Britische Royals

Harry und Meghan: Königin Elizabeth II. „unterstützt“ die Pläne des Paares

Nach dem royalen Krisentreffen in Sandringham hat die britische Königin Elizabeth II. ihre Unterstützung für die Rückzugspläne von Prinz Harry und seiner Frau Meghan erklärt.

  • Queen ruft zum Krisentreffen
  • Harry und Meghan wollen sich von ihren royalen Pflichten zurückziehen
  • „Megxit“ ruft Empörung und Begeistrung hervor

Update 14.01.2020, 09.15 Uhr: Die Königin verwies allerdings auf die Klärung „komplexer“ Fragen in den kommenden Tagen, wie der Buckingham Palace am Montag mitteilte. Bei der Zusammenkunft der Royals wurde Harry und Meghan vorerst eine „Übergangsperiode“ von der Queen gewährt, in der sie in Großbritannien und Kanada leben dürfen.

Die 93-jährige Monarchin und ihre Familie „unterstützen voll und ganz“ den Wunsch des Paares, „ein neues Leben als junge Familie aufzubauen“, ließ die Königin weiter mitteilen. Sie habe darum gebeten, „dass endgültige Entscheidungen innerhalb der kommenden Tage getroffen werden“. Es bleibe noch viel zu tun, da „komplexe“ Fragen geklärt werden müssten.

Krisengipfel auf Schloss Sandringham

Die Queen war am Montag mit ihrem Sohn und Thronfolger Charles und dessen beiden Söhnen William und Harry zu einem Krisengipfel auf Schloss Sandringham zusammengekommen, um über die künftige Rolle von Harry und Meghan zu beraten. Die beiden hatten am vergangenen Mittwoch erklärt, sich weitgehend von ihren royalen Verpflichtungen zurückziehen und unabhängiger leben zu wollen.

„Obwohl wir sie lieber weiter als Vollzeitmitglieder der königlichen Familie gesehen hätten, respektieren und verstehen wir ihren Wunsch nach einem unabhängigeren Leben als Familie, bei dem sie ein wertvoller Teil meiner Familie bleiben“, erklärte die Königin. Sie sprach von „sehr konstruktiven“ Gesprächen.

Harry und Meghan hätten deutlich gemacht, dass sie von öffentlichen Geldern unabhängig sein wollten. Ob sie ihre Titel als Herzog und Herzogin von Sussex behalten würden, ließ die Königin in ihrer Mitteilung weiterhin offen.

Die knappe Erklärung von Harry und Meghan hatte einen wahren Sturm der Entrüstung ausgelöst und das Königshaus in eine Krise gestürzt. Medienberichten zufolge hatte das Paar weder die Königin noch Harrys Vater Charles vorab in seine Entscheidung eingebunden, der Palast sei kalt erwischt worden. Erinnerungen an das Jahr 1936 wurden wach, als König Edward VIII. zugunsten seiner Heirat mit der geschiedenen US-Bürgerin Wallis Simpson auf den Thron verzichtete.

Die Queen sehr „verletzt“

Medienberichten zufolge hatte Harrys einseitige Entscheidung die Queen sehr „verletzt“, und auch sein Bruder zeigte sich laut „Sunday Times“ enttäuscht. Demnach sagte Prinz William, die nach dem Tod ihrer Mutter Prinzessin Diana geknüpften engen Bande seien gekappt: „Unser ganzes Leben habe ich meinen Arm um meinen Bruder gelegt, und das kann ich nun nicht länger tun - wir sind getrennte Einheiten“, beklagte sich William dem Bericht zufolge gegenüber einem Freund.

Harry und Meghan hatten unter anderem angekündigt, ihre Zeit künftig zwischen dem Vereinigten Königreich und Nordamerika aufzuteilen. Sie versprachen der Queen zwar weiterhin ihre volle Unterstützung, wollen aber gleichzeitig arbeiten und finanziell unabhängig werden. Ihr aufwändig renoviertes Cottage auf Schloss Windsor wollen die beiden als Wohnsitz in England behalten.

Die Ankündigung des Herzogs und der Herzogin von Sussex ließ allerdings auch viele Fragen unbeantwortet. Offen war unter anderem, wie viel Geld die beiden künftig noch von Prinz Charles erhalten - bisher finanziert der Thronfolger aus seinem Privatvermögen laut Presseberichten 95 Prozent von Harrys Etat. Es ist für das Paar jedoch nicht so einfach, eigenes Geld zu verdienen, ohne in Interessenskonflikte zu geraten. Geregelt werden muss auch, wer künftig für die Kosten seiner Leibwächter aufkommen soll.

Erstmeldung vom 13. Januar 2020: 

Prinz Harry und seine Frau Meghan wollen bei den Royals nicht mehr in der ersten Reihe stehen und finanziell unabhängig vom britischen Königshaus werden. Wie das gehen soll, ist am Montag Thema bei einem Krisentreffen der Royals auf dem Landsitz Sandringham. In Nordamerika, wo das Paar künftig seinen Zweitwohnsitz haben will, haben Harry und Meghan theoretisch viele Möglichkeiten. „Es gibt keine Tür, die Harry und Meghan nicht offen steht“, sagt der US-PR-Experte Ronn Torossian. „Ihre Anziehungskraft kommt der der Obamas gleich.“ Egal ob Redeauftritte, Bücher, Fernsehverträge oder Marketing - die Möglichkeiten zum Geldverdienen seien „unbegrenzt“.

Der Herzog und die Herzogin von Sussex hatten am Mittwochabend das Königshaus mit der Ankündigung in Aufregung versetzt, sich weitgehend von ihren royalen Pflichten zurückziehen und künftig finanziell auf eigenen Füßen stehen zu wollen. Während das umgehend als „Megxit“ titulierte Vorhaben in Großbritannien auf Empörung stieß, herrscht auf der anderen Seite des Atlantiks Begeisterung.

Harry und Meghan - große Namen in den USA

Harry und Meghan wären äußerst gefragt“, sagt auch Sharron Elkabas, Chefin der Agentur MN2S, die Prominente für Veranstaltungen vermittelt. Das Paar könne für einen einzigen Redeauftritt siebenstellige Honorare verlangen. Elkabas sieht in Harry und Meghan „Pioniere“, die für eine neue Ära im Königshaus stehen.

Beobachter gehen davon aus, dass die 38-Jährige und ihr drei Jahre jüngerer Mann sich auf wohltätige und gemeinnützige Arbeit beschränken werden. Vergangenen Monat hatte die britische Zeitung „Daily Telegraph“ berichtet, Meghan plane eine Wohltätigkeitsstiftung in den USA.

Sie und Harry könnten es ähnlich machen wie Ex-US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle, sagt Elkabas. „Die halten nur Reden bei Veranstaltungen, auf denen es darum geht, das Leben der Menschen zu verbessern.“

PR-Mann Torossian schätzt, dass Meghan und Harry als fotogenes und weltweit bekanntes Paar acht- oder auch neunstellige Summen im Jahr verdienen können. „Jeder Verlag der Welt will ihr Buch“, sagt er. Auch über einen Fernsehvertrag mit der US-Talkshow-Queen Oprah Winfrey wird spekuliert. Harry arbeitet mit Winfrey bereits an einer Dokumentation über geistige Gesundheit für den neuen Streamingdienst von Apple.

Die Menschen in den USA begeistern sich seit langem für die britische Königsfamilie. Die Heirat der in Los Angeles geborenen Meghan Markle mit dem Prinzen im Mai 2018 steigerte das Interesse an den Royals weiter.

Meghan will angeblich nach Kalifornien

Noch ist unklar, wo in Nordamerika sich Meghan und Harry mit ihrem kleinen Sohn Archie niederlassen werden. Meghan hat mehrere Jahre in Toronto gelebt, wo die damalige Schauspielerin in der Anwaltsserie "Suits" mitspielte.

Zwischen den Jahren verbrachte die kleine Familie sechs Wochen in Kanada, auf Vancouver Island, statt mit den anderen Royals auf Sandringham Weihnachten zu feiern. Inzwischen ist Meghan wieder zu Archie zurückgekehrt, den sie mit seinem Kindermädchen in Kanada zurückgelassen hatte. Dort bleibe sie womöglich „für die absehbare Zukunft“, schrieb die britische Zeitung „Daily Mail“.

Die Boulevardzeitung „New York Post“ will erfahren haben, dass Meghan in Kalifornien wohnen möchte, wo auch ihre Mutter Doria Ragland lebt. In den USA hätten Harry und Meghan nicht mit der Ablehnung und dem Zynismus zu kämpfen, die ihnen in Großbritannien entgegenschlügen, sagt Arianne Chernock, Expertin für das britische Königshaus von der Universität Boston.

Doch ob die Familie in den USA die dringend ersehnte Ruhe vor den Paparazzi findet, ist fraglich. „Sie müssen sehr aufpassen, sich ihre Privatsphäre zu erhalten“, warnt PR-Experte Torossian. Außerdem hat bei den Fragen, wie Harry und Meghan künftig ihr Geld verdienen, wo sie leben und wie künftig die Sicherheit des prominenten Paares garantiert wird, die Queen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. 

Britische Experten sehen Vorhaben skeptisch

Britische Experten sehen die Pläne des Paares hingegen eher skeptisch. Derartige Versuche der Royals hätten „immer in Tränen geendet“, warnte der frühere BBC-Royals-Korrespondent Peter Hunt.

