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Long Covid: Forschende finden neue Details zur Ursache

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Von: Sophia Lother

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Bei der Ursachen-Forschung von Long Covid könnte ein Durchbruch gelungen sein. In einer aktuellen Studie veröffentlichen Forschende Details dazu.

Badalona – Über die Ursachen von Long Covid war lange nur wenig bekannt. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) handelt es sich dabei um „längerfristige, gesundheitliche Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion“. Dabei geht es nicht nur um körperliche, sondern auch um psychische Beeinträchtigungen der Gesundheit. Die Long-Covid-Symptome sind vielfältig* und umfassen beispielsweise Herzprobleme, Atemnot und Angstzustände oder Depression.

Doch warum haben einige nach ihrer Corona-Infektion* noch Wochen und teilweise sogar Monate mit den Folgen zu kämpfen? Der Ursache von Long Covid sind nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien auf der Spur. Was sie herausgefunden haben und wie ihre Ergebnisse einzuordnen sind.

Long Covid: Welche Rolle spielt der Vagusnerv bei Corona-Langzeitfolgen?

Die Untersuchung der Forschenden am Universitätskrankenhaus Germans Trias i Pujol in Badalona ist bisher noch nicht publiziert oder von Fachleuten begutachtet worden. Die Studie wird auf dem europäischen Kongress für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten im April erstmals vollständig der Fachöffentlichkeit präsentieren. Doch schon jetzt schlagen die ersten Ergebnisse hohe Wellen.

Inwieweit hängt der Vagusnerv mit Long Covid zusammen? Eine Studie liefert erste Antworten.
Inwieweit hängt der Vagusnerv mit Long Covid zusammen? Eine Studie liefert erste Antworten. (Symbolfoto) © CSP/Science Pics/Imago Images

Die Forschenden gehen davon aus, dass zwischen zehn und fünfzehn Prozent der Infizierten später auch Symptome von Long Covid entwickeln. In ihrer Untersuchung gingen sie der Frage nach, ob Long Covid mit dem Vagusnerv in Verbindung steht. Doch was ist der Vagusnerv?

Dieser besondere Nerv zieht seine Bahn vom Gehirn aus in den Bauchraum, dabei reicht er auch bis in Herz, Lungen, Darm und Muskeln. Er kontrolliert wichtige Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Sprache und Verdauung. Der Vagusnerv wird bei der Behandlung vieler Krankheiten, wie beispielsweise Migräne,* berücksichtigt.

Ursache von Long-Covid: Corona-Studie mit überraschender These

Für ihre Studie arbeiteten die Fachleute mit einer Kohorte von 348 Patientinnen und Patienten mit Long Covid. Über 65 Prozent von ihnen wiesen Symptome auf, die auf eine Funktionsstörung des Vagusnervs hindeuteten. Die aktuelle Pilotstudie untersuchte schließlich 22 von ihnen genauer. Von diesen Versuchsteilnehmenden waren 20 weiblich, und das mittlere Alter lag bei 44 Jahren. Bestimmte Symptome deuteten auf eine Störung der Vagusnerv-Funktion hin. Ein Überblick über die 22 Probandinnen und Probanden gibt Aufschluss:

Symptom einer Funktionsstörung des VagusnervsHäufigkeit innerhalb der Pilotstudie
Durchfall73 Prozent
Herzrasen (Tachykardie)59 Prozent
Schwindel45 Prozent
Schluckstörung (Dysphagie) und Stimmstörungen (Dysphonie)45 Prozent
Abfall des Blutdrucks (orthostatische Hypotonie)14 Prozent

Von den untersuchten 22 Personen litten 86 Prozent an mindestens drei dieser Symptome, die im Mittel 14 Monate lang anhielten. Im zweiten Schritt untersuchten die Fachleute den Vagusnerv der Erkrankten genauer.

Ursachenforschung zu Long Covid gefunden? Corona-Studie zu Symptomen

Um herauszufinden, ob eine Beschädigung des Nervens hinter den Symptomen steckt, wurden unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt. Bei sechs der 22 Patientinnen und Patienten zeigte sich dabei, eine Veränderung des Vagusnervs. Auch zum Vagusnerv gehörige Funktionen wurden ausgewertet.

Die Forscherinnen und Forscher fassen ihre Ergebnisse laut EurekAlert! mit den Worten zusammen, dass die meisten Long-Covid-Betroffenen mit Symptomen einer Dysfunktion des Vagusnervs auch strukturelle oder funktionelle Veränderungen ihres Vagusnervs aufwiesen. Dazu gehörten Nervenverdickungen, Schluckbeschwerden und Symptome einer beeinträchtigten Atmung. „Unsere bisherigen Ergebnisse weisen somit auf eine Vagusnerven-Dysfunktion als zentrales pathophysiologisches Merkmal von Long Covid hin“, so die Forschenden.

Forschung zu Long Covid: Wie ist die Corona-Studie zur Rolle des Vagusnervs einzuordnen?

David Strain, Vorsitzender des BMA Board of Science, hat sich gegenüber dem Science Media Center zu den Ergebnissen der Pilotstudie geäußert. Er unterstreicht, dass die Studie bisher noch nicht veröffentlicht wurde und daher eine genaue Bewertung der Daten nicht möglich sei. Er erklärt jedoch auch, dass bereits viele vorhergehende Studien auf einen Einfluss des Nervensystems auf Long-Covid-Symptome hingewiesen haben.

Schrumpft das Gehirn nach einer Covid-19-Erkrankung?

Gedächtnisprobleme zählen zu den Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung. Eine Studie zeigt, dass das Gehirn sogar kleiner werden kann.*

Dennoch ist es wahrscheinlich, dass nicht alle Long-Covid-Symptome mit dem Vagusnerv zusammenhängen. Eine Behandlung der Funktionsstörung des Vagusnervs könnte einigen Long-Covid-Betroffenen Linderung verschaffen. Strain hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass damit die zugrunde liegende Ursache ebenfalls behandelt werde. Das könnte dazu führen, dass Patientinnen und Patienten nach der Behandlung wieder unter den gleichen Symptomen leiden.

Für eine allumfassende Behandlung müssen sowohl die Symptome, als auch die zugrunde liegenden Ursachen in Betracht gezogen werden.

(Sophia Lother) *fr.de und 24vita.de sind Teil von IPPEN.MEDIA.

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