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TV-Star Sascha Hehn ist in der ZDF-Miniserie „Lerchenberg“ der in die Jahre gekommene TV-Star Sascha Hehn.

Sascha Hehn und 50 Jahre ZDF

„Man wächst auch am Schulmädchen-Report“

Zum 50. Geburtstag bringt das ZDF die selbstironische Serie "Lerchenberg". In einer der Rollen: Sascha Hehn. Im Interview spricht er über das Gefühl, sich selbst zu spielen, Til Schweigers „Tatort“ und die Vorzüge des Rasenmähens.

Zum 50. Geburtstag bringt das ZDF die selbstironische Serie "Lerchenberg". In einer der Rollen: Sascha Hehn. Im Interview spricht er über das Gefühl, sich selbst zu spielen, Til Schweigers „Tatort“ und die Vorzüge des Rasenmähens.

Zum 50. Geburtstag nimmt sich sich das ZDF in der Miniserie ?Lerchenberg? (Donnerstag, ZDFneo) selbst auf die Schippe. Und mit ihm der Schauspieler Sascha Hehn. Unter seinem richtigen Namen intrigiert der 58-Jährige als alternder TV-Star in vier Folgen durch jene staubige TV-Behörde, die ihm in der Realität einst zum Durchbruch verhalf.

Herr Hehn, reden Sie privat eigentlich auch in der dritten Person von sich?

Nein, der Sascha in „Lerchenberg“ ist doch ein anderer. Für den Realitätsbezug der Serie war zunächst nur ein bekannter Name vonnöten; als das ZDF da auf mich zukam, dachte ich, die wollen mich verarschen, aber nach den ersten Gesprächen fand ich die Idee, mich selber zu spielen, hochinteressant.

Es steckt also doch nicht nur Ihr Name in „Lerchenberg“?

Sobald es sympathisch wird! Wobei viele sagen werden: Was für’n Arsch! Wer die Branche kennt, kennt auch die Ellenbogen, den Überlebenswillen, aber mir fehlt dazu der Ehrgeiz. Deshalb bin ich auch nicht geneigt, mit Redakteurinnen ein Verhältnis einzugehen, um Karriere zu machen. Diese Art Unterhaltungswert beim Film-Hehn bleibt also fiktiv.

Genauso wie die Stagnation seiner Karriere?

Sonst wäre mir die Rolle auch schwer gefallen, denn ich laufe nichts hinterher. Deshalb rate ich allen Nachwuchsleuten dieser Branche: Erlernt noch ein richtiges Handwerk, das euch im Zweifel ernähren kann; dieses hier tut das nur in den seltensten Fällen. Schauspielerei ist der unsicherste aller Berufe.

Den Sie noch nicht mal richtig gelernt haben.

Ich bin mit fünf Jahren beim Minigolf entdeckt und fortan als Frontschwein vor die Kamera gesetzt worden. So hab’ ich am Ende alles von der Pieke auf gelernt, denn es gab immer Prüfungen, die mich weiter gebracht haben: Shakespeares Orlando, Goethes Egmont, Improvisation, Theatertourneen – das hat mich weitergebracht. Nur an seinen Rollen kann man wachsen.

Auch am „Schulmädchen-Report“?

Selbst an denen. Man wächst sogar am Unvermögen unprofessioneller Produktionen, fragt sich aber doch, wie in den riesigen öffentlich-rechtlichen Apparaten etwas passieren kann wie das „Musikhotel am Wolfgangsee“ vor fünf Jahren.

Ein Neo-Heimatfilm, nach dem Sie sagten, künftig lieber für 15?Euro den Rasen zu mähen, als ihren Beruf nochmals so lächerlich zu machen.

Das war ein Hilfeschrei! Ich habe getan, was ich konnte, hätte aber machen sollen, was Til Schweiger im „Tatort“ getan hat: Mitspracherecht einfordern, um Unterhaltung innovativ zu gestalten. Denn ob man seine Filme mag oder nicht – es ist meist gutes Handwerk. Und er muss selber wissen, wie er sich besetzen lässt. Wissen Sie: Schauspieler nehmen sich gern sehr wichtig.

Und Sie?

Ich auch! Doch dann denk ich an Robert Mitchums Worte, was Darsteller leisten sollten: Sei pünktlich, lern deinen Text, fall nicht in die Kulissen! Der Rest ist Inszenierung und Bearbeitung. Antonio Banderas meinte mal zu mir, beim Dreh von „Zorro“ wäre er völlig unsicher gewesen, was rauskommt, aber als er den Film gesehen hat, dachte er: Das bin ich? Super!

Sie waren der Sunnyboy. Hat Sie das Image nie gestört?

Nö. Ich fand’s in der Schublade ganz gut. Vielleicht wäre mir außerhalb mehr möglich gewesen, aber es war meine eigene Entscheidung; ich wollte Geld verdienen, sonst wäre ich am Ende vielleicht als großer Theaterschauspieler in Wien versauert, wer weiß. Darüber denke ich nicht nach, denn so wie es gelaufen ist, ist es gut gelaufen; ich habe allen Grund zur Zufriedenheit.

"Da würde ich lieber bei McDonalds arbeiten"

Klingt nach einem guten Verhältnis zum Massengeschmack.

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon, im kommerziellen nicht. Es gibt dort Formate, für die Menschen ihre Selbstachtung ad acta legen; da würde ich lieber bei McDonalds arbeiten. Und auch wenn ARD und ZDF die Protagonisten leichter Privatunterhaltung einladen, statt sich unter Zigtausenden ernstzunehmenden Künstlern zu bedienen, ist das für jemanden vom alten Schlag wie mich bedenklich. Oft mangelt es da an Kritikfähigkeit, aber „Lerchenberg“ zeigt, dass das ZDF auf einem guten Weg ist, im Umgang mit sich selbst den Humor nicht zu verlieren.

Steckt der auch in Ihrer Beförderung zum „Traumschiff“-Kapitän?

Wenn sich die Ursprungsbesatzung getroffen hat, gab es immer wieder Scherze, ob ich als Kapitän an Bord zurückkehre. Als dann die Anfrage kam, habe ich zwar um Bedenkzeit gebeten, ob das Sinn macht, bin aber mit meiner Familie schnell übereingekommen, dass es was Positives ist, weil es statt Mord und Totschlag schöne Bilder netter Menschen in guten Geschichten gibt, nach denen die Zuschauer mit einem Lächeln zu Bett gehen.

Und es gibt schlechtere Arbeitsbedingungen.

Absolut, auch wenn die sich im Vergleich zu früher verändert haben, als es nach drei Drehtagen eine Woche Pause gab. Heute geht alles zackzack, time is money, es muss gespart werden, und das ist auch gut so. Jetzt machen wir es eben zügiger. Aber es sind ja auch nur zwei Folgen vom „Traumschiff“ und von „Kreuzfahrt ins Glück“ pro Jahr. Ich arbeite ja generell nicht mehr so viel.

Das Gespräch führte Jan Freitag.

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