Düsseldorf

Mafia-Prozess: Auftakt wegen Corona-Quarantäne vertagt

Kurz nach dem Start wird der Mafia-Mammutprozess in Düsseldorf unterbrochen. Einer der 14 Angeklagten ist in Corona-Quarantäne - seine Mutter ist erkrankt.

Der Auftakt des großen Mafia-Prozesses im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf mit 14 Angeklagten und 40 Verteidigern ist wegen der Corona-Quarantäne eines der Beschuldigten unterbrochen worden. Er soll erst am Freitag fortgesetzt werden. Das beschloss die Kammer am Montag kurz nach Beginn der Hauptverhandlung. Die Anklage verlas die Staatsanwaltschaft nicht. „Das Verfahren soll gemeinsam mit allen Verfahrensbeteiligten stattfinden“, sagte der Vorsitzende Richter, Jens Luge.

Die Mutter des Angeklagten, der nicht gekommen war, sei positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Kammer sei vom Anwalt des Beschuldigten in der Nacht zum Montag unterrichtet worden, dass dieser am Freitagabend seine erkrankte Mutter besucht habe, als noch nicht klar gewesen sei, dass sie infiziert ist. Der Angeklagte habe sich zwar bereits testen lassen, mit einem Ergebnis rechnete die Kammer am Montag aber nicht mehr. Die Mutter des Mannes liege derzeit in einem Kölner Krankenhaus.

Der Prozess-Auftakt war mit Spannung erwartet worden. Die Verhandlung begann rund eine Stunde verspätet, weil der Einlass in den Hochsicherheitstrakt länger dauerte als erwartet.

Laut Staatsanwaltschaft sind fünf der 14 Angeklagten im Alter von 31 bis 56 Jahren Mitglieder der ‚Ndrangheta, die als mächtigste Mafiaorganisation weltweit gilt und den internationalen Kokainhandel kontrolliert. Die Angeklagten kommen größtenteils aus Nordrhein-Westfalen. Unter anderem wird ihnen der Handel mit Hunderten Kilo Kokain vorgeworfen (Az.: 34 KLs 3/20).

In unterschiedlicher Zusammensetzung müssen sie sich auch wegen der Bildung und Unterstützung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche, Betrug, Steuerhinterziehung und Verstößen gegen das Waffengesetz verantworten. Neben den fünf mutmaßlichen Mitgliedern sollen sechs die Vereinigung unterstützt haben. Unter den drei weiteren Männern seien auch solche, die laut Anklage im Hintergrund tätig waren und etwa abhörsichere Mobiltelefone besorgt haben sollen.

Vor Beginn des Prozesses kritisierte einer der Verteidiger den Vorwurf der ‚Ndrangheta-Mitgliedschaft mit Blick auf seinen Mandanten, einen Duisburger. Es sei aus seiner Sicht eine „sehr vage Beweislage, was diesen Vorwurf betrifft“, sagte Anwalt Wolf Bonn am Montag.

Die entsprechenden Angaben der Ankläger fußten auf Aussagen eines Kronzeugen aus Italien, so Anwalt Bonn. Dieser sei „eine unglaubwürdige Person“. Italienische Behörden hätten ihm mittlerweile „die Treue versagt“. Die Staatsanwaltschaft habe sich in dem Punkt „vergaloppiert“.

Das Verfahren geht auf eine großangelegte internationale Razzia zurück, die einen Schwerpunkt im Rheinland hatte. Unter dem Decknamen „Pollino“ waren Ermittler Anfang Dezember 2018 in Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien gegen Mitglieder ‚Ndrangheta vorgegangen.

Die Organisation hat in Deutschland ein festes Standbein, wobei sie besonders auch in NRW aktiv ist. Clans der Organisation waren etwa für die Mafia-Morde von Duisburg verantwortlich, bei denen 2007 sechs Menschen vor einer Pizzeria erschossen wurden.

Das Gericht hat für das Verfahren rund 90 Verhandlungstage bis Ende 2021 angesetzt. Der Prozess war vom Duisburger Landgericht aus Platz- und Sicherheitsgründen nach Düsseldorf verlegt worden. (dpa)

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