Meidet weiterhin die Öffentlichkeit: Prinz Andrew – in einer Aufnahme vom September 2019.
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Meidet weiterhin die Öffentlichkeit: Prinz Andrew – in einer Aufnahme vom September 2019.

Prinz Andrew

„Mauer des Schweigens“

Lange war es ruhig – nun scheinen die US-Ermittler den Druck auf Prinz Andrew zu erhöhen. Zur Rolle des britischen Royals im Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein sind viele Fragen offen.

Die Anwälte des britischen Prinzen Andrew (60) haben sich am Montag über Vorwürfe aus den USA beschwert, der Royal sei nicht kooperativ bei der Aufklärung des Epstein-Missbrauchsskandals. Zuvor hatte es Berichte über ein Rechtshilfeersuchen des US-Justizministeriums gegeben, um den zweitältesten Sohn von Queen Elizabeth II. (94) in der Angelegenheit befragen zu lassen.

Der New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman wies die Vorwürfe der Anwälte zurück. Prinz Andrew versuche sich erneut fälschlicherweise als kooperativ darzustellen, hieß es in einer Mitteilung. Dabei habe er bislang nicht ausgesagt, Bitten um eine Befragung immer wieder abgelehnt und vor rund vier Monaten über dieselben Anwälte ausrichten lassen, dass er für eine Befragung auf keinen Fall zur Verfügung stehe. „Wenn Prinz Andrew wirklich ernsthaft an einer Kooperation mit der laufenden Ermittlung interessiert ist, dann stehen unsere Türen offen, und wir erwarten eine Mitteilung darüber, wann wir ihn erwarten dürfen.“

Andrew steht seit Monaten wegen seiner Freundschaft zu dem inzwischen gestorbenen Multimillionär Jeffrey Epstein in der Kritik. Der US-Geschäftsmann soll über Jahre hinweg Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Er nahm sich im vergangenen Sommer in einer New Yorker Gefängniszelle das Leben.

Andrew war mehrfach Übernachtungsgast bei Epstein in dessen Anwesen in den USA und der Karibik. Von den Machenschaften seines Freundes will er nichts mitbekommen haben. Eines der Opfer, Virginia Giuffre, wirft dem Prinzen aber vor, er selbst habe sie mehrfach missbraucht. Andrew bestreitet das. Er sagte aber zu, allen zuständigen Ermittlungsbehörden helfen zu wollen.

Der zuständige US-Staatsanwalt Berman hatte dem Prinzen bereits Ende Januar bei einer Pressekonferenz vorgeworfen, „null Kooperation“ zu zeigen und eine „Mauer des Schweigens“ aufzubauen. Anfang März wiederholte er die Kritik. Andrew habe „die Tür zu einer freiwilligen Kooperation vollständig geschlossen“, so Berman. Diese Darstellung wiesen Andrews Anwälte nun als „falsch“ zurück. In dem ungewöhnlich scharf formulierten Schreiben warfen sie den Ermittlern in den USA stattdessen vor, Absprachen über Vertraulichkeit gebrochen zu haben.

Der Prinz habe dem US-Justizministerium mindestens drei Mal in diesem Jahr seine Unterstützung als Zeuge angeboten, hieß es in der Mitteilung. Zudem sei ihnen von den US-Behörden versichert worden, dass der Royal nie das Ziel der Ermittlungen gewesen sei, sondern auf freiwilliger Basis mithelfen solle. „Jeglicher Versuch, ein Rechtshilfeersuchen zu stellen, wäre enttäuschend“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Opfer-Anwältin Gloria Allred hat derweil den britischen Prinzen aufgefordert, unter Eid „einfach nur die Wahrheit zu sagen“. Der 60-Jährige sei derzeit kaum glaubwürdig, sagte Allred am Dienstag dem Sender BBC. Sie vertritt einige Frauen im Skandal um Jeffrey Epstein. „Die Opfer haben ein Recht auf die Wahrheit. Dies alles ist sehr schmerzhaft für sie“, sagte Allred.

Andrew hat sich seit einem missglückten Interview im vergangenen November, mit dem er eigentlich seinen Ruf wiederherstellen wollte, von seinen Aufgaben als Mitglied der britischen Königsfamilie zurückgezogen. Seitdem zeigte er sich nur noch selten in der Öffentlichkeit. (Christoph Meyer/ dpa)

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