+
Die Einladungskarte zur Trauerfeier.

Trauerfeier für Bernd Eichinger

„Man konnte ihm ganz schön auf den Leib rücken“

Freunde, Familien und Weggefährten nehmen in München Abschied von Bernd Eichinger. Über 800 Gäste waren in die Michaeliskirche gekommen. Der Regisseur Tom Tykwer hielt eine bewegende Trauerrede.

Zwei Wochen nach dem Tod von Bernd Eichinger sind am Montag in München mehrere Hundert Menschen zu einer Trauerfeier für den Starproduzenten zusammengekommen. In der St.-Michael-Kirche in der Innenstadt versammelten sich neben Eichingers Witwe Katja und seiner Tochter Nina zahlreiche Prominente aus der deutschen Filmbranche - unter ihnen die Schauspieler Iris Berben, Hannelore Elsner, Thomas Kretschmann und Joachim Fuchsberger, Moderator Thomas Gottschalk sowie die Regisseure Sönke Wortmann und Marc Rothemund. Zu den weiteren Trauergästen zählten Veronica Ferres, Karoline Herfurth, Uwe Ochsenknecht, Nina Hoss und Anna Loos.

Vor dem Altarraum in der Kirche, die Platz für 1.500 Menschen bietet, war ein großes Porträt von Eichinger aufgestellt. Seine Urne stand auf einem Steinsockel, der mit einem schwarzen Samttuch umhüllt war. Auf den Stufen davor war ein großes Schwarz-Weiß-Foto Eichingers aufgebaut, vor dem seine Ehefrau Katja und seine Tochter Nina zu Beginn des Gottesdienstes Blumen niederlegten. Der Altar war mit einem Herz aus roten Rosen geschmückt.

Bürgermeister Ude sollte Trauerrede halten

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sagte in seiner Trauerrede, der Tod des Filmproduzenten sei in besonderer Weise unfassbar gewesen, „weil Bernd Eichinger uns allen unheimlich präsent gewesen ist - mit seiner Vitalität, mit seinem Tatendrang und seiner oft überschäumenden Lebensfreude“. „Wir nehmen Abschied von einem ganz großen Repräsentanten des deutschen Films, von einem der größten seiner Zunft.“ Eichinger habe die Branche drei Jahrzehnte lang geprägt, sagte Ude. Für München sei der Verlust besonders schmerzlich, auch wenn es nicht Eichingers Geburtsort sei und er viel in Los Angeles gearbeitet habe. Hier habe er das Abitur gemacht und die Hochschule für Fernsehen und Film besucht, hier habe sein „kometenhafter, vorher nicht vorstellbarer Aufstieg“ begonnen. Ude wies auch auf Eichingers soziales Engagement für die Stadt hin. Eichinger war ein „Mann, der immer die Vision hatte, Geschichte und Geschichten filmisch zu meistern“, was viele immer wieder als motivierend und mitreißend empfunden hätten.

Bewegende Worte fanden auch Filmproduzent Günter Rohrbach („Das Boot“, „Die Apothekerin“), die Regisseure Uli Edel („Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) und Tom Tykwer („Das Parfum“) sowie die Schauspielerin Martina Gedeck. Rohrbach, langjähriger Freund der Familie, sprach von einem grausamen Schlag „brutal hinein in eine Lebensfülle, die gerade noch die deine war“. Edel sagte: „Es ist ein unbegreiflicher Mist, mein Freund, dass ich dir jetzt auf Wiedersehen sagen muss.“

"Man konnte ihm ganz schön auf den Leib rücken"

„Wen Bernd einmal auf dem Radar oder ins Herz geschlossen hatte, der blieb dort beheimatet“, sagte Twyker, „ganz sicher auch in schweren und stürmischen Zeiten“. Die Freundschaft zu Eichinger sei ein Geschenk gewesen, das der Produzent unglaublich vielen Menschen gemacht habe. „Man konnte ihm ganz schön auf den Leib rücken, und er ließ das auch zu“, sagte Tykwer. Eichinger habe die Nähe gesucht, „wie nichts anderes auf der Welt“.

Schauspieler Axel Milberg („Tatort“) sagte am Rande der Trauerfeier, „unheimlich viele Menschen haben von seiner Umsetzungskraft profitiert“. Eichinger habe Dinge durchgesetzt, von denen andere nicht mal geträumt hätten, und das sei die Voraussetzung, dass Schauspieler spielen, Autoren schreiben und Regisseure Regie führen könnten. „Da ist er unvergleichlich gewesen.“

Eichinger war am 24. Januar in Hollywood überraschend an einem Herzinfarkt gestorben. Der 61-Jährige war mit Filmen wie „Die unendliche Geschichte“, „Der Name der Rose“, „Der Untergang“ oder „Der Baader Meinhof Komplex“ eine der einflussreichsten Größen im deutschen und internationalen Filmgeschäft. Der Produzent, Drehbuchautor und Regisseur galt als der vielleicht wichtigste Vertreter des deutschen Films. (dapd/dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion