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Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke steht bei einer Internetübertragung vom Gottesdienst am Palmsonntag in der St.-Aegidien-Kirche hinter dem Altar. 

Online-Gottesdienste

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Hamburger stellt Suchmaschine für Online-Gottesdienste vor.

Zu Notzeiten zieht es traditionell viele Menschen in Kirchen. Und zu Ostern sowieso. Insofern wären die Gotteshäuser gerade doppelt gefragt, müssen aber geschlossen bleiben, um das Coronavirus nicht weiter zu verbreiten. Das hat den Hamburger Jungunternehmer und gebürtigen Briten Trevor Evans auf die Idee gebracht, die seines Wissens weltweit erste Suchmaschine für virtuelle Gottesdienste zu bauen, um Gläubigen wenigstens auf diese Weise kostenlos zu Zuspruch zu verhelfen.

„Unser Service ist eine Hilfestellung für alle, die trotz der momentanen Herausforderungen nicht auf ihren Glauben verzichten wollen oder im Gegenteil speziell jetzt daran festhalten“, erklärt der Brite. Vehikel dafür ist sein Hamburger Startup-Unternehmen Stream Time, das er eigentlich als Suchmaschine für Sportveranstaltungen gegründet hatte.

Die gibt es derzeit aber auch nicht, weshalb Stream Time nun beten statt kicken im Programm hat. Die Idee zu diesem Seitenwechsel ist dem 34-jährigen Gründer durch seine Großmutter gekommen, die regelmäßig in die Kirche geht, was ihr nun wegen der Pandemie nicht mehr möglich ist. Binnen einer Woche wurde Stream Time umprogrammiert.

Nun spuckt die Suchmaschine Links zu Gottesdiensten statt Fußballspielen oder Tennismatches aus. Das könnte bei Gläubigen einen Nerv treffen. In München und Berlin klagen Rechtsanwältinnen und -anwälte sowie Kirchengemeinden gerade vor Verwaltungsgerichten auf das Recht, auch in Coronazeiten Gottesdienste besuchen zu dürfen.

Werbe- und kostenfrei

Evans sieht Millionen potentielle Nutzerinnen und Nutzer für seine Gottesdienst-Suchmaschine. Die ist zwar englischsprachig, sei aber dennoch leicht zu bedienen, um es auch älteren Menschen zu ermöglichen, virtuell Gottesdienste ihrer Wahl zu finden, verspricht der Hamburger Unternehmer. Demnächst sollen die Seiten und das Menü mehrsprachig werden.

Der nach dem Aussetzen von Sportveranstaltungen verbliebene kommerzielle Teil von Stream Time sind Gaming-Angebote. Wer auf der Startseite den Button Digital Church anklickt, landet beim werbe- wie kostenfreien und vorwiegend deutschsprachigen Gottesdienst-Angebot. Dort können Gläubige dann dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke beim Predigen zuhören oder dem täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom lauschen.

Man kann auch virtuell dem Vatikan folgen oder Ostermessen suchen und sich vormerken. Die Suchfunktion funktioniert auch auf Deutsch. Stream Time bietet aktuell rund 2000 ausgewählte Live-Streams diverser Kirchen und Glaubensgemeinschaften, sagen die Macher. Der Umfang werde ständig erweitert. Kirchen, die ihre Messen virtuell anbieten wollen, müssen sich anders als Nutzerinnen und Nutzer bei Stream Time anmelden.

Auf diese Weise will man verhindern, dass extremistische Inhalte auftauchen oder Weltuntergangspropheten, die gerade jetzt im Internet aktiv sind, ihre Botschaften unter das Volk bringen. In seiner britischen Heimat und den USA seien digitale Gottesdienste schon vor Corona weit verbreitet gewesen, sagt Evans. In schweren Zeiten wie jetzt, wo Glaube eine größere Rolle als normalerweise spielt, werden sie vielleicht auch in Deutschland populärer.

„Wir haben unsere Gottesdienstsuche nicht ins Leben gerufen, um Umsätze durch Werbung zu generieren“, betont der Firmengründer. Ein frommer Wunsch dürfte dagegen sein, dass so manch Gläubiger auch Sportfan ist und der nach dem Ende der Pandemie dann bei Stream Time als Suchmaschine für Sportveranstaltungen hängen bleibt.

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