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„Ich hänge mich immer hundertprozentig rein“, sagt Margot Robbie.
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„Ich hänge mich immer hundertprozentig rein“, sagt Margot Robbie.

Margot Robbie

„Man darf niemals kuschen“

Die australische Schauspielerin Margot Robbie über Selbstbehauptung im Filmbusiness und warum sie Leonardo DiCaprio mal eine gescheuert hat.

Von Ulrich Lössl

Der Sommer 2016 ist für die australische Schauspielerin Margot Robbie der Sommer, in dem sie endgültig in Hollywood angekommen ist. Erfrischend eigensinnig spielt sie die Jane in „The Legend of Tarzan“ und in der Comic-Verfilmung „Suicide Squad“ (ab Donnerstag im Kino) stiehlt sie als irrlichternde Harley Quinn sogar dem Joker die Schau. Aufgefallen ist die 26-Jährige aber schon vorher. Etwa in Martin Scorseses preisgekröntem „The Wolf of Wall Street“, in dem sie Leonardo DiCaprio fast um den Verstand bringt. Oder vergangenes Jahr in der Thriller-Comedy „Focus“ als Nachwuchs-Gaunerin an der Seite von Will Smith. Heute sitzt Margot Robbie auf einer riesigen Ledercouch im Hotel Caesar’s Palace in Las Vegas. Sie trägt ein eng anliegendes schwarzes Kleid und schwarze Lederboots. Auf einem Marmortischchen vor ihr liegen jede Menge giftgrüne „Suicide Squad“-Lutscher und daneben stapelweise Rubbel-Tattoos. Margot Robbie ergreift im Gespräch gleich selbst die Initiative und fragt: „Wollen Sie einen Lutscher? Oder ein Harley-Quinn-Tattoo? Keine Angst, es ist kein echtes, sondern eines Zum-nass-auf-die-Haut-pressen. Mein Tattoo-Kit habe ich heute leider nicht dabei.“

Sie stechen tatsächlich echte Tattoos?
Oh, ja, das ist eins meiner Hobbys. Und ich kann es ganz gut.

Nein, danke, im Moment möchte ich weder einen Lutscher noch ein Tattoo. Aber können Sie bitte Ihre Filmfigur mit drei Sätzen beschreiben?
Dr. Harleen Quinzel ist eine junge, sexy, borderline-crazy Psychologin, die in der Irrenanstalt Arkam Asylum hochkriminelle Verrückte behandelt. So auch den Joker. Als sie sich in ihn verliebt, wird sie zu Harley Quinn und läuft ein bisschen Amok.

Wussten Sie vorher, was genau bei dieser Rolle auf Sie zukommen würde?
Nein, nicht wirklich. Ich kannte auch die Comic-Vorlage nur flüchtig. Aber nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, wusste ich natürlich, dass das ein ziemlich abgefahrener Film werden würde. Und dass ich da mit einem wilden Haufen von anderen Schauspielern zusammen sein würde. Das sah alles auch sehr aufregend aus, aber ehrlich gesagt wollte ich anfangs die Harley-Quinn-Rolle gar nicht annehmen. Denn ich hatte wirklich überhaupt nichts mit dieser durchgeknallten Figur gemeinsam. Ich habe sie sogar regelrecht gehasst. Aber dann habe ich eingesehen, dass sie ja – auf ihre ganz eigene Art – eigentlich nur versucht, sich in einer männlichen Welt ihren Platz zu verteidigen. Und das konnte ich verstehen. Denn auch ich habe im Laufe der Zeit gelernt, mich als Frau zu behaupten. Das ist im Showbusiness überlebenswichtig. Sonst gehst du unter. Und wenn möglich will ich auch künftig in meinen Filmen immer öfter sehr selbstbewusste Frauen darstellen. Die Zeiten, in denen ich nur das sexy Girlfriend oder die trophy wife des männlichen Helden war, sind hoffentlich vorüber.

