Großes Medieninteresse: Kameras stehen vor dem Haupteingang des Metropolitan Detention Center in New York
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Großes Medieninteresse: Kameras stehen vor dem Haupteingang des Metropolitan Detention Center in New York.

Prozess

Maxwell plädiert auf „nicht schuldig“

Sie soll Jeffrey Epstein junge Frauen zum Missbrauch besorgt und sie teilweise auch selbst zu sexuellen Handlungen gezwungen haben – nun wies die ehemalige Partnerin des Unternehmers die Vorwürfe zurück.

Im Skandal um den wegen Sexualverbrechen verurteilten und inzwischen gestorbenen Unternehmer Jeffrey Epstein hat dessen Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell vor Gericht eine Beihilfe abgestritten. Sie plädierte bei der rund zweistündigen Anhörung am Dienstag in New York per Video auf „nicht schuldig“.

Maxwell werden sechs Anklagepunkte vorgeworfen, darunter Verführung Minderjähriger zu illegalen Sexhandlungen und Meineid. Richterin Alison Nathan lehnte eine Freilassung Maxwells auf Kaution ab und nannte den 12. Juli 2021 als Datum für einen möglichen Prozessbeginn.

Maxwells Anwälte hatten im Vorfeld um eine Freilassung ihrer Mandantin gegen eine Kaution von fünf Millionen Dollar gebeten, weil ihrer Darstellung nach kein Fluchtrisiko bestehe. Die Staatsanwaltschaft sah das anders. Mit drei Pässen und zahlreichen Bankkonten in unterschiedlichen Ländern bestehe großes Fluchtrisiko, hieß es. Beide Seiten legten ihre Sichtweisen bei der Anhörung am Dienstagnachmittag dar.

Ghislaine Maxwell zeigte bei der Anhörung, die aufgrund der Einschränkungen in der Coronavirus-Pandemie per Videoschalte stattfand, nur sehr wenige Reaktionen. Auch zwei Frauen, die ihr Beihilfe bei Epsteins Machenschaften vorwerfen, meldeten sich zu Wort. Eine las ihre Wortmeldung selbst vor, die zweite wurde von der Staatsanwaltschaft vorgetragen.

Beide Frauen baten darum, Maxwell vor Prozessbeginn nicht auf Kaution freizulassen. Die 58-jährige, die Anfang Juli um US-Bundesstaat New Hampshire festgenommen worden war und inzwischen in einem Gefängnis im New Yorker Stadtteil Brooklyn festgehalten wird, soll bei den Sexualverbrechen Epsteins eine maßgebliche Rolle gespielt haben.

Auf die ihr vorgeworfenen Anklagepunkte, die sich auf die Jahre 1994 bis 1997 beziehen, stehen Höchststrafen von bis zu zehn Jahren Haft. Der Missbrauch von Frauen und Mädchen habe hauptsächlich in Epsteins Anwesen in New York, Palm Beach und Santa Fe sowie in Maxwells Wohnsitz in London stattgefunden.

Maxwell gehörte nach Angaben der Staatsanwaltschaft zu Epsteins „engsten Verbündeten“. Der einschlägig vorbestrafte amerikanische Geschäftsmann soll Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. 2008 war er in dieser Sache schon einmal einem Bundesverfahren entgangen, indem er eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft einging.

Epstein bekannte sich damals teilweise schuldig und bekam eine milde Haftstrafe. Im vergangenen Sommer wurde er in New York erneut angeklagt und nahm sich kurz darauf in einer New Yorker Gefängniszelle das Leben.

Maxwells Anwälte versuchten im Vorfeld, ihre Mandantin von Epstein zu distanzieren. Die beiden hätten vor seinem Tod mehr als zehn Jahre lang keinen Kontakt mehr gehabt, teilten sie in einem Dokument mit. „Ghislaine Maxwell ist nicht Jeffrey Epstein.“

Maxwell habe die Vorwürfe gegen sich immer zurückgewiesen. Sie habe auch nicht deswegen in den vergangenen Monaten so zurückgezogen gelebt, um der Strafverfolgung zu entgehen, sondern der „unerbittlichen und aufdringlichen Medienberichterstattung“.

Die Staatsanwaltschaft erwiderte, dass sie sich ihrer Festnahme allerdings zunächst widersetzt, sich in ein Zimmer ihres Anwesens zurückgezogen und die Tür abgeschlossen habe. FBI-Agenten mussten die Tür eintreten, um sie festzunehmen.

Ghislaine Maxwell stammt aus Großbritannien und ist Tochter des Medienzaren Robert Maxwell und der Holocaust-Forscherin Elisabeth Meynard. Geboren in Frankreich und aufgewachsen in der Nähe des englischen Oxford siedelte sie nach dem Tod ihres Vaters in die USA über, wo sie Epstein auf einer Party kennenlernte.

Anfangs waren sie für einige Jahre ein Paar, später sprach er von seiner „besten Freundin“. Auch der britische Prinz Andrew, der jahrelang mit Maxwell und Epstein befreundet war, soll in den Fall verwickelt sein. Der 60-Jährige bestreitet die Vorwürfe. US-Ermittlerinnen und -Ermittler werfen ihm aber vor, nicht zu kooperieren.

Gleichzeitig mit der Anhörung im Fall Epstein gab es eine weitere Entscheidung im Fall eines prominenten Sexualstraftäters: Ein New Yorker Richter verhinderte einen Vergleich zwischen dem verurteilten Vergewaltiger und früheren Hollywood-Moguls Harvey Weinstein und einigen Klägerinnen. Das Gericht bewilligte eine Vereinbarung über 19 Millionen Dollar nicht. (Christina Horsten, dpa)

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