Wegen einer Ausgangssperre dürfen viele Menschen in Hangzhou ihre Häuser nicht verlassen.
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Wegen einer Ausgangssperre dürfen viele Menschen in Hangzhou ihre Häuser nicht verlassen.

China

Marathon im Wohnzimmer

  • Jakob Maurer
    vonJakob Maurer
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Ein Läufer lässt sich von der Corona-Quarantäne nicht bremsen.

Das Coronavirus lähmt China. Die Wirtschaft stagniert, Metropolen verwandeln sich in Geisterstädte. Die chinesische Regierung setzt im Kampf gegen die Epidemie auf Massen-Quarantäne: Nicht nur die elf Millionen Bewohner der Stadt Wuhan, in der die Infektionskrankheit mutmaßlich ausbrach, leiden darunter. Die Kontrollen und Isolierungsmaßnahmen werden auch auf andere Provinzen und Städte ausgeweitet. Betroffen ist auch Hangzhou, eine Stadt südlich von Schanghai mit Sitz des Online-Konzerns Alibaba.

Dort wollte sich ein chinesischer Marathonläufer nun jedoch nicht mehr länger vom Coronavirus und der Ausgangssperre bremsen lassen und rannte 50 Kilometer – in seiner eigenen Wohnung. Pan Shancu stellte dafür zwei große Tische in einem Zimmer aneinander und lief nach eigenen Angaben die acht Meter „lange“ Runde mehr als 6000 Mal. Das berichtet der „Guardian“ und bezieht sich auf einen Internet-Post des Läufers.

Drei Sekunden pro Runde

„Ich war viele Tage nicht mehr draußen, heute kann ich es nicht mehr ertragen, nur herumzusitzen!“, schrieb Pan Shancu demnach vergangene Woche als Reaktion auf das Coronavirus beim chinesischen Internet-Dienst Weibo, einer Art Twitter-Klon. Dazu postete er ein Video aus seiner Wohnung, das ihn beim 50-Kilometer-Lauf zeigt, und Screenshots von einer Tracking-App als Beweis für seine Leistung.

Für diese neue Form des minimalistischen Extremsports benötigte Pan Shancu fast fünf Stunden – vier Stunden, 48 Minuten und 44 Sekunden. Pro „Runde“ benötigte er umgerechnet also weniger als drei Sekunden. Er sei völlig durchgeschwitzt gewesen, schreibt er auf Weibo und weiter: „Das fühlt sich großartig an!“

Der Chinese machte bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus und seinem Quarantänen-Ultralauf mit einer extremen Aktion auf sich aufmerksam: Zum chinesischen Neujahrsfest Anfang 2018, zwei Jahre vor dem Ausbruch der Infektionskrankheit in Wuhan, lief er 211 Kilometer durch Ost-China in seine Heimatstadt. Umgerechnet sind das mehr als fünf Marathonläufe nacheinander.

Für die Strecke von Hangzhou, wo er jetzt unter Quarantäne steht und eine Massagepraxis betreibt, nach Tiantai benötigte der damals 42-Jährige 27 Stunden. „Laufen macht mehr Spaß als mit dem Auto oder mit dem Bus zu fahren. Man kann die Landschaft auf dem Weg mehr genießen“, sagte er damals der „South China Morning Post“ zufolge.  

Coronavirus-Meldungen

Der politische Chef der Provinz Hubei ist abgesetzt worden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag meldete. Der Sekretär der Kommunistischen Partei für Hubei, Jiang Chaoliang, wurde durch den bisherigen Bürgermeister von Shanghai, Ying Yong, ersetzt. Hubei ist von der Epedemie besonders hart betroffen.

In Festlandchina sind nun insgesamt 1355 Menschen gestorben. Die Zahl der Krankheitsfälle auf dem chinesischen Festland stieg auf fast 60.000.

Zwei Großveranstaltungen sind wegen der Ausbreitung von Covid-19, wie die Krankheit nun heißt, abgesagt worden: In Barcelona wird die Mobilfunkmesse nicht stattfinden. Die Formel 1 will wegen des Virus Sars-CoV-2 keinen Halt in Shanghai machen.

Nach zehntägiger Irrfahrt soll das US-Kreuzfahrtschiff „Westerdam“ am Freitag im Hafen der südkambodschanischen Stadt Sihanoukville vor Anker gehen. Laut der Reederei Holland America Line gibt es keine bestätigten Virusfälle an Bord. (afp)

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