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„Es ist ein Armutszeugnis“: Fieber-Medikamente für Kinder knapp

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Von: Patrick Huljina

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Viele Kinder sind derzeit krank, die Nachfrage nach Fieber-Medikamenten entsprechend hoch. Doch aufgrund von Lieferproblemen sind diese knapp.

Berlin - Die kalte Jahreszeit ist da. Das bedeutet nicht nur Winter-Wetter und Chaos auf den Straßen, sondern auch eine Krankheitswelle. Vor allem vier Viren prägen derzeit das Infektionsgeschehen in Deutschland: Grippeviren (Influenza), das Coronavirus, Rhinoviren sowie das RS-Virus. Letzteres betrifft insbesondere kleine Kinder – viele Kinderkliniken sind überlastet. Wegen Lieferproblemen kommt es zudem zu einer Knappheit von Kleinkind-Medikamenten wie Fiebersäften, wie merkur.de berichtet. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt:innen hat deshalb nun ein Einschreiten der Bundesregierung gefordert.

Lieferprobleme bei Fieber-Medikamenten: „Es ist ein Armutszeugnis“

„Wir erleben eine sehr hohe Nachfrage nach fiebersenkenden Medikamenten wie Ibuprofen oder Paracetamol, weil derzeit extrem viele Kinder erkrankt sind“, sagte Verbandspräsident Thomas Fischbach der Rheinischen Post. An Bayerns Schulen gibt es fast überall überdurchschnittlich hohe Krankenstände. „Es ist ein Armutszeugnis, dass so simple Medikamente wie ein Fiebersaft häufig nicht mehr verfügbar sind.“ Viele Eltern in den Praxen seien verzweifelt. Zahlreiche Apotheker:innen müssten unverschuldet den Ärger aushalten.

In Deutschland gebe es zu wenige Anbieter dieser Medikamente, kritisierte Fischbach. Durch die Festpreisregelung sei es zu einer Abwanderung der Produktion in Billiglohnländer wie China und Indien gekommen. „Dort gibt es nun Lieferkettenprobleme, was wiederum zu Lieferengpässen führt“, erklärte der Verbandspräsident. Auch bei manchen Medikamenten für Erwachsene hatte es zuletzt Lieferengpässe gegeben.

Mutter und krankes Kind mit Medikamenten.
Bei Fieber-Medikamenten für Kinder kommt es derzeit zu Lieferproblemen. (Symbolbild) © IMAGO/Ute Grabowsky

Medikamenten-Knappheit: Verband fordert Beschaffungsaktion

„Wir brauchen jetzt eine von der Politik angeschobene Beschaffungsaktion, um wie zu Beginn der Corona-Pandemie in einer Notlage schnell an Fiebersaft, bestimmte Antibiotika und andere selten gewordene Präparate für kleine Kinder zu kommen“, forderte Fischbach. Die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vorgestellten Pläne für Gesetzesänderungen kämen zu spät.

Die Bundesregierung will als Reaktion auf die Engpässe das Vergaberecht ändern. Ziel sei es, Lieferketten breiter anzulegen, damit die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern abnimmt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums Ende November. Die Situation sei trotz vorhandener Instrumente zu Ausweichpräparaten bei Engpässen unbefriedigend. Lauterbach hatte dem ARD-Hauptstadtstudio gesagt, die Krankenkassen sollten nicht länger gezwungen sein, Medikamente und Wirkstoffe dort einzukaufen, wo sie am billigsten sind.

Apotheker:innen fordern mehr Produktionskapazitäten in Europa und Zusatz-Honorar

Auch für die Apotheken sind die Engpässe ein großes Ärgernis. Sie müssen für Patient:innen Alternativen zu Medikamenten finden oder teilweise selbst herstellen – das ist aufwendig und teuer. „Für das Management der Lieferengpässe brauchen Apotheken dringend ein Honorar, um den hohen Zeit- und Personalaufwand stemmen zu können“, forderte deshalb die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Gabriele Regina Overwiening, in der Rheinischen Post. „Mittel- und langfristig brauchen wir in Europa wieder mehr Produktionskapazitäten für wichtige Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika.“ (ph/dpa)

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