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US-Forscher warnen im Hinblick auf eine mögliche Grippepandemie vor der Massentierhaltung.

US-Studie

Massentierhaltung als Pandemie-Risiko

US-Forscher warnen im Hinblick auf eine mögliche Grippepandemie vor der Massentierhaltung. Einem Medienbericht zufolge stehen die größten Schweine- und Geflügelanlagen Europas in Deutschland.

Mainz. US-Forscher haben nach einem Bericht des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" im Hinblick auf eine mögliche Grippepandemie vor der Massentierhaltung gewarnt. Nach einer Studie zur Rolle der Massentierhaltung bei der Verbreitung von Infektionskrankheiten hätten Experten der US-Gesundheitsinstitute (NIH) bereits 2006 vor Mutationen gewarnt, die die nächste Pandemie auslösen könnten, berichtete das Magazin am Montagabend.

Die Studie habe insbesondere auf die Gefahr einer Vermischung von Schweine- und Vogelgrippeviren hingewiesen, wie sie bei dem jetzigen Erreger der Schweinegrippe beobachtet werde. Die aktuelle Schweinegrippe war allerdings bei Schweinen zunächst gar nicht entdeckt worden. Erst am vergangenen Wochenende hatte die kanadische Lebensmittelbehörde CFIA das Virus weltweit erstmals in Schweinen nachgewiesen. Mit hoher Sicherheit habe ein Mexiko-Reisender nach seiner Rückkehr die Tiere infiziert, hieß es.

Weil bei der Massentierhaltung oft eine große Zahl von Tieren auf engem Raum konzentriert werde, fördere sie die schnelle Übertragung und Vermischung von Viren, zitierte das Magazin aus der US-Studie. "Es besteht die Sorge, dass eine Erhöhung der Zahl von Schweineanlagen in der Nachbarschaft zu Geflügelanlagen die Entwicklung der nächsten Pandemie weiter vorantreiben könnte", heiße es.

Auch andere US-Forscher sehen laut "Report Mainz" einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung pandemisch auftretender Viren und der Massentierhaltung. Eine Pandemie ist eine Epidemie, die sich über Länder und Kontinente hinweg ausbreitet.

Deutschland hat größte Massentierhaltungsbetriebe Europas

Der von "Report Mainz" befragte US-Biologe Robert G. Wallace glaubt ebenfalls an eine Verbindung von Viren und Massentierhaltung. "Diese ‚Schweine- und Geflügelstätten’ sind das, was man als genetische Monokulturen bezeichnet. Das heißt, wenn eine Influenza in solch eine Monokultur hineinkommt, gibt es keinen immunologischen Schutzwall, der sie an der Ausbreitung hindert", sagte er dem Magazin.

"Es ist nicht H1N1, über das wir uns Sorgen machen müssen, es ist der Prozess, in dem sich weniger ansteckende Grippeviren zu hochansteckenden entwickeln. Und dieser Prozess wird im wesentlichen vorangetrieben, indem man Hunderttausende Hühner oder Schweine zusammenpfercht."

Die größten Schweine- und Geflügelanlagen Europas stünden in Deutschland, so "Report Mainz". Der Trend zur Massentierhaltung sei ungebrochen. In Mecklenburg-Vorpommern befinde sich eine Mastanlage für 62.000 Schweine nur wenige hundert Meter entfernt von einem gigantischen Geflügelhaltungsbetrieb für Hunderttausende Tiere. Deshalb sei es an der Zeit, die Diskussion über Pandemierisiken im Zusammenhang mit Massentierhaltung auch in Deutschland zu führen. (dpa/fr)

Report Mainz: Züchten wir vor der Haustür die nächste Pandemie?(Video zum Ansehen, 4. Mai 2009)

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