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Armut in Ostafrika

Hungersnot und Verzweiflung: Dürre in Madagaskar sorgt für lebensbedrohliche Zustände

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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Nach vier Dürrejahren herrscht in dem ostafrikanischen Inselstaat Madagaskar eine dramatische Hungerkrise. Ohne Unterstützung droht 28.000 Menschen der Tod.

Antananarivo - Inmitten der schlimmsten Dürre seit mehr als 30 Jahren stehen Hunderttausende Menschen, die auf dem Inselstaat Madagaskar leben, vor einer lebensbedrohlichen Situation. Es gibt auf der ostafrikanischen Insel kaum noch Nahrungsmittel, auch sauberes Trinkwasser fehlt. Seit Monaten bleibt den Menschen auf Madagaskar nichts anderes übrig, als sich von Kakteenfrüchten, mit Tamarindensaft gemischtem Lehm, Heuschrecken und Blättern zu ernähren.

Grund dafür ist der seit vier Jahren ausbleibende Regen in der Region. Seit 2017 gab es so gut wie keine Niederschläge, die nächsten Regenperioden seien frühestens im Mai 2022 zu erwarten. Flüsse und Seen sind ausgetrocknet, die ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen staubig und unfruchtbar. Die meisten Nutztiere sind durch die herrschenden Umstände bereits gestorben. Die Situation hat Hilfsorganisationen auf den Plan gerufen, die von „katastrophalen“ Lebensumständen sprechen.

Über 135.000 Kinder in Madagaskar sind unterernährt, 28.000 Menschen droht der Hungertod

Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) benötigen schon jetzt 1,14 Millionen Menschen auf Madagaskar, darunter auch 135.500 akut unterernährte Kinder, Nahrungsmittelnothilfe - die Zahlen steigen rapide. „Wenn der Trend anhält, droht 28.000 Menschen der Hungertod“, sagte WFP Madagaskar-Sprecherin Alice Rahmoun der Deutschen Presseagentur. Zahlreiche weitere Menschen treibt die aktuelle Situation in den Selbstmord. Und weil Landwirte teils keine andere Lösung sehen, als sich von ihren Samen fürs nächste Jahr zu ernähren, droht die Katastrophe sich auch im Jahr 2022 - ganz unabhängig von der Witterungslage - fortzusetzen.

Zahlreiche Menschen auf Madagaskar sind auf die Unterstützung von Hilfsorganisationen angewiesen. Hier warten zahlreiche auf eine Behandlung von Ärzte ohne Grenzen.

Doch nicht nur Madagaskar ist von einer ungewöhnlich starken Dürre betroffen. In vielen anderen Teilen der Welt hungern in diesem Jahr mehr Menschen als sonst. In 43 Ländern sind nach Angaben der Vereinten Nationen 41 Millionen Menschen aktuell von Hungersnöten bedroht - ein drastischer Anstieg gegenüber 27 Millionen vor zwei Jahren. Am stärksten gefährdet sind 584.000 Menschen in Äthiopien, Madagaskar, dem Südsudan und Jemen, so die UN. Auch in Burkina Faso, Tschad und Nigeria ist der Hunger groß.

Hungersnot in Madagaskar: Nahrungsmittelproduktion bricht um 70 Prozent ein

Auslöser der katastrophalen Lage sind verschiedene Faktoren, die sich zum Teil gegenseitig verstärken: langwierige bewaffnete Konflikte, Klimawandel, Sandstürme, Überschwemmungen, die Corona-Pandemie und Konjunktureinbrüche. Dazu kommen strukturelle Probleme wie weitreichende Armut, hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Regierungsführung, schwache Bildungssysteme und die Abholzung bewaldeter Gebiete.

LandRepublik Madagaskar
HauptstadtAntananarivo
AmtsspracheMalagasy, Französisch
StaatsoberhauptAndry Rajoelina (Präsident), Christian Ntsay (Premierminister)
Größe587.295 km²
Einwohner27 Mio. (Schätzung, Stand 2019)

Im Süden Madagaskars, wo die Hungersnot besonders akut ist, haben viele Menschen bereits ihr Hab und Gut verkauft, um die wenigen Nahrungsmittel, die es auf den Märkten noch gibt, zu kaufen. Doch die Preise sind in die Höhe geschossen, die meisten Waren unerschwinglich. Hilfsorganisationen schätzen, dass die diesjährige Nahrungsmittelproduktion um bis zu 70 Prozent unter dem bereits niedrigen Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegt. Die medizinische Hilfsorganisation Ärzte Ohne Grenzen (MSF) berichtet von Massen an „völlig mittellosen Menschen“. „Manche mussten ihre Kochutensilien verkaufen und haben nicht einmal Behälter, um Wasser zu holen“, sagt MSF-Madagaskar-Einsatzkoordinatorin Julie Reversé. (ska/dpa)

Rubriklistenbild: © Rijasolo/AFP

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