Auch furchteinflößend: Anhänger von Donald Trump.
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Auch furchteinflößend: Anhänger von Donald Trump.

„Die Ängste der Deutschen“

Mehr Angst vor Trump als vor Corona

  • vonChristian Burmeister
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In der Pandemie fürchten sich die Deutschen weniger als sonst, wie eine Umfrage zeigt. Die Angst vor einer Corona-Erkrankung rangiert überraschend weit hinten.

Sind die Deutschen in der Pandemie zu einem Volk von Angsthasen mutiert? Wohl eher im Gegenteil: Die Befindlichkeiten rund um politische, wirtschaftliche und gesundheitliche Fragen sind heute insgesamt so gut wie seit fast 30 Jahren nicht.

Die repräsentative Umfrage „Die Ängste der Deutschen“ wird seit 1992 von der R+V-Versicherung in Auftrag gegeben. Sie wiederholt alljährlich die gleichen Fragen zu bestimmten Themen und ergänzt sie um wenige aktuelle. Das Resultat ist der „Angstindex“, der als kleiner Seismograph der Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit gilt.

Sorgen um Wohlstand

In diesem Jahr liegt der Wert bei 37 Punkten. Das ist die niedrigste Zahl seit Beginn der Untersuchungen. Noch 2016, als vor allem Terrorismus und Zuwanderung die Schlagzeilen beherrschte, lag der Wert bei 52 Punkten.

Die Sorge, „dass die Politik von Donald Trump die Welt gefährlicher macht“, treibt die Deutschen aktuell offenbar am meisten um: Heute ist - wie bereits im Jahr 2018 - vor allem die Politik des US-Präsidenten, mit seinen handels- und sicherheitspolitischen Attacken gegen Deutschland, die größte Einzelsorge der Bundesbürger. Das gaben 53 Prozent der 2400 Befragten an.

Allerdings fürchten die Deutschen insgesamt vor allem um ihren Wohlstand. Die entsprechenden Werte sind massiv gestiegen. Platz Zwei belegt die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten (51 Prozent, plus acht Punkte gegenüber 2019), gefolgt von der Angst als Steuerzahler für überschuldete EU-Staaten zur Kasse gebeten zu werden (49 Prozent, plus fünf). Auf Platz vier landet die Sorge vor einem Konjunktureinbruch in Deutschland (48 Prozent, plus 13). Auch die Furcht vor Arbeitslosigkeit ist um 12 Punkte auf 40 Prozent angestiegen.

Überraschend: Die Angst vor einer eigenen schweren Corona-Erkrankung scheint nur eine sehr untergeordnete Rolle zu spielen. Mit nur 32 Prozent rangiert sie gerade mal auf Platz 17 von 20. „Nach unseren Erkenntnissen haben die Menschen deutlich mehr Angst davor, dass das Virus ihren Wohlstand bedroht als ihre Gesundheit“, resümiert die Leiterin der Umfrage, Brigitte Römstedt. Nach den Gründen für diese Gelassenheit fragt die Studie nicht. So bleiben allein Vermutungen. „Wir wissen, dass man die Themen Krankheit und Tod gerne weit von sich schiebt“, so Römstedt.

Eine deutlich kleinere Rolle als in den Vorjahren spielen die Ängste beim Thema Zuwanderung. Zwar benennen weiterhin 40 Prozent der Befragten Spannungen infolge des Zuzugs von Ausländern und einer Überforderung des Staates durch Geflüchtete als Sorge(n). Dies ist allerdings der niedrigste Wert seit 2015. Die Furcht vor dem Klimawandel steht auf Platz elf der Ängste-Rangliste (40 Prozent). Unter die 40 Prozent-Marke rutschten die Ängste vor politischem Extremismus (37 Prozent) und Terrorismus (35 Prozent).

Dass die Politik in Deutschland von den Problemen überfordert ist, glauben aktuell deutlich weniger Menschen als noch vor Jahren. In der aktuellen Umfrage halten sie 60 Prozent für „nicht überfordert“ – für die Bundesrepublik ist das ein Spitzenwert. Für die Umfrage-Experten spiegelt sich in diesem Wert vor allem die Wertschätzung der Bürger für das Corona-Management der Regierenden wider.

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