Stimmt es, dass Ihnen Jared Leto – der im Film den Joker spielt – vor den Dreharbeiten zu „Suicide Squad“ lebendige Ratten, ein verklebtes Playboy-Magazin und gebrauchte Kondome geschickt hat?
(Lacht) Nicht nur mir – allen anderen Schauspielern auch. Und das war nicht mal alles. Ich will gar nicht alle Widerlichkeiten aufzählen, die ich noch von ihm bekommen habe. Aber damit hat er schon vor Drehbeginn den Ton festgelegt. Als er dann ans Set kam, haben wir ihn alle bis aufs Blut gehasst. Ich natürlich zuerst auch. Aber dann muss ich ihm ja als Harley Quinn mit Haut und Haar verfallen. Ich hatte sehr viel Spaß mit Jared. In Wirklichkeit ist er ein ganz sanfter und lieber Kerl.

War Harley Quinn die Rolle, die Sie bisher am meisten gefordert hat?
Das kann ich so nicht sagen, denn ich hänge mich in allen meinen Rollen immer hundertprozentig hinein. Aber dieser Film war physisch natürlich sehr anstrengend. Mit dem Baseball-Schläger habe ich mir in der Hitze des Gefechts auch ein paar Mal selbst eine verpasst. Und ich habe auch bei diesem Film wieder viel gelernt. Wenn man mit so tollen Schauspielern wie Will Smith oder Christoph Waltz vor der Kamera steht, dann ist das die beste Schauspielschule der Welt. Vor allem mit Christoph hatte ich bei „The Legend of Tarzan“ ein paar sehr lange und intensive Szenen. Und es war fantastisch mit anzusehen, wie er sein Spiel immer wieder von Neuen variiert hat. Manchmal war ich so gebannt, dass ich sogar meinen Einsatz verpasst habe. Ich mag es sehr, wenn man beim Spielen auch etwas Neues ausprobiert und nicht ständig nur auf Nummer sicher geht.

Dass Sie großen Mut zu Neuem haben, bewiesen Sie ja selbst, als sie Leonardo DiCaprio beim Vorsprechen zu „The Wolf of Wall Street“ eine schallende Ohrfeige gegeben haben …
… die gar nicht im Drehbuch stand. (Lacht) Ja, da habe ich aus reiner Verzweiflung improvisiert. Leo ist ein sehr präsenter Schauspieler, der mich beim Vorsprechen regelrecht an die Wand gespielt hat. Ich wusste, dass ich mir schnell etwas einfallen lassen musste, um die Rolle zu bekommen. Also habe ich ihn – nach einem lautstarken Streit – nicht wie im Drehbuch vorgesehen geküsst, sondern ihm direkt eine geknallt. Plötzlich war es im Raum totenstill. Und ich dachte noch: „Du wirst niemals wieder in Hollywood arbeiten können.“ Da fingen Leo und Marty laut an zu lachen. Und da spürte ich: Alles wird gut.

Sie haben als Hollywood-Neuling wohl überhaupt keine Berührungsängste, sich mit den großen Stars der Filmbranche anzulegen, oder? Stimmt es, dass Sie Will Smith gemaßregelt haben, weil er unpünktlich zum „Focus“-Casting kam?
Na ja, ich hatte damals meinen Urlaub in Kroatien Hals über Kopf abgebrochen und bin dann 24 Stunden lang um die halbe Welt geflogen, habe unterwegs meine Koffer verloren und kam total übernächtigt und verschwitzt – aber trotzdem pünktlich – zum Vorsprechen an. Und Will hat es nicht mal rechtzeitig von Queens nach Manhattan geschafft. (Lacht) Was er übrigens bis heute bestreitet. Seine Ausrede ist, dass er sehr wohl rechtzeitig da war, man ihn aber in einem anderen Zimmer aufgehalten hatte. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe sehr großen Respekt vor diesen Leuten, die schon so Großartiges geleistet haben. Aber ich habe schon früh gelernt, dass man als Schauspielerin nicht kuschen darf, sondern sich – wenn nötig – schon mal auf die Hinterbeine stellen muss. Sonst wird man schonungslos untergebuttert. Wenn man es wirklich bis zu einem Film-Set geschafft hat, ist man meist völlig auf sich allein gestellt. Da muss man das, was von einem gefordert wird, einfach bringen. Natürlich entsteht dadurch manchmal ein immens hoher Druck. Aber der steht in der Job-Beschreibung eines jeden Schauspielers.

Sie haben Ihr Handwerk in der australischen Seifenoper „Neighbours“ gelernt…
… und das war eine harte, aber auch eine gute Schule. Da wurde pro Tag oft eine ganze Episode gedreht. Und da ich eine Figur spielte, die sehr gerne und viel geredet hat, musste ich wahnsinnig viel Text auswendig lernen. Aber dadurch habe ich meinen Namen auf die Landkarte gesetzt, die hoffentlich mal nach Hollywood führen sollte. Und tatsächlich: Als ich in Hollywood zum Vorsprechen anklopfte, hatte man wenigstens schon mal von mir gehört.

David Yates, der Regisseur von „The Legend of Tarzan“, schwärmt von Ihrer Natürlichkeit, Ihrer Stärke und Ihrer „sinnlichen Ausstrahlung, die nicht bedrohlich wirkt“. Können Sie mit dieser Charakterisierung etwas anfangen?
Ich denke, das hängst von der jeweiligen Rolle ab. Aber in Bezug auf meine Jane-Rolle verstehe ich, was er meint. Denn ich spiele Jane ja nicht als eine „Jungfrau in Nöten“. Im Gegenteil: Sie ist selbstbewusst und weiß genau, was sie will. Sie ist sogar ein bisschen bossy (lacht) – mir also ziemlich ähnlich. Es ist immer einfacher, einen Charakter auf der Leinwand darzustellen, der einem auch im wirklichen Leben zumindest etwas ähnlich ist. Und was die Natürlichkeit betrifft – die ist im Film wohl fast am Schwierigsten herzustellen. Da greife ich also, wann immer es geht, auf meine emotionale Fantasie zurück.

Das müssen Sie jetzt näher erklären.
Beim „Tarzan“-Film bin ich zum Beispiel zur Vorbereitung auf eine zärtliche Szene mit Alexander Skarsgård, der den Tarzan spielt, ganz allein durch das Baumhaus gewandelt, in dem er im Dschungel früher einmal mit mir gelebt hatte. Ich habe mir vorgestellt, dass ich da durch meine eigene Vergangenheit gehe … Das kann man nur schwer beschreiben … Aber für mich bedeutet Schauspielerei vor allem, sich zu öffnen und dem anderen auch wirklich zuzuhören. Und im täglichen Leben bin ich sowas von natürlich und total auf dem Teppich geblieben, darauf können Sie sich verlassen.

Sie haben gerade den Durchbruch zur wohl gefragtesten Hollywood-Schauspielerin geschafft. Da stellt man immer die Frage: „Wie werden Sie mit dem großen Erfolg umgehen?“ Und: „Haben Sie Angst, dabei unter die Räder zu kommen?“
Auf Erfolg kann man sich nicht wirklich vorbereiten – außer, dass man versucht, sich auch weiterhin selbst treu zu bleiben und sich davon nicht blenden zu lassen. Aber Angst, dass ich durch diese Erfolge aus der Bahn geworfen werde, habe ich nicht. Denn ich bin ja nicht allein. Ich habe Familie und gute Freunde, auf die ich mich immer verlassen kann. Ich habe ja auch schon für mich sorgen können, bevor es mit der Schauspielerei so richtig geklappt hat. Und ganz egal, was ich gemacht habe, ob ich in einer Bar gejobbt oder Surfboards verkauft habe: Ich habe immer sehr viel Befriedigung und Selbstvertrauen aus diesen Jobs gezogen. Wichtig ist, wie man etwas macht, nicht was man macht. Abgesehen davon habe ich mich immer auf meine Instinkte verlassen können. Und bisher bin ich sehr gut damit gefahren.

Was ist eigentlich aus der Ratte geworden, die Ihnen Jared Leto geschickt hat ?
Die habe ich natürlich behalten. Sie ist etwas ganz Besonderes, denn ich habe sie ja vom Joker höchstpersönlich geschenkt bekommen. Übrigens: Ihr Name ist Rat Rat.

Interview: Ulrich Lössl

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