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Manche Wörter sterben einfach aus: Wenn Testbilder nicht mehr gibt, verabschiedet sich auch der Begriff.
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Manche Wörter sterben einfach aus: Wenn Testbilder nicht mehr gibt, verabschiedet sich auch der Begriff.

Was soll das?

Mega definitiv

  • VonEckart Roloff
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Warum plustern wir die Sprache so auf? Unsere Kolumne „Was soll das?“

Die Sache mit der Sprache, das ist so eine Sache. Immer gut für Aufreger und Urteile. Vielen passt das Denglisch mit Lockdown, shoppen, to go und No-Go samt Highlight nicht und ebenso wenig das Juristendeutsch. Und dann noch das Gendern! Dabei ist klar: Sprache lebt, schon immer. Es gibt Wörter, die sterben aus – siehe Butterberg, Piefke, Tankwart und Testbild. Denn wenn es Butterberge und Testbilder nicht mehr gibt, verabschieden sich auch deren Begriffe.

Auf der anderen Seite drängen sich Vokabeln nach vorn, die nicht ganz neu sind, aber ihre große Zeit erleben. Auf der Prioritätenliste steht gegenwärtig die Priorisierung. Dass das schwierig auszusprechen ist, macht gar nichts. Rangfolge, Vorrecht, Vorrang – das war einmal. Die Priorisierung wird priorisiert. Das klingt auch so schön gebildet. „So ein bisschen Bildung ziert den ganzen Menschen“, meinte schon Heinrich Heine.

Zu fragen ist, wie wir früher ohne Priorisierung, Priogruppen und – Vorsicht! – oberste Priorität ausgekommen sind. Doch da gibt es nun keine Option mehr – auch so ein Wort. Nicht Möglichkeit, nicht Wahl, nicht Weg, nein, keine Option. So plustern wir die Sprache auf, wirklich imposant.

Ähnlich ist es mit dem häufig zu hörenden Viersilber definitiv. Der wirkt so knackig. Weitaus besser als endgültig, garantiert, abschließend, sicher, gewiss, besser als besiegelt und bindend, als genau und unwiderruflich – dergleichen ist seit einer Weile definitiv entbehrlich.

Nicht entbehrlich zeigt sich mega. Das hat so einen klassisch-griechischen (siehe Heine) und doch modernen Anstrich. Also Schluss mit sehr, äußerst, beachtlich, außerordentlich, mit überaus, höchst und zutiefst, heftig und horrend, in hohem Maß, hervorragend, großartig, beträchtlich, brillant, volle Kanne und so. Das muss nicht sein. Heutzutage geht es doch darum, Ressourcen zu schonen, auch hier. Der Duden nennt übrigens 34 Synonyme für mega. Ganz schlimm, dieser Überfluss. Eine Ausnahme ist aber so was von zugelassen: total.

Bleiben wir beim Lateinischen und blicken auf den Fokus, die gute alte Feuerstätte. Es gab Zeiten, da rückte man etwas in den Mittelpunkt und ins Zentrum, sprach von Schwerpunkt und Brennpunkt oder konzentrierte sich auf etwas. Wer versteht so etwas noch? Heute wird fokussiert, dass es eine Freude ist. Und in Massen kommuniziert statt mitgeteilt.

Ähnlich ist es mit dem Narrativ. Wie konnten wir so lange ohne Narrative leben, vom lateinischen narrare für erzählen? So ist es auch bei Kombinationen mit Modus, ohne die geht ja nichts mehr. Krisenmodus, Spielmodus und anderes wird da gern vorgeschaltet. Im Trend liegen – wohlgemerkt an der Stelle – auch Hotspot, Turbo, temporär, lobbyieren und generieren, monetär, Transformation, performen, Diskurs und Hype. Das macht doch etwas her! Was für ein Hype!

Schließlich der Lieblingssatz deutscher Ordnungskräfte. So heißt es bei der Polizei nicht, „dazu können wir im Moment nichts sagen“, sondern: „Dazu kann zum derzeitigen Zeitpunkt keine Aussage getroffen werden.“ Dazu verkneifen wir uns definitiv jeden Kommentar.

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