Auch David McClure, Autor eines Buchs über die Finanzen des britischen Königshauses, sagt: „Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird.“ Royals und Geldverdienen sei „eine giftige Mischung“ voller „Gefahren“. Diese reichen von Interessenkonflikten über peinliche Misserfolge bis hin zum finanziellen Ruin, wie andere Mitglieder des Königshauses in der Vergangenheit vorgeführt haben:

Prinzessin Diana

Nach ihrer Trennung von Thronfolger Prinz Charles 1993 kündigte Harrys Mutter Diana an, ihre offiziellen Verpflichtungen zurückzufahren. Sie glaubte, damit das Königshaus zu treffen, doch tatsächlich brachte sie sich selbst in Schwierigkeiten. Nach ihrer Scheidung von Charles 1996 durfte sie sich nicht mehr als "königliche Hoheit" anreden lassen. Sie beendete ihr Engagement für 93 von 99 wohltätigen Einrichtungen, für die sie sich bis dahin eingesetzt hatte.

Auch wenn sie nicht mehr wirklich zum Königshaus dazu gehörte, sagte sich Diana aus Sorge um ihre Söhne nicht völlig los. Sie lebte weiter im Kensington-Palast, hatte aber keinen Personenschutz wie ein Royal. 1997 starb sie bei einer Verfolgungsjagd mit Paparazzi in Paris.

Prinz Edward

Als viertes und jüngstes Kind von Königin Elizabeth II. wusste Prinz Edward nicht viel mit sich anzufangen. Er begann, für ein Musicaltheater zu arbeiten. Später beteiligte er sich an künstlerisch anspruchsvollen, aber erfolglosen TV-Produktionen. Mit seiner Royals-Version der Slapstick-Fernsehshow "It's a Knockout" erlebte er nach landläufiger Meinung ein erniedrigendes Desaster.

Edward kehrte schließlich in den Schoß des britischen Königshauses zurück. Dort übernimmt er regelmäßig öffentliche Aufgaben und verhält sich ansonsten unauffällig.

Sophie, Gräfin von Wessex

Nach ihrer Hochzeit mit Prinz Edward 1999 betrieb Sophie von Wessex weiter ihre PR-Firma. 2001 berichtete allerdings die Zeitung "News of the World", dass sie sich gegenüber einem angeblichen potenziellen Geschäftspartner abfällig über Mitglieder des Königshauses und Politiker geäußert habe. Ihr wurde vorgeworfen, ihre Beziehungen zum Königshaus für geschäftliche Zwecke zu missbrauchen.

Daher zog sich Sophie 2002 aus dem Geschäftsleben zurück. Seitdem hat sich Edwards Frau zu einer der zuverlässigsten Royals entwickelt und tritt oft als Begleitung der Queen auf.

Sarah, Herzogin von York

Nach ihrer Scheidung vom zweitältesten Sohn der Queen, Prinz Andrew, im Jahr 1996 musste Sarah Ferguson sich selbst um Einkünfte bemühen. Sie war Werbebotschafterin für das Diät-Unternehmen Weight Watchers, schrieb Kinderbücher und trat im US-Fernsehen auf.

Dennoch hatte die Herzogin von York mit Schulden zu kämpfen. 2010 berichtete "News of the World", "Fergie" sei mit versteckter Kamera dabei gefilmt worden, wie sie einem als Geschäftsmann getarnten Journalisten für 500.000 Pfund Zugang zu ihrem Ex-Mann Prinz Andrew anbot.

Herzogin Sarah soll sich außerdem von dem US-Milliardär und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aus einer finanziellen Klemme geholfen haben lassen. Wegen seiner Kontakte zu dem mittlerweile in US-Haft gestorbenen Geschäftsmanns legte Andrew im November seine öffentlichen Aufgaben nieder.

Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie

Die Töchter von Andrew und Sarah sind die ranghöchsten Mitglieder der britischen Königsfamilie, die keine royalen Pflichten ausüben. Die 31-jährige Beatrice arbeitet in New York als Vize-Chefin für Strategie und Partnerschaften von Afiniti, einem Entwickler von Software für Künstliche Intelligenz.

Die 29-jährige Eugenie arbeitet in leitender Stellung bei der Londoner Kunstgalerie Hauser and Wirth. Interessenkonflikte werden den beiden Schwestern nicht vorgeworfen. Sollten Harry und Meghan ihre royalen Pflichten völlig abgeben, dürfte auf Harrys Cousinen der Druck wachsen, sich als Vertreter der jungen Generation bei den Royals zu engagieren. (afp)

Rubriklistenbild: © Steve Parsons/PA Wire/dpa

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