Longtailboote zieren den Traumstrand auf Koh Phi Phi Leh.
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Longtailboote zieren den Traumstrand auf Koh Phi Phi Leh.

Thailand

Maya Beach soll zeitweise gesperrt werden

  • Willi Germund
    vonWilli Germund
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Die vielen Touristen am Maya Beach setzen den Korallenriffen zu. Nun soll Thailands Strandparadies zeitweise geschlossen werden.

Der 32-jährige Ann dreht den Gashebel des 2,8 Liter starken Dieselmotors am Heck seines Longtailboots zum Anschlag. Die Maschine, die er aus zweiter Hand bei einem Autohändler gekauft hat, röhrt mangels ordentlichem Auspuff mit ohrenbetäubendem Lärm los. Der Propeller an der zwei Meter langen Stange hinter dem Heck lässt das Meer schäumen. Der Bug hebt sich und kracht in stetem Rhythmus auf die Wellen.

Es ist acht Uhr morgens. Die Sonne scheint. die See ist glatt. Es sind ideale Voraussetzungen – die tägliche Invasion der Kalksteininsel Koh Phi Phi Leh rollt. Aus allen Himmelsrichtungen brausen Thailands traditionelle, hölzerne Longtailboote sowie Motoryachten mit gewaltigen Außenbordmotoren am Heck in Richtung des kleinen Eilands, das sich wie eine gewaltige Trutzburg über dem türkisfarbenen Meerwasser erhebt. Ihr Ziel ist Maya Beach, ein rund 800 Meter langer Traumstrand aus weißem Pulversand samt türkisfarbenem Wasser und umgeben von rund einhundert Meter hohen, steil abfallenden Felsen.

Leonardo DiCaprio machte Maya Beach mit dem Film „The Beach“ berühmt. Der Strand wurde seit den Dreharbeiten zum Opfer der weltweiten Reiselust, die DiCaprio auf der Leinwand infrage stellt: „Tausende fahren zum gleichen Ort und man muss sich fragen: Was soll das?“ Täglich besuchen etwa 4000 bis 5000 Menschen den Strand. Das sagt jedenfalls nach einigem Zögern der lokale Boss der Parkwächter von Thailands „Department of National Parks“ (DNP), das jedem ausländischen Besucher für ein Eintrittsticket die stolze Summe von rund 400 Baht (10 Euro) abknöpft.

Nimmt man die Zahl 5000 Besucher für bare Münze, summieren sich die Eintrittsgebühren der Besucher am Maya-Strand auf rund 20 Millionen Euro jährlich – ein Goldregen für die Nationalparkverwaltung, die sowohl während der augenblicklich herrschenden Diktatur in Thailand wie auch unter demokratisch gewählten Regierungen chronisch knapp bei Kasse gehalten wird.

Doch jetzt soll der Paradiesstrand von Maya Beach in der Nebensaison zwischen Juni und September geschlossen werden. Der Grund: Die Korallen, die dank Meereserwärmung infolge des Klimawandels in ganz Südostasien von der gefürchteten Korallenbleiche befallen sind, sollen sich während der drei Monate von den Schäden erholen, die Touristen und Boote im Rest des Jahres verursachen.

Viele der in diesem Jahr erwarteten 37 Millionen Touristen in Thailand – mehr als die Hälfte der Einwohner des Königreichs – spazieren bei Meeresausflügen in Gummischuhen über die Korallen, als ob sie in Einkaufszentren unterwegs seien. Die Behörden sperren einen Teil der Riffe jedes Jahr während der Nebensaison für Besucher – mit ziemlich mäßigem Erfolg. 77 Prozent von Thailands Korallenriffen seien schwer beschädigt, sagte Thon Thamrongnawasawat, Meeresökologe an der Kasetsart-Universität in Bangkok, am Montag. Vor zehn Jahren seien nur 30 Prozent von Thailands 238,4 Quadratkilometer großer Korallenwelt betroffen gewesen.

2018 soll nun erstmals auch Maya-Beach blockiert werden. Doch Rob, ein Reiseführer, der sich auf Maya-Beach gerade im Schatten ausruht, ist gelassen: „Bisher haben wir aus Bangkok nichts Offizielles gehört.“ Dabei glauben auch Thailänder wie Bootsfahrer Ann, die mit der Touristenschwemme auf Maya-Beach ihren Lebensunterhalt verdienen, dass etwas geschehen muss. „Manchmal haben wir Probleme, unsere Boote an den Strand zu bringen, weil schon so viele andere da sind“, sagt er. Vor zehn Jahren investierte Ann etwa 3700 Euro für den Kauf seines Bootes, mit dem er so oft wie möglich Touristen nach Maya Beach bringt. „Viele werfen dann einfach ihren Anker ins Meer und zerstören die Korallen.“

Er brüllt bei der Ankunft ein hellhäutiges Pärchen an, dass mit Selfie-Stick und Mobiltelefon in den Landebereich der Boote gepaddelt ist. Vom Strand wehen russische Wortfetzen herüber. Chinesische Urlauber, die die Sonne so scheuen wie der leibhaftige Teufel das Weihwasser, wandeln in atemberaubenden Verkleidungen über den schneeweißen Pulversand und schießen Fotos der dürftig bekleideten westlichen Touristinnen in G-String-Bikini und ihrer männlichen Kollegen in Tongs.

„Wunderbar, so wunderbar“, entfährt es dem Argentinier Hernan auf die Frage, wie ihm Maya Beach gefällt. Er sucht gerade mit seiner Frau Graziella im Schatten einiger Büsche Schutz vor der gleißenden Sonne. 30 Stunden ist das Ehepaar von Buenos Aires nach Bangkok geflogen. Am Ende einer 25-tägigen Tour durch Südostasien verbringen die beiden nun die letzten Urlaubstage auf der nahegelegenen Ferieninsel Phi Phi, auf der nur noch die halbfertige Bauruine eines Museums an den Tsunami des Jahres 2004 erinnert.

Marcella und Hernan sind am ersten Tag ihres Aufenthalts nach Maya Beach getuckert und bereuen es nicht: „Es ist wunderbar hier. Es gibt zwar sehr viele Leute, aber so schön hätten wir uns das nicht vorgestellt“, sagt die Ehefrau. Und schließlich gibt es trotz Schwemme einen kleinen Ort mit unbeflecktem und unberührtem Sand unter einem Felsüberhang. Vielleicht hält ja das „Rauchen Verboten“-Schild die Touristen fern.

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