Vielschichtiger Prozess: Bei der Kaffeeproduktion wie hier im Kongo wird viel Wasser verbraucht. Eduardo Soteras/AFP (2)
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Vielschichtiger Prozess: Bei der Kaffeeproduktion wie hier im Kongo wird viel Wasser verbraucht. 

Verbrauch

140 Liter Wasser zum Frühstück

Die Tasse Kaffee, das neue T-Shirt, hier was gekauft, dort was verbraucht – jeder Mensch verbraucht deutlich mehr Wasser als jenes, das aus den heimischen Hähnen fließt. Ein Überblick.

Nach dem Aufstehen erst mal eine Tasse Kaffee – zack, 140 Liter Wasser verbraucht. Denn während der Herstellung des Kaffeepulvers wird Wasser benötigt. Es beginnt beim Anbau. Die Kaffeepflanzen brauchen Wasser zum Wachsen. Nach dem Ernten werden die Bohnen gewaschen. Sie werden geröstet, verschifft, verpackt und schließlich zum Supermarkt transportiert.

Die Menge an Wasser, die in der Herstellungskette eines Produktes verbraucht oder verschmutzt wird, nennt man virtuelles Wasser. 140 Liter für den Kaffee am Morgen sind schon mehr virtuelles Wasser, als eine Person in Deutschland täglich sichtbar an Trinkwasser verbraucht. Gut 120 Liter fließen pro Kopf und Tag beim Duschen, Spülen, Kochen, Waschen aus dem Hahn.

Wenn man das direkt und das virtuell verbrauchte Wasser eines Menschen addiert, erhält man seinen Wasserfußabdruck. Man kann diesen auch für Produkte, Unternehmen und Länder berechnen. Das Konzept unterscheidet drei Wasser-Arten: grünes, blaues und graues. Deren Nutzung beziehungsweise Verursachung ist unterschiedlich problematisch.

Grünes Wasser ist das natürlich vorkommende Boden- und Regenwasser, das von Pflanzen aufgenommen und verdunstet wird. Grün ist also gut. Blau weniger: Es steht für Grund­ oder Oberflächenwasser, das zur Herstellung eines Produktes genutzt und nicht in ein Gewässer zurückgeführt wird, etwa bei der künstlichen Bewässerung in der Landwirtschaft.

Als graues Wasser wird die – theoretisch – benötigte Menge an Wasser bezeichnet, die man bräuchte, um die während der Herstellung eines Produktes verschmutzte Menge Wasser wieder aufzubereiten. Viel Grau ist also sehr schlecht. Aus umweltökonomischer Sicht ist das reine Berechnen der Mengen bewegten Wassers im Fußabdruck-Konzept jedoch „sinnfrei“, so Erik Gawel vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

„Ich kann nicht einfach die Ziffern nebeneinander legen und sagen: Kaffee hat einen hohen Wasserfußabdruck, deshalb sollte man Kaffee meiden“, sagt Gawel. Der Umweltökonom zieht den Vergleich zum CO2-Fußabdruck. „Egal wo, wie und wann eine Tonne CO2-Äquivalent in die Atmosphäre gelangt, ist die Wirkung die gleiche“, sagt er. „Das ist beim Wasser nicht der Fall.“

Dazu liefert der Süßwasser-Experte Johannes Schmiester von der Naturschutzorganisation WWF ein Beispiel. Es ist ein Unterschied, ob man Tomaten in den Niederlanden anbaut oder in Südspanien, wo viel weniger Wasser verfügbar ist. Die reine Zahl – wie viel Wasser steckt in einem Produkt – sage nichts über die Wasserverfügbarkeit im Produktionsgebiet aus, so Schmiester. „Ich muss Wasser immer im geografischen Kontext sehen.“

Doch die Verbraucherinnen und Verbraucher, die im Laden stehen, haben die dafür benötigten Informationen selten. „Es ist ein generelles Problem, das nicht auf der Ebene des einzelnen Konsumenten zu lösen ist“, sagt Gawel. Dennoch können alle einzelnen Verbraucher durchaus etwas beitragen, besonders in Bezug auf Lebensmittel.

Diese sind für den Großteil unseres virtuellen Wasserverbrauchs verantwortlich. Obst und Gemüse regional und saisonal zu kaufen, ist ein guter Ansatz – nicht nur aufs Wasser bezogen. Und weniger wegschmeißen, denn „Lebensmittelverschwendung ist auch Wasserverschwendung“, sagt Schmiester. Bei anderen Produkten wie Textilien gilt, je länger man sie nutzt, desto besser.

Die 120 Liter, die Menschen in Deutschland durchschnittlich täglich verbrauchen, seien ein guter Stand, sagt Wasserexpertin Corinna Baumgarten vom Umweltbundesamt. Verbraucherinnen und Verbrauchern sollte jedoch bewusst sein, dass für das Bereitstellen von Trinkwasser Ressourcen benötigt werden. „Das Wasser muss gefördert, je nach Region unterschiedlich stark aufbereitet und teilweise erwärmt werden.“

Für Warmwasser wird zusätzlich Energie gebraucht, was Klimagase freisetzt. Deshalb rät das Umweltbundesamt: Warmes Wasser sparen. Weitere Tipps für den verantwortungsvollen Umgang: Wasser nie unnötig laufen lassen. Geschirrspüler und Waschmaschine +voll beladen. Biologisch abbaubare Reinigungs- und Waschmittel verwenden. (Alexandra Stober, dpa)

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