TV-Prediger in USA

Luxus im Dienste des Herrn

Während der texanische Prediger Kenneth Copland im Privatjet durch die Welt reist, um die Frohe Botschaft zu verkünden, denkt sein Kollege Creflo Dollar über eine Mars-Mission nach. Klingt abgehoben? Ist es auch.

Kann man sich Gott zuwenden, mit ihm Zwiesprache halten, während man in einer Linienmaschine unter 150 oder 300 Passagieren sitzt? Der US-amerikanische TV-Evangelist Kenneth Copeland hat darauf eine verblüffende Antwort. Das ginge nicht, erklärte der texanische Prediger und Vielflieger. „Wenn ich kommerziell reiste, müsste ich 65 Prozent meiner Arbeit einstellen.“

Genau deshalb habe er den Privatjet angeschafft, begründete der 82-Jährige seinen Kauf kürzlich in einem Interview des Magazins „Inside Edition“. Außerdem sei er in einer Passagiermaschine umringt von „Dämonen“. Damit meinte er die Mitreisenden, die seine Überzeugungen nicht teilen. Das ins Netz eingestellte Video des Interviews erzielte millionenfache Abrufe und trug dem Prediger Spott und Empörung ein.

Die Vorgeschichte der provokanten Äußerungen reicht einige Monate zurück. Im Januar erwarb der Führer der „Kenneth Copeland Ministries“ einen „Gulfstream V Jet“, über dessen Preis er beharrlich schweigt. Er habe ihn so günstig erstanden, „dass er ihn einfach kaufen musste“, rechtfertigte der gelernte Pilot die für einen Kirchenmann etwas ungewöhnliche Anschaffung.

„Ehre sei Gott! Die Gulfstream ist in unseren Händen“, jubilierte der Prediger nach dem Kauf auf seiner Webseite. Die Extravaganz des Gottesmannes ist kein Einzelfall im Reich der milliardenschweren US-Megakirchen. Die sogenannten Wohlstandsevangelikalen pflegen ein enges Verhältnis zu Geld und Reichtum. Sie betrachten irdische Güter als Beleg für die Gunst Gottes. Und Copeland ist bei weitem nicht der erste Prediger, der es sich gut gehen lässt.

Sein Kollege Jesse Duplantis aus Louisiana forderte seine Gemeindemitglieder im vergangenen Jahr auf, für einen 54 Millionen US-Dollar teuren Luxus-Jet den Geldbeutel locker zu machen. Es handelte sich um das vierte Flugzeug im Dienste des Herrn. Wenn Jesus heute auf der Welt wäre, „würde er keinen Esel reiten“, meinte der graumelierte Pastor.

Die Vorstellung, nur im eigenen Jet optimal missionieren zu können, ist auch Creflo Dollar eigen. Anfang 2015 rief Dollar seine Gemeinde dazu auf, ihm 65 Millionen US-Dollar zu spenden, die ihm erlaubten, einen Privatjet anzuschaffen. Der schwarze Evangelikale und Gründer der „World Changers Church International“, dessen TV-Gottesdienste angeblich weltweit rund acht Millionen Menschen ansehen, ist Besitzer mehrerer Top-Immobilien und eines Rolls Royce.

Wie TV-Evangelikale ihr Reichsein als gottgefällig verstehen, brachte Costi W. Hinn nach Veröffentlichung des Interviews mit Copeland in einem Gastbeitrag für den Religion News Service (RNS) auf den Punkt. Der Neffe des Wohlstandspredigers Benny Hinn kennt das Leben der Luxus-Pastoren seit Kindertagen. „Ich fuhr einen BMW, einen Ferrari F430 und einen Mercedes SL500.“ 100 000 US-Dollar Spendengelder an einem normalen Wochenende gehörten zum Standard – eigentlich dafür bestimmt, „unsere Evangelisierungsarbeit zu unterstützen“.

Tatsächlich führen sein Onkel ähnlich wie Copeland, Dollar, oder andere Kirchenführer wie Joel Osteen aus Texas, ein Leben wie Rockstars. Hinn, der als Pfarrer in Arizona tätig ist, hat mit den Luxus-Evangelikalen gebrochen. Er hält das Leben in Saus und Braus für „eine verdrehte Version des Christentums“.

Hart mit den Predigern ins Gericht geht der landesweit bekannte TV-Late-Night-Talker und Satiriker John Oliver. „Sie nutzen den Glauben der Menschen für finanzielle Gewinne aus. Aber schrieb nicht einst der Evangelist Markus, eher gehe ein Kamel durch ein Nadelöhr, ‚als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt‘?“

Creflo Dollar lässt sich weder von biblischen Zeugnissen noch den Kritikern von heute beeindrucken. Stattdessen verteidigt der Mann mit dem sprechenden Nachnamen sein Christentum der vollen Kassen. Gedanklich ist er längst einen Schritt weiter. Falls Leben auf dem Mars entdeckt würde, werde er sich nicht scheuen, Gott um eine Milliarden-Spende zu bitten, damit er das Wort des Herrn auf dem roten Planeten verkündigen könne. (Thomas Spang, kna)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion