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Die Anlauf- und Infostelle soll schnell wieder aufgebaut werden.
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Die Anlauf- und Infostelle soll schnell wieder aufgebaut werden.

Hambacher Forst

Mahnwache brennt

  • vonBarbara Schnell
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Am zweiten Weihnachtstag gehen Zelte unweit des „Hambi“ in Flammen auf. Es ist nicht die erste Attacke auf die Demonstrierenden.

Es ist immer windig an diesem exponierten Ort zwischen dem Hambacher Forst und Morschenich. Unweit des Ortsteiles der nordrhein-westfälischen Gemeinde Merzenich steht auf einem Feldweg weithin sichtbar die Mahnwache. Wenn ein Autofahrer kurz vor der kleinen Burg aus Zelten, Wohnwagen, Paletten und Fahnen demonstrativ den Motor aufheulen lässt, dann verrät das schon viel darüber, auf welcher Seite des gesellschaftlichen Grabens im Rheinischen Braunkohlerevier der Mensch am Steuer sitzt.

Auch zwei Jahre nach der Räumung der Baumhausdörfer, die mit einem gerichtlichen Rodungs-Verbot endete, stehen sich Klimaaktivistinnen und -aktivisten und Befürworter der RWE-Pläne rund um den vom Tagebau bedrohten Wald ohne Worte gegenüber. Von der Landespolitik, die 2017 mit dem Versprechen von „mehr Sicherheit“ in den Landtag einzog, kommt wenig, das einen könnte, viele Menschen vor Ort fühlen sich allein gelassen. Einen echten Dialog gibt es zwischen den Parteien noch immer nicht,

Was entsteht, ist ein Vakuum, von dem unter anderem die „Alternative für Deutschland“ profitieren kann. Im benachbarten Düren erzielt sie Wahlergebnisse, die über dem Durchschnitt im Land Nordrhein-Westfalen liegen. Seit ihren Anfangstagen berichten die Aktivistinnen und Aktivisten, die im August 2018 an der L257 in Sichtweite des Hambacher Forstes eine Mahnwache anmeldeten und einen Pavillon aufbauten, denn auch von Attacken. Viele davon tragen eine rechte Handschrift, meinen sie.

Erst waren es Beschimpfungen und Flaschenwürfe aus vorbeifahrenden Autos heraus. Mit dem Wachsen der Mahnwache hin zu einer sturmfesten Anlauf- und Infostelle änderte sich auch die aggressive Qualität der Angriffe, den Worten und Flaschen folgten Böllerwürfe, erst vor drei Monaten wurde die Mahnwache Ziel eines brutalen Raubüberfalls, bei dem technische Ausrüstung gestohlen wurde. Am Morgen des zweiten Weihnachtstages am Samstag dann ging die Mahnwache am Hambacher Forst nun in Flammen auf.

Die Nachtwache schließ nicht im Hauptzelt, verletzt wurde bei dem Brand niemand. Sieben Molotowcocktails werden an der Brandstelle gefunden, meldet die örtliche Bürgerinitiative Buirer für Buir. Auch ihr eigenes „Bündnismobil“ sei vor zwei Jahren durch Brandstiftung vernichtet worden.

Gedenkstätte bleibt verschont

Während im fernen Berlin und im weniger fernen Düsseldorf um den gesetzlichen Rahmen für den Kohleausstieg gerungen wird, wähnen sich viele Menschen im Revier im rechtsfreien Raum. Der jüngste Angriff bestätigt das.

Doch am Rande der Attacke auf die Mahnwache gibt es auch ein kleines Weihnachtswunder. Die Gedenkstätte für den während der Räumung tödlich verunglückten Journalisten Steffen Meyn bleibt von den Flammen verschont. Und ein Spendenaufruf der „Buirer“ für den Wiederaufbau der Wache verbreitete sich schnell.

Neue Zelte und Paletten werden wohl nicht lange auf sich warten lassen. Doch die Hoffnung, dass die Politik entschlossen eine Brücke über den gesellschaftlichen Graben im Rheinischen Braunkohlerevier bauen wird, ist mit diesem Brand weiter geschwunden.

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