+
Hanfparade für eine Legalisierung von Cannabis im Sommer 2019 in Berlin.

Drogenbericht

Kiffer nicht mehr verteufeln

  • schließen

Die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig will die „starre Haltung“ gegen Kiffer aufgeben.

Die neue Drogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) hat einen Neustart gegenüber der „weichen“ illegalen Droge Nummer Eins angekündigt: Cannabis. „Wir können mit der bisherigen starren Haltung nicht für Jahre weitermachen“, sagte sie bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2019 in Berlin. Ihr Fokus liege auf der Frage: „Was können wir für den Gesundheitsschutz tun.“

Um eine Neujustierung zu erreichen, wolle sie einen offenen Dialog mit verschiedenen Interessengruppen führen, die sich im Spannungsfeld zwischen maximaler Repression und Legalisierung bewegten. „Scheuklappen bringen nichts“, so Ludwig. Klar sei aber, dass Cannabis „kein harmloses Kraut ist“. Insbesondere für Heranwachsende berge es viele gesundheitliche Risiken. Anhänger einer liberaleren Drogenpolitik diskutieren deshalb Modelle, in denen der Konsum für über 25-Jährige freigeben wird.

Ludwig will sich noch nicht festlegen: „Ich denke in viele verschiedene Richtungen und tausche mich mit Kollegen in den Niederlanden, Österreich und Portugal aus, um mehr über die dortigen Erfahrungen zu lernen. Aber ich entscheide am Ende natürlich nicht alleine.“

Laut Drogenbericht ist die Zahl der Cannabis-Konsumenten zuletzt gestiegen. Bei den jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) haben bereits 40,5 Prozent die Droge schon einmal probiert – bei der letzten Erhebung 2012 lag der Anteil bei 33,8 Prozent. Das Allzeit-Hoch für diese Gruppe lag 2004 aber bei 43 Prozent. Bei den 18 bis 59-Jährigen haben 31,9 Prozent die Droge schon einmal konsumiert.

„Keine Bewegung“ bei CDU

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach reagierte positiv auf die Ankündigung Ludwigs: „Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema und plädiere für eine Neuregelung mit Augenmaß. Diese könnte darin bestehen, das ,Modell Portugal‘ umzusetzen. Das heißt: eine Entkriminalisierung des Konsums, aber den Handel weiter bestrafen“, sagte er auf Anfrage. Was eine Umsetzung angeht, ist Lauterbach aber eher pessimistisch. „Bei der Union insgesamt sehe ich bei dem Thema keinerlei Bewegung. Es wird in dieser großen Koalition nicht zu einer Neuregelung kommen.“

Auch der deutsche Hanfverband reagierte positiv auf Ludwigs Vorstoß. Anders als ihre Vorgängerin Marlene Mortler (CSU) habe Ludwig bereits einen Gesprächstermin mit dem Verband vereinbart.

Beim Thema Rauchen kündigte Ludwig an, sich für ein komplettes Tabak-Werbeverbot stark machen zu wollen. „Die Zahl der Raucher ist zwar zurückgegangen. Das ist die gute Nachricht. Trotzdem gibt es jedes Jahr noch 120 000 Menschen, die an den Folgen des Rauchens sterben. Wir dürfen keine halben Sachen machen. Ein Werbeverbot muss deshalb auch E-Zigaretten umfassen.“ Der Anteil der Raucher von E-Zigaretten ist zuletzt stark angestiegen: Lag er 2012 bei Erwachsenen noch bei 3,9 Prozent, so stieg er 2019 laut der Drogenbeauftragten auf 6,6 Prozent. Ähnlich ist die Lage bei Jugendlichen (zwölf bis 17 Jahre): Der Anteil der E-Zigarette stieg dort von 2,6 Prozent (2012) inzwischen auf 4,2 Prozent an.

Alkohol bleibt das am weitesten verbreitete Rauschmittel. Laut Drogenbericht weisen 18 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen einen riskanten Alkoholkonsum auf. Die gute Nachricht: Bei Jugendlichen ist das auch oft als „Komasaufen“ bezeichnete Verhalten seit 2007 um etwa zwei Drittel zurückgegangen, erklärte Ludwig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion