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Manitobas vergewaltigende Mennoniten

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Von: Wolfgang Kunath

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In der Mennoniten-Kolonie Manitoba in Bolivien werden acht Männer verhaftet, die bis zu einhundert Frauen in ihrer Gemeinde vergewaltigt haben sollen.
In der Mennoniten-Kolonie Manitoba in Bolivien werden acht Männer verhaftet, die bis zu einhundert Frauen in ihrer Gemeinde vergewaltigt haben sollen. © wikipedia/fr

In Bolivien sind acht Männer einer strenggläubigen Mennoniten-Gemeinschaft in Haft. Sie sollen bis zu 100 Mädchen und Frauen der eigenen Gemeinde vergewaltigt haben. Von Wolfgang Kunath

Rio de Janeiro. In den vergangenen zwei Jahren habe eine Gruppe von acht Männern einer strenggläubigen Mennoniten-Gemeinschaft bis zu hundert Frauen vergewaltigt, sagte Staatsanwalt Freddy Pérez der Presse. Schauplatz war die Mennoniten-Kolonie Manitoba, rund 150 Kilometer nordöstlich von Santa Cruz im bolivianischen Tiefland. Sieben der Männer hätten von dem achten Verhafteten ein Betäubungsspray für 50 Dollar bezogen, mit dem die Bande zunächst die Hunde ihrer Nachbarn einschläferte. Dann sprühten sie das Betäubungsmittel in die Schlafzimmer.

Die Opfer, zwischen 11 und 60 Jahren alt, beschuldigten mitunter ihre Ehemänner, wenn sie am Morgen nackt erwachten und offenbar Sex gehabt hatten, doch die hatten ebenso betäubt daneben gelegen. Der Skandal flog auf, als der Vater eines der Bandenmitglieder seinen Sohn heimlich zu überwachen begann. Die Mennoniten in Manitoba sind Bauern und stehen mit den Hühnern auf, und der Vater hatte sich gewundert, weil sein 24-jähriger plötzlich bis neun Uhr morgens schlief.

José Gutierrez, der Anwalt der Beschuldigten, bezeichnete seine Klienten als unschuldig; sie seien von ihren Glaubensgenossen unter Elektroschock-Folter zum Geständnis gezwungen worden. Dem Staatsanwalt zufolge wurden die acht tatsächlich zunächst in einem Container tagelang gefangen gehalten und von ihren eigenen Oberen verhört, die sie erst danach der bolivianischen Justiz übergaben.

Die Ermittler stießen auf beträchtliche Schwierigkeiten: Die meisten Mennoniten sprechen kein Spanisch, sondern ausschließlich ein archaisch klingendes Friesisch. Auch die Opfer äußerten sich kaum, teils aus Scham, teils aus sprachlichen Gründen, und verweigerten sich medizinischen Untersuchungen. Bei einer ersten Anhörung traten drei männliche Vertreter aus Manitoba in ihrem Namen auf.

In selbstständigen Gemeinden bestimmen Ältestenräte

Die mennonitische Glaubensgemeinschaft geht auf den friesischen Prediger Menno Simons zurück, der im Taufstreit 1524 für die Mündigen-, also die Erwachsenentaufe eintrat. Die Vorfahren der heute in Bolivien ansässigen, rund 50.000 Mennoniten emigrierten nach Russland, dann nach Kanada, später nach Mexiko, und nach Bolivien kamen sie erst vor vier, fünf Jahrzehnten.

Eine zentrale Kirchenleitung der Mennoniten entstand nie, in den selbstständigen Gemeinden bestimmen Ältestenräte. So kommt es, dass etwa die Mennoniten in Paraguay weltoffene Unternehmer sind, während sich die meisten ihrer bolivianischen Glaubensbrüder in einer düster-frommen Parallelwelt eingerichtet haben, die von Tabu und Strafe regiert wird.

Beide Geschlechter müssen jungfräulich in den Stand der Ehe treten, Prüderie und Sinnenfeindlichkeit herrschen vor, selbst sakrale Musik ist tabu. Inhaltlich absurde Verbote grenzen die Gemeinde gegen den Rest der Welt und auch gegen anderen Mennoniten-Kolonien ab, etwa das Verbot von Gummireifen an ziehenden Maschinen wie Traktoren, während Reifen an gezogenen Fahrzeugen erlaubt sind.

"Ich würde nicht so leben wollen wie sie", sagt Hans Schroeder, ein deutsch-kanadischer Mennonit, der seine Glaubensbrüder in Bolivien beraten und betreut hat. Ihre Anbau-Technik sei unflexibel und rückständig - Bewässerung und künstliche Düngung lehnen sie ab -, der Nachwuchs werde von ihnen selber unterrichtet, wobei kaum andere Bücher als die Bibel gelesen würden. Kinder- und Müttersterblichkeit seien hoch, Geisteskrankheiten kämen häufig vor. Unverblümt beklagt Schroeder die Härte der Regeln: "Die strenge Anwendung der von Menschen gemachten Regeln und Gesetze steht der Liebe und dem Mitleid unter den Kolonisten oft im Wege".

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