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In seinen sechs Amtsjahren hat Papst Franziskus bislang behinderten Kindern, Flüchtlingen, verurteilten Straftätern, ja sogar Muslimen die Füße gewaschen.
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In seinen sechs Amtsjahren hat Papst Franziskus bislang behinderten Kindern, Flüchtlingen, verurteilten Straftätern, ja sogar Muslimen die Füße gewaschen.

Papst Franziskus

Mehr als nur eine Fußwaschung

  • Simon Berninger
    vonSimon Berninger
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Der Papst vollzieht die traditionelle Fußwaschung zum sechsten Mal in Folge an einem außergewöhnlichen Ort. Und auch in diesem Jahr wieder nicht an Geistlichen. Für manchen Katholiken ein Affront.

In Roms größtem und bekanntestem Gefängnis „Regina Coeli“ hat Papst Franziskus zwölf Häftlingen die Füße gewaschen. Damit hat Franziskus auch in diesem Jahr wieder einen ungewöhnlichen Ort gewählt für den traditionellen Ritus der katholischen Kirche, der nachahmt, dass auch Jesus laut Überlieferung seinen zwölf Jüngern die Füße gewaschen hat – für die Kirche ein Akt der Demut und Liebe, der zur so genannten „Messe vom Letzten Abendmahl“ gehört. Geistliche feiern diesen Gottesdienst mit Gläubigen rund um den Globus in katholischen Kirchen.

Bis Franziskus kurz vor Ostern 2013 zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde, war es üblich, dass der Papst in der römischen Lateran-Basilika die „Messe vom Letzten Abendmahl“ feiert. Franziskus brach mit dieser Konvention schon in seinem ersten Amtsjahr, als er die Zeremonie im römischen Jugendgefängnis „Casal del Marmo“ vollzog. Zur Begründung hieß es damals vom Vatikanischen Presseamt, dass Franziskus den Ritus schon „in einem Gefängnis, einem Krankenhaus oder in einem Heim für Arme und Ausgestoßene“ vollzogen habe, als er noch Bischof von Buenos Aires war. Diese Gepflogenheit wolle er auch als Papst beibehalten.

Missmut unter konservativen Katholiken

Unter konservativen Katholiken sorgte der Bruch des Papstes mit der Tradition aber nicht zuletzt auch deshalb für Missmut, weil sich unter den jugendlichen Strafgefangenen schon 2013 erstmals zwei junge Frauen im Kreis derer befanden, denen der Papst die Füße wusch. Das ging so manchem Katholiken doch zu weit, wusch doch auch Jesus ausschließlich seinem engsten Kreis die Füße, nämlich den zwölf – männlichen – Jüngern. So mancher Theologe sieht in dem biblisch überlieferten Ritus, den Jesus im Abendmahlssaal an seinen Jüngern vollzogen hat, gar die Einsetzung des Priestertums. Und das ist in der katholischen Kirche eben auch den Männern vorbehalten.

Entsprechend hat auch Franziskus‘ Vorgänger Benedikt XVI. für die sieben Fußwaschungen, die er als Papst vornehmen durfte, ausschließlich Priester ausgewählt. Franziskus wäscht die Füße dagegen auch Frauen. Der englische Theologe Chris Gillibrand kommentierte: „Man kann besorgt sein, dass er bereit sein könnte, Frauen in den Priesterstand zu erheben.“

Die Tür sei wohl zu, ließ Franziskus darauf wissen. Aber nicht die Tür, durch die Frauen zur Fußwaschung hinzutreten können. Anfang 2016 definierte er in einem Dekret die Gruppe derer, die an der Fußwaschung teilnehmen können: Diese könne „aus Männern und Frauen bestehen und angemessener Weise aus Jungen und Alten, Gesunden und Kranken, Klerikern, Ordensleuten und Laien“. Statt von „Männern“ ist im Messbuch nun die Rede von „denjenigen, die aus dem Volk Gottes ausgewählt wurden“.

Franziskus Fußwaschung: Bruch mit der Tradition?

Und dazu zählen Franziskus‘ Fußwaschungen zufolge nicht mehr an erster Stelle kirchliche dekorierte Würdenträger: In seinen sechs Amtsjahren hat er bislang behinderten Kindern, Flüchtlingen, verurteilten Straftätern, ja sogar Muslimen die Füße gewaschen. So auch in diesem Jahr, als er Häftlingen aus Italien, von den Philippinen, aus Marokko, Nigeria und Sierra Leone die Füße wusch. „Ich bin ein Sünder wie ihr“, sagte Franziskus während der Abendmahlsmesse, die laut Vatikan in streng privater Atmosphäre stattfand.

„Was kommt als nächstes?“, spotten traditionalistische Kreise jedes Jahr aufs Neue. Dabei beschwören sie die althergebrachte und unantastbare Tradition der Kirche, die mit Franziskus zu bloß „päpstlichem Aktionismus“ verkomme.

Dabei ist gerade die Fußwaschung im Vergleich zu 2000 Jahren Kirchengeschichte alles andere als althergebracht: Erst 1955 nahm sie Papst Pius XII. verbindlich in die Gründonnerstagsfeier auf. Und Franziskus bringt gerade mal die zweite Auflage heraus. (mit dpa)

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