher sind seine Geschichten in jedem Fall. Sehen Sie diesen kleinen Text daher als Plädoyer für mehr Kishon.

Nicht nur die Kurzgeschichtensammlung „Satiren zur täglichen Katastrophe“ ist als Hörbuch einfach eine großartige, kurzweilige Unterhaltung, bei der man teilweise wirklich Tränen lacht. Nicht weniger witzig sind auch „Die liebe Verwandtschaft“, „Die süßen Kleinen“ und „Die netten Nachbarn“.

Gelesen von Hartmut Neugebauer bekommen Kishons Geschichten in Hörbuchform genau den richtigen stimmlichen Anstrich verpasst – und sind (wie praktisch!) auch erlebbar, wenn man wieder einmal die Brille verlegt hat. Ich schwöre, sie war gerade noch da! Mistding.

„Satiren zur täglichen Katastrophe“ und weitere Kurzgeschichtensammlungen Kishons gibt es als Download bei Audible.

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