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Der Pariser Louvre blieb gestern geschlossen, weil Mitarbeiter aus Sorge vor Corona ihre Arbeit niederlegten.

Italien und Frankreich

Der Louvre ist dicht

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  • Dominik Straub
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Frankreich wappnet sich. Italien versucht die Corona-Epidemie einzudämmen.

Bis Montagnachmittag wurden insgesamt 178 Fälle von Covid-19 in zwölf verschiedenen französischen Regionen, darunter auch jenen in der Karibik, gemeldet. Neun Erkrankte befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand. Vier Menschen sind inzwischen gestorben, zwölf konnten bereits geheilt werden. Die Regierung beschloss am Samstag, vorerst alle Veranstaltungen mit mehr als 5000 Menschen zu verbieten. So wurden der für Sonntag geplante Halbmarathon von Paris wie auch die Buchmesse, die von 20. bis 23. März mit zigtausenden Autoren, Gästen und Ausstellern stattfinden sollte, abgesagt.

Der Louvre blieb am Sonntag und Montag aufgrund eines Votums der Mitarbeiter geschlossen. Disneyland Paris ist hingegen geöffnet, auch Sportveranstaltungen wurden aufrechterhalten. Ein Fußball-Spiel in einem offenen Stadion anzusehen, stelle kein Problem dar, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran. Die Verantwortlichen für den öffentlichen Nah- und Zugverkehr bereiten sich auf eine „mögliche Epidemie“ vor.

Die Behörden empfehlen zudem den Verzicht auf den traditionellen Wangenkuss. Auch der formellere Händedruck sei derzeit zu riskant. Auch gelten die Notaufnahmen in den öffentlichen Krankenhäusern als überlastet – eine Ausbreitung des Virus könnte das System an seine Grenzen bringen, wird befürchtet. Das Erziehungsministerium will alle Klassenfahrten abblasen und laufende Schülerreisen im Ausland abbrechen. In einigen betroffenen französischen Gemeinden fällt derzeit der Unterricht aus. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire nannte bereits jetzt die Auswirkungen des Virus „größer als zunächst angenommen“. Präsident Emmanuel Macron sagte mehrere Termine für diese Woche ab, um sich auf das Krisenmanagement zu konzentrieren.

Angesicht der bisher mehr als 1700 Corona-Infizierten und 40 Toten in Italien betont Silvio Brusaferro, Hygiene-Professor und Präsident des nationalen Instituts für Volksgesundheit: „Spätestens am Wochenende werden wir sehen, ob die von der Regierung am 23. Februar ergriffenen weitreichenden Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus funktionieren oder nicht.“ Brusaferro hofft auf eine „Verlangsamung“ der Epidemie. Die Zahl der Neuinfektionen müsste dann, wenn die Maßnahmen wirken, deutlich tiefer liegen. Bisher betreffen mehr als 1500 der 1700 Covid-19-Fälle die weitgehend abgeriegelten Infektionsherde: Etwa 1000 in der Lombardei und je knapp 300 in Venetien und in der benachbarten Emilia-Romagna. In fast allen anderen Regionen lassen sich die bisher positiv auf das Virus getesteten Personen an einer Hand abzählen.

Vorerst nimmt die Zahl der Covid-19-Fälle aber zu: Unter anderem wurde gestern der regionale Minister für wirtschaftliche Entwicklung der Lombardei, Alessandro Mattinzoli, positiv getestet. Nun muss sich die gesamte lombardische Regionalregierung untersuchen lassen. Etwa zehn Prozent der Infizierten benötigen intensive medizinische Pflege; in der Lombardei mussten am vergangenen Freitag bereits 85 Corona-Intensivpatienten wegen schwerer Atemprobleme mit Sauerstoff versorgt oder künstlich beatmet werden. Es mangele an Betten in den Intensivstationen, sagt Massimo Galli, Chefarzt der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Sacchi-Klinik in Mailand.

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