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Nigerianer auf offener Straße totgeprügelt – „Unerhörte Grausamkeit“

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Von: Sandra Kathe

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Am hellichten Tag auf einer belebten Einkaufsstraße in einer italienischen Küstenstadt hat ein 32-Jähriger einen 39-jährigen Nigerianer zu Tode geprügelt.
Am hellichten Tag auf einer belebten Einkaufsstraße in einer italienischen Küstenstadt hat ein 32-Jähriger einen 39-jährigen Nigerianer zu Tode geprügelt. © Screenshot/Agenzia Vista/Youtube

In Italien wird ein schwarzer Straßenverkäufer von einem Italiener totgeprügelt. Die Polizei ermittelt.

Update vom Sonntag, 31. Juli, 06.45 Uhr: Nachdem ein nigerianischer Straßenverkäufer am Freitag im italienischen Civitanova Marche totgeprügelt wurde, häufen sich die Reaktionen. Enrico Letta, ehemaliger Ministerpräsident und Chef der linken demokratischen Partei, bezeichnete die Tat als „unerhörte Grausamkeit“. „Es kann keine Rechtfertigung geben“, so Letta. Auch aus dem rechten Lager gab es Reaktionen. So zeigte sich beispielsweise Matteo Salvini, föderaler Parteisekretär der rechten Partei Lega, empört: „Sicherheit hat keine Farbe und [...] muss wieder ein Recht sein.“ Der Bürgermeister von Civitanova Marche, Fabrizio Ciarapica, traf sich am Samstag mit Mitgliedern der nigerianischen Gemeinde vor Ort, nachdem Hunderte demonstriert hatten. „Ich verurteile nicht nur das [Verbrechen, Anm. d. Red.], sondern auch die Gleichgültigkeit“, sagte Ciarapica gegenüber Sky. „Das ist etwas, das die Bürger schockiert hat.“

Die Ermittlungen der Polizei laufen. Erste Details wurden jedoch bereits bekannt. „Der Angreifer ging auf das Opfer los und schlug es zunächst mit einer Krücke. Er brachte ihn dazu, zu Boden zu fallen, dann beendete er die Tat, indem er wiederholt mit seinen bloßen Händen zuschlug“, sagte der Ermittler Matteo Luconi auf einer Pressekonferenz. Später erklärte er dem italienischen Nachrichtensender Sky TG24, dass Schaulustige die Polizei riefen, die reagierten, nachdem der Verdächtige geflohen war und versuchten, dem Opfer zu helfen. Eine Autopsie soll nun klären, ob der Tod durch Schläge, Ersticken oder eine andere Ursache herbeigeführt wurde. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Der 32-jährige Täter wurde festgenommen. Er wird des Mordes und Diebstahls verdächtigt, da er das Telefon des Opfers gestohlen haben soll. Laut Angaben von Luconi schlug der Angreifer zu, nachdem der Verkäufer „beharrlich“ nach Kleingeld verlangt hatte. Die Polizei befragte Zeugen und sichtete Videos von dem Angriff. Der Verdächtige habe sich nicht geäußert, hieß es.

Italien: Nigerianer auf offener Straße erschlagen – Entsetzen über Bluttat und filmende Passant:innen

Erstmeldung vom Samstag, 30. Juli, 20.00 Uhr: Civitanova Marche – Auf einer Einkaufstraße der italienischen Adriastadt Civitanova Marche hat ein 32-jähriger Italiener am Freitagnachmittag (29. Juli) auf offener Straße einen nigerianischen Straßenhändler angegriffen und zu Tode geprügelt. Das berichtet unter anderem die Deutsche Presse-Agentur. Was besonderes Bestürzen auslöst: Obwohl zahlreiche Menschen die Tat auf einer belebten Einkaufsstraße beobachteten und teils sogar filmten, griff niemand ein.

In einem Video der Tat, das im Internet kursiert, sei lediglich zu hören, wie Menschen den Angreifer auffordern, von seinem Opfer abzulassen. Andere rufen, man solle die Polizei holen. Beamten der italienischen Polizei konnten den 32-Jährigen noch am Tatort festnehmen, für sein 39 Jahre altes Opfer kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Erschreckende Straftat in Italien: Polizei sieht keine rassistischen Hintergründe

Wie die italienische Polizei berichtet, habe der Angreifer sein Opfer zunächst verfolgt, mit dessen Krücke zu Fall gebracht und mehrmals auf den am Boden liegenden Mann eingeschlagen. Anschließend habe er das Handy des Mannes mitgenommen, weswegen die Polizei dem Mann nun neben vorsätzlicher Tötung auch Raub vorwirft.

Während ein Passant im italienischen Fernsehen sagte, der Mann sei nur wegen seiner Hautfarbe getötet worden, betonte die Polizei, dass es aus Behördensicht „keine Anzeichen“ für eine rassistische Tat gebe. Als Auslöser des Verbrechens vermuteten die Ermittler eine übertriebene Reaktion des mutmaßlichen Täters, als das Opfer nach Geld fragte. Der Mann war laut Medienberichten ein bekannter Straßenhändler in der Gegend.

Bluttat auf offener Straße: Berühmter Autor verurteilt Passant:innen-Verhalten

Der Regionalpräsident der Region Marken, wo Civitanova Marche liegt, sprach auf Facebook von „wahnsinniger und beispielloser Gewalt“. Die Region will ihm zufolge in einem möglichen Gerichtsprozess als Zivilpartei auftreten.

Auch der Schriftsteller und Investigativjournalist Roberto Saviano meldete sich über das soziale Netzwerk zu Wort und bezeichnete vor allem die Reaktion der Augenzeug:innen als „inakzeptabel“: „A. O., 39, wurde vor Wut von F. F., 32, brutal ermordet. ... Die sozialen Medien haben uns von Grund auf verändert. Es wirkt, als schienen Dinge für einige, vielleicht zu viele, nur dann real, wenn sie es mit einem Telefon filmen, und dies scheint der ultimative Eingriff in die Dinge zu sein, die sie haben können.“ (ska/dpa)

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